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Von Regeln, Respekt und Rassismus

August 4, 2012

Gedanken zum“friedlichen Wettstreit der Jugend der Welt“

„Im Namen aller Athleten verspreche ich, dass wir an den Olympischen Spielen teilnehmen und dabei die gültigen Regeln respektieren und befolgen und uns dabei einem Sport ohne Doping und ohne Drogen verpflichten, im wahren Geist der Sportlichkeit, für den Ruhm des Sports und die Ehre unserer Mannschaft.“

So lautet der Eid, den die Olympiateilnehmer am Tag der Eröffnung geschworen haben. Und was die Regeln betrifft, so heißt es in der Olympischen Charta in Regel 3, Absatz 2: „Jede Form der Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Geschlecht oder aus politischen und sonstigen Gründen ist mit der Zugehörigkeit zur olympischen Bewegung unvereinbar.“

Die Olympischen Spiele haben sich in den letzten 20 Jahren sehr verändert. Die Kommerzialisierung begann schon 1996, Profis wurden zugelassen und längst nicht mehr alle Sportler wohnten immer im Olympischen Dorf. Ich erinnere mich an Deutsche Radprofis, die sich in Sydney lieber in einem Hotel außerhalb einquartieren ließen und auch bekundeten, dass ihnen das Olympische Dorf zu unkomfortabel sei. Einige Deutsche Tennisprofis reisten 2012 gar nicht erst nach London, weil ihnen das Olympische Turnier nicht ins Profil passe.

Da greift man sich an den Kopf und schreit nach dem Olympischen Gedanken. Andererseits, was kann man von den Sportlern erwarten, wenn sich die große Dachorganisation längst an Coca Cola und Co. Verkauft hat?

Fairness! Respekt gegenüber dem Gegner, egal welcher Rasse, Religion oder welchen Geschlechts dieser angehört. Das kann man erwarten. Das muss man erwarten dürfen. Denn das ist der Sinn Olympischer Spiele: Das friedliche Kräftemessen mehr oder weniger junger Menschen.

Also ist es nur Recht und billig, wenn das Deutsche Olympische Komitee eine Ruderin, deren Freund ein bekennender Neonazi ist, von den Spielen ausschließt und nach Hause schickt. Denn wer sich der oben genannten Regel verpflichtet fühlt, kann nicht mit einem Neonazi zusammen sein. Und er bzw. sie kann sich auch nicht von seinen Ansichten distanzieren, höchstens von ihm selbst. Und zwar körperlich, räumlich und geistig. Das wäre die einzige glaubhafte Reaktion.

Der Fall der Deutschen Ruderin ist aber leider kein Einzelfall.

Die griechische Dreispringerin Paraskevi Papachristou wurde vom Teamchef suspendiert, weil sie sich rassistisch über Nigerianische Immigranten in Griechenland geäußert hatte. Der Schweizer Fußballer Michel Morganella  flog aus dem Team, nachdem er sich nach der Niederlage seiner Mannschaft diskriminierend über die Südkoreaner ausgelassen hatte.

Auch einigen Fans scheint nicht ganz klar zu sein, bei welcher Veranstaltung sie sich befinden. So sollen beim Basketballspiel  Litauen-Nigeria  die baltischen Fans den Hitlergruß gezeigt und die Afrikaner verbal beleidigt haben. Wobei gesagt werden muss, dass solche Fans von jeder Tribüne verbannt gehören, egal ob bei einem Olympischen Turnier oder einem Freundschaftsspiel.

Ganz schlimm finde ich allerdings, wenn die Offiziellen der Spiele dem feindlichen Gebaren  teilnehmender Sportler nachgeben. So weigerte sich die Judo-Nationalmannschaft des Libanon neben dem Israelischen Team zu trainieren!  Und Vertreter des Organisationskomitees hatten nichts eiligeres zu tun, als flugs eine Trennwand aufzubauen. Zwar wiegelte der Israelische Trainer den Vorfall ab, dass er dem keine große Bedeutung beimesse. Wahrscheinlich war das aus seiner Sicht die einzig richtige Reaktion, zumal es durchaus üblich ist, Trennwände zwischen den Mannschaften aufzustellen. Jedenfalls da, wo zwei tatsächliche unmittelbare sportliche Konkurrenten nebeneinander trainieren. Trotzdem, wäre das nicht eine Chance gewesen für die Libanesen zu erkennen, dass Israelis Menschen sind? Ganz normale Menschen? Sie hätten ja nicht gleich einen Friedensvertrag aushandeln müssen. Denn um olympisches Edelmetall kämpft kein libanesischer Judoka.

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5 Kommentare leave one →
  1. August 4, 2012 3:33 pm

    Was für einen armseligen Zirkus man doch aus Pierre de Coubertin’s an sich so wunderbaren Idee gemacht hat! Ich kann mir gut vorstellen, dass der werte Herr mittlerweile wie ein Ventilator in seinem Grab rotiert…

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  2. August 5, 2012 12:02 am

    Ja, der olümpische Gedanke, schade schade. Vielleicht würden ein paar mehr Sportler sich noch dazu aufraffen können, wären nicht so viel Funktionäre dabei.
    Andererseits gab es ganz erbärmlichen Zirkus schon weit früher, zum Beispiel 1936. Dagegen ist der heutige geradezu harmlos, nur sehr viel kommerzieller eben.
    Aber an mir geht der Kelch eh vorbei, ich hab mir ein paar Blurays gekauft und Fußball geht auch bald los…

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  3. August 6, 2012 1:53 pm

    Ich glaubte lange, dass sportliche Wettkämpfe gut geeignet wären, sich kennen zu lernen, bestimmte Dinge zu verstehen … Weil es aber ein gnadenloses Geschäft ist, gehen mir solche Wettkämpfe öfter am Poppes vorbei. Das ist auch nicht gut, denn manche Erscheinungen bekomme ich eben nicht mit.

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  4. August 6, 2012 2:59 pm

    Aber die Arabische Liga finanziert doch so viel bei Olympia, die kann man doch nicht verärgern…
    Und deshalb sehe ich mir den kommerziellen Kokolores gar nicht mehr an. Solche Veranstaltungen sind immer willkommene Gelegenheiten, DVDs aus dem Schrank zu holen.

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  5. August 6, 2012 6:33 pm

    Naja, ich muss ehrlich zugeben, dass ich bei der Sommerolympiade gern mal Sportarten gucke, die ich mir sonst nie ansehe. Wie Rudern oder Leichtathletik. Das mache ich wirklich nur alle 4 Jahre und interessiert mich sonst nicht die Bohne. Allerdings gucke ich nicht fanatisch, mehr so zum Einschlafen. Ich glaube auch, dass für diese und einige andere Sportler die Spiele noch was ganz besonderes sind. Also da, wo man nicht reich werden kann.
    Funktionäre waren schon immer viel zu viele da.

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