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Übrigens (zwischendurch bemerkt)

September 23, 2012

In Rumänien ist es so: Da gibt es noch kein Rauchverbot in öffentlichen Bereichen*.

Auf Bahnhöfen ist das ja nicht schlecht, wenn der Zug in irgendwelchen Kaffs bis zu einer halben Stunde rum steht. Da kann man mal schnell raus und eine Reisezigarette rauchen. Zumal rumänische Bahnhöfe, auch die in Kreisstätten, eher wie Haltepunkte aussehen. Da läuft man auch über die Gleise, um zum Bahnsteig zu gelangen. Warum also sollte man den nichtrauchenden Reisenden vor der Gefahr des Passivrauchens schützen, wenn sein Leben gleichzeitig durch über ihn hinweg rollende Züge aufs Spiel gesetzt wird? Also theoretisch. Denn viel Verkehr herrscht auf den Gleisen ja nicht. Also Zugverkehr.

In Gaststätten allerdings ist dieses nicht existente Rauchverbot eine ziemliche Belastung. Auch für mich als Raucher. Denn ich hab‘s nicht gern, wenn’s ums Essen herum müffelt. Es ist schon komisch, wie schnell man sich daran gewöhnt hat, in „sauberer“ Luft zu speisen. Wie lange existiert das Verbot in Deutschland jetzt eigentlich?

Wir haben ja manchmal mit, manchmal ohne Frühstück gebucht. Je nachdem, ob es die Herberge im Angebot hatte oder nicht. Und in den zwei Hotels bzw. Pensionen, wo wir bisher mit hatten, gab‘s das Frühstück im Restaurant.

Nun habe ich da selbstverständlich nicht geraucht. Aber wenn man zum Beispiel in einem Raum sitzt, der abends ein Pub ist, der sich außerdem durch das Nichtvorhandensein von Fenstern auszeichnet und am Nachbartisch gleich 5 Leute vor sich hin paffen, schmeckt das eigentlich bis dato beste Frühstück irgendwie nicht wirklich. Und da, wo wir das Glück hatten, ohne die Anwesenheit anderer Gäste zu frühstücken, saß das Personal da und rauchte.

Überhaupt das Personal! Das ist natürlich auch sehr freundlich, übt sich im übrigen aber in der Gelassenheit der Einheimischen. Also, man sollte schon etwas Zeit einplanen. Und das Essen kommt grundsätzlich erst, wenn der Kaffee, so lange man auch versucht, ihn warm zu halten, ausgetrunken ist. Geht eben nicht schneller. Zum Beispiel wenn man ja erst noch den Tisch der 5 paffenden Herren abräumen muss. Zwar sitzen da noch zwei Kellnerinnen, aber, die sitzen eben. Rauchpause. Dabei hat der eine bedienende Kellner sogar versucht, sie zur Mitarbeit zu ermuntern. Wurde aber abgewiesen mit dem Hinweis auf die Zigaretten.

Das mit dem Kaffe funktioniert aber auch bei nicht rauchendem Personal. Vielleicht ist das ja auch ein Missverständnis zwischen den Kulturen? Vielleicht trinkt man in Rumänien eben erst den Kaffee und DANACH wird gegessen?

Was nun wiederum die Motivation zu etwas schnelleren Bewegungen betrifft, konnten wir in Viseu de Sus eine interessante Beobachtung machen. Die Besitzer der dortigen Pension, ich erwähnte es bereits, haben ja lange in Österreich gearbeitet. Von dort haben sie offensichtlich auch ihre Ansprüche ans Personal importiert. Jedenfalls zwitschten die Mädels dort auf geradezu beängstigende Art und Weise von Lethargie bei Abwesenheit der Chefs um zu flottem, nicht immer effizientem Hin-und Hergerenne beim plötzlichen Auftauchen derselben. Als wir unser Frühstück aber einmal 15 min eher einnehmen wollten, weil wir ja 8:30Uhr am Forstzug sein mussten, war leider kein Chef anwesend. So wurde uns immer wieder beteuert, dass es kein Problem sei, wir könnten ab 8:00 frühstücken. Unser Einwand, dass wir aber eigentlich eine halbe Stunde zu laufen hätten, verwirrte die Angestellte nur. Laufen? Ich bin überzeugt davon, dass sie glaubte, hier läge ein sprachliches Missverständnis vor. Der gemeine rumänische Staatsbürger läuft nicht. Er fährt Auto. Oder Bus. Oder er wandert. In den Bergen. Zum Spaß. Aber um von A nach B zu gelangen läuft er nicht.

Aber ich will mich ja nicht übers Personal beschweren. Ich hatte Urlaub und da sollte man sich Zeit lassen. Und notfalls einen 2. Kaffee bestellen, oder besser einen Saft, weil der 2. Kaffee kommt seltsamerweise immer etwas, nuja, spät.

