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Ein kurzer Blick

November 12, 2012

Wurzen ist ein Kreisstadt im Osten Leipzigs.

An der Via Regia gelegen, dort, wo diese eine alte Salzstraße zwischen Magdeburg und Prag kreuzt, gewann die Stadt an der Mulde schon zeitig an einer gewissen Bedeutung. Seit 6000 Jahren sollen da Menschen gesiedelt haben, 961 wird der Flecken erstmals urkundlich erwähnt.

Für mich ist die Stadt von Bedeutung, weil ich meine Kindheit in einem 12 km entfernten Dorf  verbrachte. Damals fuhren wir ein bis zweimal pro Monat mit dem Bus in die Stadt, um im öffentlichen Wannenbad, in dessen Gebäude heute die AOK residiert, eine Stunde lang den Luxus aus der Wand fließenden warmen Wassers zu genießen.  Danach oder davor gab es ein Eis und die Eltern erledigten wohl auch ihre Besorgungen. Wir fuhren ja wochentags hin, da es sonntags keinen Bus gab.

Ich habe Wurzen als graue Stadt in Erinnerung. Wichtigste Punkte waren der Busbahnhof, der Bahnhof, die Oberschule, die Keksfabrik, der Garten der Großeltern meiner Cousinen.

Genau diese Cousinen sind Schuld, dass ich mich am Samstag nach vielen Jahren wieder einmal in die Stadt begab. Zwar wohnte mein Bruder lange im Dorf und Freunde verbringen den Sommer im Nachbarort, und ich musste bzw. muss Wurzen, wann immer ich sie besuchte oder besuche, egal ob mit dem Rad oder mit dem Auto, „durchqueren“, aber dabei streifte ich nie die Altstadt.

Nun also verbrachten die Cousinen das Wochenende in der Stadt, um den Geburtstag ihrer Mutter zu feiern. Und mein Bruder und ich nutzten die Chance und luden uns zu einem zweistündigen Spontanbesuch ein. Da gibt es freilich anderes zu tun, als sich dem sightseeing hinzugeben. Doch fiel mir schon im Auto auf, hier hat  sich was getan.  Aus dem grauen Flecken ist ein hübsches sächsisches Städtchen geworden.  Joachim Ringelnatz‘ Geburtsort ist seit 2002 Pilotprojekt  im Freistadt Sachsen für den Umbau Ost, lese ich später im Internet. Das wusste ich gar nicht.

Doch wie ich schon sagte, wir waren da, um die Familie zu treffen. So blieb nur ein kurzer Moment, ein paar Fotos zwischen Liegenbank und Rathaus zu machen. Und das feste Vorhaben, da noch mal hinzufahren. Und alles zu erkunden.

Zum Großgucken auf die Fotos klicken

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7 Kommentare leave one →
  1. November 12, 2012 1:27 am

    Ein hübsches Städtchen – und gar nicht grau. 😉
    So ein städtisches „Tröpferlbad“ gibt es hier in München übrigens immer noch – das Karl-Müllersche-Volksbad, ein Jugendstilprachtbau, ein wahrer Badetempel. Ich werde bei Gelegenheit mal ein paar Bilder davon zeigen…

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    • November 12, 2012 7:40 am

      Ehrlich??? Das ist so was von cool. Gäbe es das hier, würde ich glatt ab und zu öffentlich wannenbaden gehen. Wegen des Ambientes. Das Wasser wird einem eingelassen, mit Düften oder Schaum oder Öl versetzt, Badetücher werden gereicht…

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  2. November 12, 2012 8:11 am

    Ein schöner architektonischer Stilmix. Wenn sich auch viele „Wessis“ über den Soli beschwer(t)en – wenns für derlei Projekte verwendet wird, find ich das prima.

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  3. Gudrun permalink
    November 12, 2012 11:55 am

    In Altenburg gibt es eine Badergasse.
    Liebe Inch, nimmst du mich mit, wenn du mal wieder nach Wurzen fährst und nicht gerade zum Familientreffen musst? Ich war noch nie in dieser Stadt. In anderen schon, nur nicht in Wurzen. Das kenne ich nur vom Hörensagen und weil ich ab und zu mal Nudeln von da esse.

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  4. November 12, 2012 6:19 pm

    Du findest immer wieder die Perlen! Es ist so schade, dass es sich noch nicht bei den Touristen herumgesprochen hat, wie pittoresk viele der kleinen Städtchen im Osten sind. Ich mach schon immer kräftig Werbung hier, damit bei den Amis mal was anderes auf dem Plan steht als München, Neuschwanstein und Schwarzwald. Naja, steter Tropfen usw…

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  5. Anja permalink
    November 13, 2012 1:05 am

    Hihi, das erinnert mich an einen Reim aus meiner Kindheit: In Wurzen, wo die Pferde furzen, in Meißen, wo die Pferde sch…

    Auch Machern oder Altenburg haben sich ganz schön herausgeputzt. Für manche Städte war es ganz klar Glück im Unglück, dass nach dem Krieg kein Geld da war, um sie zu „verschönern“. In Westdeutschland wurden die Innenstädte oft mit Betonbauten zugepflastert, auch wenn die Kriegsschäden das in dem Umfang gar nicht erforderten. Heute wird für viel Geld wieder „rückgebaut“.

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    • November 13, 2012 7:55 am

      Oder „Vor Wurzn wurzn schlecht, in Wurzn wurzn schlechter, nach Wurzn wurzn besser“

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