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Filme

Juli 6, 2012

Ich liebe sie! Auch wenn ich nicht mehr so oft ins Kino komme und meine DVD-Sammlung überschaubar ist.

Früher war das anders. Da hatte ich keine DVD’s und keine Videos. Dafür war ich viel im Kino.

Früher, das war, als es in L.E. noch mehrere Studiokinos gab. Das Casino zum Beispiel, oder schlicht das Studiokino des Capitols. Da liefen Filme, die so nicht in große Kinosäle passten. Filme von Andrzej Wajda habe ich da gesehen und Andrej Tarkowski. Und Elim Klimov! Ah, Elim Klimov. Was hat der für wunderbare Filme gemacht. Geh und sieh und Abschied von Matjora.

Ja, früher waren mir die Regisseure wichtig. Die Namen der Darsteller habe ich vergessen, aber wenn ein großer Regisseur lockte, saß ich in einem dieser Studiokinos.

Manchmal, es war ja noch in der DDR, gabs im ganzen Land nur eine Filmrolle. Die wurde dann zwei drei Abende gezeigt, manchmal auch nur einen. Meistens kam das Material aus Berlin nach Leipzig. Und ging von hier aus nach Dresden, Halle, Karl-Marx-Stadt. Das führte dann einige Male dazu, dass ich gespannt im ausverkauften Casino saß und wartete. Wartete, dass der Typ mit dem Film endlich einträfe. Bis zu 45 min konnte es dauern, eh es endlich los ging. Oft waren sie nicht synchronisiert, nicht mal untertitelt. Da saß dann irgendwo hinten in einem kleinen Kabuff über dem Kinosälchen jemand, ein Mann, und las den Text einfach auf Deutsch. Den gesamten Text, egal, ob da Männlein oder Weiblein im Film sprachen. Da der Typ den Streifen ja auch zum ersten Mal sah, muss das Hölle anstrengend gewesen sein und führte oft zur Belustigung des Publikums. Bei Gábor Bódys Narziß und Psyche zum Beispiel kam er nicht so richtig mit. Hinkte hinterher oder war zu schnell. War aber nicht so schlimm, denn ich war gefesselt von den Bildern, die Kameramann István Hildebrand da auf die Leinwand gezaubert habe. István Hildebrand war der erste Kameramann, dessen Namen ich mir merkte.

Natürlich bin ich auch in große „Kinos“ gegangen. Als wir noch auf dem Land lebten, habe ich mich mit 5 Jahren zum ersten Mal in die Turnhalle geschlichen, in die der Filmvorführer einmal wöchentlich kam. Die Söhne der großen Bärin (ab 6 Jahren zugelassen) war der erste Streifen, den ich (in der Sprossenwand hängend) in einem Kino gesehen habe. Es war der erste Film überhaupt, denn wir hatten ja noch keinen Fernseher. Und er hat mich inspiriert, alle Bücher von Henriette Welskopf-Henrich, der die Dakota den Ehrentitel  „Lakota-Tashina“ verliehen, zu lesen, sowohl die historischen als auch die in den Reservaten der USA spielenden.

Auch in Leipzig bin ich natürlich nicht nur in die kleinen Studios gegangen. Blutige Erdbeeren zum Beispiel oder Begegnung der Dritten Art lief in großen Sälen. Die Luis Buñuel-Filme denke ich auch, viel schwedische und französische Streifen.  Die Filme von Pasolini und Fellini habe ich mal da, mal da gesehen.

Aber wie ich schon sagte, für mich waren die Regisseure das Zugpferd, auch wenn ich Marlon Brando und Paul Newman natürlich tot chic fand. Und Sidney Poitier.

Dann tauchte jene „Jungfacharbeiterin“ in meinem Leben auf. Sie arbeite gerade einen Monat in unserer Abteilung, da setzte ich mich, zwecks Brigadeausflug, in den georderten Bus. Weil ich solche Pflicht-Spaßveranstaltungen überhaupt nicht leiden kann, setzte ich mich ganz allein ganz hinter. Dann kam sie, pflanzte sich neben mich und textete mich zu. Sie begann: Ich habe gehört, Du liebst Filme. Es war gruselig. Alain Delon hier, Alain Delon da. Und noch tausend andere Namen, die ich teilweise schon gehört hatte, mir manchmal aber völlig fremd waren. Ich hatte kaum Gelegenheit, ihr zu erklären, dass ich wohl andere Filme mag. Die Namen einzelner stoßweise angebrachter Regisseure waren ihr völlig fremd.

