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Einheitsbrei

Oktober 11, 2012

Jaja, so ist das, wenn man sich zeitweise und ungefragt zum Stadtreporter aufschwingt. Da hat man die Taschenknipse immer am Mann bzw der Frau und wartet, dass ein erwartetes Ereignis endlich eintrifft, um es fototechnisch zu dokumentieren und dann:

Speicher voll!

Hä? Da ist ne 4GB-Speicherkarte drinnen!

Nee eben nicht. Die steckt zu Hause im Laptop. Und der kleine kamerainterne Speicher ist voll. Na, gut, schauen wir mal, was wir löschen können… Hm, gut, muss sich die Bloggemeinde eben mit zwei Fotos des Ereignisses begnügen.

Frau radelt nach Hause und stellt die ganze Wohnung auf den Kopf, auf der Suche nach diesem blöden Kabel zum Anschließen an den PC.  Findet sie natürlich nicht. Hat sie wahrscheinlich längst entsorgt. Weil so ein Kabel braucht sie nämlich nicht. Interner Speicher ist nämlich voll doof und sie nimmt ja eh immer die Speicherkarte. Geht doch viel bequemer.

Und bereitet dann einen Blogeintrag vor, in dem sie groß und breit erklärt, warum sie heute  heute nicht darüber berichten kann, worüber sie berichten wollte. Befleißigt sich kunstvoll im Kurve kriegen und schreibt über was ganz anderes.

Und als alles fertig ist und sie sich auf den Abend vorbereiten, hat sie einen Flash und erinnert sich an so eine Kramkiste. Und Taraa! Hier also nun, es geht los.

Können Sie sich noch an meinen Blog vor fast einem Jahr und dann noch mal im Februar erinnern, als ich von diesem Haus, in dem sich nach der Wende alternatives Leben entwickelt hatte und das nun aufwendig saniert werden sollte, berichtete, erinnern? Den kleinen Läden wurde als erstes gekündigt. Stattdessen sollte dort ein Lebensmitteldiscounter einziehen. Falls Sie sich nicht erinnern, können Sie ja noch mal hier und hier nachlesen und gucken.

Gestern also war es soweit. Während sich die Leipziger noch spalten in die, die die neuen Höfe am Brühl ganz toll finden und die, die die überflüssig, hässlich und sowieso deplatziert finden (ich berichte da später mal drüber), wurde der Supermarkt, in dem es al.di schönen Sachen gibt, eröffnet. Quasi unbemerkt. Wen interessiert schon der Lebensentwurf einiger Querschläger, wenn es in Leipzig so viele schöne neue Sachen gibt. Und vor allem große!

Gleichzeitig schloss die Filiale, die es sich nur 5 min entfernt jahrelang in einem Wohnviertel gemütlich gemacht hatte.

Zwar wird am Haus noch kräftig rum gewerkelt, aber die Bewohner dürfen ihr Viertel schon mal verlassen, um nun dort einzukaufen, wo es mal eine Design-und Kunstladen gab. Zum Beispiel. Oder eine Wäscherei.

Da freuen wir uns doch.

Hier ein paar Vorher-Nachher-Bilder.

vorher

nachher

vorher, allerdings schon nach der Schließung des Ladens

vorher, allerdings schon nach der Schließung des Ladens

nachher

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7 Kommentare leave one →
  1. Oktober 11, 2012 9:30 am

    ja man könnte fortwährend kotzen – es ist überall das gleiche in der kapitalistischen Welt der Lobbyisten.

