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Go West Teil 1

Juli 18, 2012

Als ich letztens Plagwitz als das neue Connewitz bezeichnete, lachte sich Lydia im Kommentar schlapp.
Nuja, ganz unrecht hat sie nicht.
Plagwitz, als Teil des Leipziger Westens, hat sich ganz anders entwickelt, als Connewitz. Zwar gab es im Westen schon immer das Lindenfels und den Felsenkeller, ansonsten hat sich die Gegend allerdings anders entwickelt als Connewitz. Denn anders als im Süden der Stadt, wo wohl auch einige Künstler von alternativen Wohn- und Lebensprojekten angezogen wurden, zogen hier zuerst die Künstler ein. Alternative Lebens- und Wohnprojekte folgten ihnen.
Der „Westen“ wird geprägt durch die alten Industriestandorte, die sich besonders nach dem Bau des Karl-Heine-Kanals im vorletzten Jahrhundert dort konzentrierten. Neben großen Fabrikhallen finden sich imposante Gründerzeithäuser, die Wohnhäuser der Fabrikanten, und die Mietskasernen der Arbeiter. (Ich beziehe mich auf die Stadtteile Plagwitz, Lindenau und Neu-Lindenau)
Als die Gießereien, die Baumwollspinnerei und Maschinenfabriken geschlossen wurden, entdeckten die Künstler das Potential der Industriestandorte für sich. Und während besonders um den Kanal herum die alten Hallen aufwendig zu teuren Lofts umsaniert wurden, richteten Maler ihre Ateliers in der Baumwollspinnerei ein und die Gieszer lockte mit Konzerten.
Ich selber war in den 90ern oft dort. Aber dann, das gebe ich zu, verschwand das Gebiet etwas aus meinem Fokus. Maximal am Kanal radelte ich lang, oder paddelte darüber, erfreute mich an der besonderen Architektur, sowohl der sanierten, als auch der vor sich hin verfallenden.
Ich brachte meine Kinder in Lindenau zur Schule und sah die Teilsanierungen dieses Viertels. Als Wohngegend wäre sie für mich nicht in Frage gekommen.
Dann wohnte das Große Kind in Plagwitz, exakt zwischen Lindenfels und Felsenkeller. Dort war ich zwar immer mal zu Lesungen oder Konzerten, dass sich da aber auch eine Kneipenkultur entwickelt hatte, war mir bis dato entgangen. Und auf den Straßen das gleiche bunte Völkchen wie im Süden, an jedem Tag und zu jeder Zeit, nicht nur wenn Veranstaltungen lockten.
Ich hörte davon, dass in Lindenau billig Wohnraum zu haben sei. War auf Parties, wie ich sie aus den frühen 90ern aus Connewitz kenne. Hinterhöfe, Werkstätten, Wohnungen gerade so wohnbar gemacht, teils legal, teils geduldet.
Trotzdem, mein Focus liegt im Süden.
Und dann habe ich mich eines schönen Wochenendes mal aufgemacht, um mich ein bisschen umzusehen. Abseits des Kanals, des Lindenfels, des Felsenkellers und der zwei drei Hinterhöfe in Lindenau. Und was ich sah, sah mir fast ein bisschen bunter aus als das, was im Süden überlebt hat.
Machen Sie sich am besten selbst ein Bild.
(Fotos vom Da Capo hier)

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15 Kommentare leave one →
  1. Juli 18, 2012 12:38 pm

    Hach ja, schöne Bilder, liebe Inch. Ich habe alles wiedererkannt, denn das ist die Leipziger „Ecke“ in der ich mich jetzt öfter „herumtreibe“. (Im Studium war das Connewitz. :D)
    In der Georg-Schwarz-Straße gibt es zahlreiche alternative Wohnprojekte, wiederbelebte Läden, eigenwillige Sozialstrukturen. Und da mir solches Mühen gefällt, habe ich Kontakte geknüpft zur „Kunderbunten 19“. Das ist übrigens die „Hornzsche“, die ich mal gezeichnet hatte. Ich freue mich sehr, dass das Haus neue Eigentümer gefunden hat. Ich habe keine Ahnung, wie man dem Haus seine Seele wiedergeben kann ( so drückte es die neue Hausbesitzerin Regina Möller neulich aus), aber ich werde helfen, wenn ich mal wieder Aktivitäten im Haus mitbekomme. Wände verputzen kann ich nicht, aber streichen, Kartoffelsuppe kochen, Kinder hüten …
    Ich hoffe nur, dass man sie alle werkeln lässt. Ist der Verfall erst aufgehalten, oder geht er gar zurück, kommen oft wieder die gekrochen mit den ganz leuchtenden Eurozeichen in den Augen.
    Mir gefällt das bunte Leipzig.

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    • Juli 19, 2012 5:33 pm

      Die Georg Schwarz Straße besuche ich bei nächster sich bietender Gelegenheit, die da heißt: Freizeit+schönes Wetter.
      Mir gefallen im Westen übrigens die vielen alternativen Wohnprojekte. Ganz offensichtlich scheint man da von den Besetzern im Süden gelernt zu haben und macht gleich Nägel mit Köpfen. Da werde ich mich auf jedenfall mal noch damit beschäftigen, denn solche Projekte finde ich als alter Besetzerin immer total spannend.

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  2. Juli 18, 2012 2:42 pm

    Das sieht ja toll aus…. Vielleicht sollten wir Leipzig mal fokussieren. Wir denken gerade mal wieder über einen Alterswohnsitz nach 😉

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  3. Juli 18, 2012 5:53 pm

    Eine gute Kamera nutzt wohl nichts, wenn man kein gutes Auge für`s fotografieren hat.
    Bei dir erscheint beides in einem sehr hohen Niveau.

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  4. Juli 18, 2012 8:18 pm

    Sieht nach einer eigenwilligen Gegend aus… 😉

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  5. Juli 18, 2012 10:44 pm

    Ich liebe eigenwillige Gegenden, da wohnen meist eigenwillige Menschen. Bräuchte man viel mehr davon.

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  6. Juli 19, 2012 1:40 am

    super fotos, macht richtig lust auf kennenlernen wollen! die gegend hat charakter, ganz eigenwillig, manchmal verwunschen, manchmal einladend und mal auch nicht.

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  7. Juli 19, 2012 6:05 am

    Ich war noch nie in Leipzig oder Umgebung. Aber irgendwie wild-romatisch-bodenständig-hipp sieht es da aus. Gar nicht schlecht! Nee!
    GLG

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  8. Juli 19, 2012 7:53 am

    Wenn mal alles gut zusammenpasst, dann wollen wir hier unsere Zelte wieder abbauen und in die Leipziger Gegend ziehen. Irgendeine Siedlung etwas außerhalb, ein renovierungsbedürftiges Haus mit Hof, viele kleine Kinder… Hach ja, träumen ist schön 🙂

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  9. Juli 19, 2012 9:45 am

    was für starke Fotos – super spannend

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  10. Juli 19, 2012 10:02 am

    Hallio Inch,
    ich lese schon eine ganze Weile bei Dir. Als stiller Leser so zusagen. Heute aber, nachdem deine Bilder mich an meine Kindheit erinnern, muss ich auch mal meinen Senf dazu geben.
    Ich mag was und wie Du schreibst 🙂

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    • Juli 19, 2012 5:30 pm

      Hallo 1basundhara
      Immer schön, wenn sich „stille Leser“ zu erkennen geben 😀
      Willkommen auf meinem Blog. Ich habe mich auch gleich bei Dir umgesehen (klingt alles spannend) und werde wohl noch öfter da vorbei schauen

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