Nur das mit dem Rauchen, das ist nicht gewöhnungsbedürftig sondern störend. Übrigens wurde in den Gästezimmern nie das Rauchen ausdrücklich verboten, sondern um die Unterlassung gebeten. Na immerhin. Und geraucht habe ich selbstverständlich auf dem Balkon. Wer will schon in einer Räucherbude schlafen?


* außer in Zügen und Bussen. Wobei, wir sind mit Linienbussen gefahren, die von einem kettenrauchenden Fahrer gelenkt wurden….

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12 Kommentare leave one →
  1. September 23, 2012 4:41 pm

    das hast du herrlich beschrieben 🙂 !
    und das bier wird in rumänien mit dem strohhalm getrunken?! oha.

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    • September 23, 2012 4:48 pm

      Ach Du liebe Güte! Nein! Das ist doch ein Foto vom Frühstück. Und im Glas, das ist frisch gepresster Orangensaft. Lecker! Und schneller da als Kaffee!

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  2. September 23, 2012 5:48 pm

    Klasse geschrieben. Hier wird auch überall geraucht. 😉
    Zwischen den 40er und 60er Jahren wurde mit der Unschädlichkeit des Rauchens geworben und überall wurde gepafft, danach setzte der Wandel ein. Ob schädlich oder nicht, ist noch immer nicht schlüssig bewiesen. Es gibt nach wie vor keine eindeutige wissenschaftliche Beweisführung pro oder contra. Alles nur Momentaufnahmen jeweiliger wirtschaftlicher oder politischer Bedürfnisse.

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  3. September 23, 2012 5:49 pm

    In Lateinamerika kriegt man seinen Kaffe übrigens erst, wenn der Frühstücksteller sauber aufgegessen worden ist 😉

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    • September 25, 2012 1:01 am

      ups! wo denn??

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      • September 25, 2012 7:08 am

        In Ecuador, Peru und Bolivien ist das normalerweise so. Manchmal auch in Kolumbien. In den grossen internationalen Hotelketten mit Frühstücksbuffett merkt man von dieser Tradition natürlich nichts mehr.

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  4. September 23, 2012 7:35 pm

    Rauchende Busfahrer – ein Trauma meiner schulbusgeprägten Kindheit! Und die ist noch nicht so lange her. Ein Hoch also auf das Rauchverbot, v.a. in öffentlichen Räumen und beim Essen! Ob es schädlich ist oder nicht, ist mir egal (natürlich ist es schädlich, aber das wissen ja die meisten Raucher tief im Innersten) – aber das Essen schmeckt halt einfach besser, wenn NICHT geraucht wird. Sicherlich überall auf der Welt.

    (Ja, ich bin Nichtraucher. Und das ist auch gut so 😉 )

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  5. September 23, 2012 11:16 pm

    Diesen Post lasse ich einen alten Bekannten von mir lesen, der sich stets über den „zögerlichen Service“ beschwert, wenn binnen fünf Minuten nicht sämtliche Speisen und Getränke auf dem Tisch stehen! :mrgreen:
    Nicht wahr, das Nichtraucherschutzgesetzt hierzulande hat schon auch für die Raucher so seine Vorteile – sprich, besser schmeckendes Essen. 😉

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  6. September 24, 2012 12:35 am

    In Restaurants bin ich inzwischen auch froh über das Rauchverbot, aber die staatliche Regulierungswut geht mir schon auf die Nerven. In Raucherkneipen bekommt man hier nicht mal eine kalte Frikadelle, höchstens eine Schale Erdnüsse und wenn man sich unterwegs eine anstecken will muss man inzwischen gucken ob man sich nicht in irgendeinem Nichtraucherbereich bewegt. Es haben sich allen ernstes schon Leute für ein Rauchverbot in Fußballstadien ausgesprochen, demnächst ist es nur noch in den eigenen vier Wänden erlaubt wenn das so weitergeht.
    Auf dem Balkon könnte es ja den Nachbarn schädigen.

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  7. September 24, 2012 11:04 pm

    Wie ich schon einmal betonte, lernt man besonders im Ausland, Deutschland zu schätzen. Was nicht bedeuten soll, dass einem im Ausland nichts interessantes begegenen kann. Aber es erweiter doch in jeder Hinsicht den Horizont.
    Ich wünsche noch einen angenehmen Urlaub, viel Ruhe und Gelassenheit und freue mich schon auf weitere Urlaubsberichte 🙂
    Liebe Grüße

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  8. September 25, 2012 5:53 pm

    Ha! Da muss ich mir doch glatt jetzt eine Zigarette anpfeiffen!
    GLG

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  9. Oktober 3, 2012 9:48 pm

    Na, da bist Du ja durchs wahre Raucherparadies gereist – auweh – vielleicht ist ja Rauchen Nationalsport in Rumänien..?..:) Ich hätte bestimmt das ganze Frühstück geschnappt und hätt mich vor’s Haus auf die Treppe gesetzt :/

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