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  2. Oktober 11, 2012 10:09 am

    Dieser „Einheitsbrei“ wird aber leider, leider von Vermietern, die den Hals nicht voll bekommen, auch noch gefördert! Meine Wohngegend ist in München fast schon ein Paradies der kleinen Lädchen, Boutiquen und Eckkneipen – noch! Denn die Mieten steigen unentwegt ins schier astronomische, da muss manch ein/e kleine/r Geschäftsmann/frau schon gewaltig die Zähne und sonstiges zusammen kneifen, um da noch überleben zu können. Die „Großen“, die Megastores und Ketten freut’s…

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  3. Oktober 11, 2012 1:11 pm

    Irgendwie scheine ich Glück zu haben mit meinem „Leipziger Viertel“. Wer hätte das gedacht, dass ich mich mal in Grünau so sauwohl fühle.
    Ich gehöre übrigens zu denen, die die Höfe am Brühl (von der Haltestelle aus gesehen) für häßlich finden und nach einem Besuch dort auch für überflüsig halten. Auf dem Weg von Hugendubel zu den Höfen bin ich an drei „H &Dingens“ vorbei gekommen. Und was fand ich in den Höfen?
    Habt ihr eure Mikroskope schon wieder aufgebaut?

    Gruß von der Gudrun

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    • Oktober 12, 2012 7:55 am

      Nö, wir hatten gestern hier erst mal großes Brimborium mit vielen wichtigen Leuten und paar Politikern und Buffet am Ende. Aber wann wir wirklich rein dürfen in die heiligen Hallen, ist noch ungewiss

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  4. Oktober 11, 2012 11:11 pm

    Die menschliche Gier ist halt unendlich. In Hamburg wird gerade eine der schönsten Straßen Opfer des Raubtierkapitalismus, die Mieten vieler alteingesessener und schöner Läden, vom Café bis zur Bücherhandlung, werden um abstruse Summen erhöht. Bis es nur noch al.di schönen Sachen und ähnliches gibt und sich der Durchschnitt selber erstickt hat.

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  5. Oktober 12, 2012 4:24 pm

    In Amerika, auf der Insel, auf welcher der Präsident immer Urlaub macht und dessen Name ich stets vergesse, gibt es ein Kettenverbot d.h. nur Traditionsbetriebe oder zumdindest kein Einheitsbrei… Coole Idee.
    Ich mag nicht, dass in Hamburg schöne kleine Geschäfte zumachen, aber ich gehe auch zu Rossmann nicht zur unabhändigen Drogerie, ich gehe zu großen Supermärkten, kaufe meine Klamotten auch mal online oder oft in großen Ketten. Wie alle. Und warum – weil es einfach ist, ich weiß wo ich was bekomme und was ich zu erwarten habe (qualitativ und preislich). Nicht schön, aber ehrlich.
    Würden alle in Tante-Emma-Läden (in diesem Fall als Beispiel für alle Läden, die keiner Kette angehören) kaufen, dann gäbe es dieses Problem so nicht und leider ist es oft der Fall, dass zwar alle aufregen, aber die Bücher im Thalia-Online-Store bestellt werden (das tue ich nicht), die Klamotten online bei H&M (das tue ich auch nicht, hier sind drei H&Ms um die Ecke), die Schuhe bei Zaalando usw..

    Trotzdem sehr schade!

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  6. Steff permalink
    Oktober 15, 2012 11:20 pm

    …von Facebook schnell hierüber gezwitschert…schließlich leben wir ja im Zeitalter des Web2.0 und das ist bequem!!! Und es ist vor allem schnell. Es überflutet und verändert…
    Und genauso hat sich unsere Gesellschaft entwickelt und verändert. Und genauso ist der Lauf der Gentrifizierung. Und eigentlich ist es zum K***en!
    Und, und, und….

    Manchmal, wenn ich so durch die Straßen von Berlin laufe, wo ich vielleicht mal Monate vorher war – erkenne ich sie nicht wieder. Das ist krass, denn es geht auch schon längst nicht mehr (in meinen Augen) NUR um Ketten, Luxushäuser…(was schon schlimm genug ist) nein, es gehen dadurch ja auch so viele Stadtbilder verloren. Ohne Wiedererkennungswert. Das ist krass!

    Al.di Wortspiele von Dir fand ich sehr amüsant 🙂

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