Sie war ausdauernd, das muss ich zugeben und belästigte mich noch Wochennach jenem Betriebsausflug mit immer derselben Frag: „Wann gehen wir zusammen ins Kino?“

Bis ich nachgab. Der Film war so entsetzlich, dass ich ihr ein Versprechen abrang. Wir suchen die Filme abwechselnd aus. Und die andere geht ohne zu murren mit. So habe ich 17 Mal Dirty Dancing gesehen. Und mag den Film inzwischen sogar! Das wichtigste aber: Ich lernte Schauspieler kennen und schätzen oder ablehnen.

Heute gibt es Regisseure, deren Werke ich mir immer ansehen würde. Und Schauspieler, von denen ich glaube, dass sie aus jedem miesen Drehbuch noch was raus holen können.

Und so ist meine DVD-Sammlung eine lustige Anhäufung von Namen. Natürlich findet sich da alles der anfangs erwähnten Filmemacher. Und Kevin Smith‘ Werke bis  Clerks II außer Scream II, dafür aber Zack and Miri Make a Porno. Ziemlich viel Zeugs von Steven Spielberg.

Und daneben alles mit Russell Crowe, viel mit Marlon Brando, oder Gary Sinise. Viel mit Ben Affleck (ich weiß ich weiß, aber er hat ein paar gute Sachen mit Kevin Smith gemacht) oder mit Ralph Fiennes. Ganz viel Robert de Niro und Colin Farrell. Und auch ein bisschen Brad Pitt (wenn man ihn lässt, kann er richtig gut sein). Und Thomas Kretschmann (Eichmann genial!). Etwas mit  Goldie Hawn oder Drew Barrymore. Daneben noch so Sachen wie Der Pate, Star Wars und Indiana Jones natürlich.

Heute gehe ich nicht mehr so oft ins Kino. Es muss schon einer der oben erwähnten Namen locken. Oder aus Frankreich kommen.

Zu Hause sehe ich mir gern viele Filme hintereinander an. Zum Beispiel alle Bunuel-Filme. Oder alles mit Russell Crowe. Und freue mich über die Vielfalt des Regisseurs oder die Wandlungsfähigkeit des Schauspielers. Immer wieder.

Und die Jungfacharbeiterin? Bei deren Hochzeit in Italien war ich vor Jahren. Als ihre Trauzeugin.

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16 Kommentare leave one →
  1. Juli 6, 2012 3:05 pm

    kino ist was tolles. leider gehe ich auch viel zu wenig ins kino, und dvd mag ich nur im äußersten notfall, seh ich also fast nie! liebe grüße aus der kälte

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  2. Juli 6, 2012 4:40 pm

    Ich kenne kaum einen der von dir genannten Schauspieler und erst recht keinen Regisseur. Fernsehen war bei uns streng limitiert, was ich aber gut finde – denn bis heute kann ich viele Filme zum ersten Mal genießen, wo andere sagen: Habe ich schon fünfmal gesehen! Wir haben ein DVD-Abo bei videobuster.de – über payback ist das eine super Sache! Falls du payback-Punkte sammelst, wäre das vielleicht eine gute Option für dich? So habe ich mittlerweile Klassiker wie „Der Pate“ oder „Breakfast at Tiffany’s“ genießen dürfen – oder, wie gestern, „Dänische Delikatessen“ *grusel*schauder*schock* Jaja, ein Filmabend ist schon was Schönes!

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    • Juli 7, 2012 2:07 pm

      Ja, ich habe teilweise einen speziellen Geschmack. So ein Abo ist nichts für mich, weil meistens stellt sich heraus, dass es da nicht alle Filme, die ich möchte, gibt. Ich suche lieber in diversen Internetauktionshäusern. Da sind die DVD’s zudem auch noch billig

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      • Juli 8, 2012 11:38 am

        Habe gerade mal geschaut – bis auf einen von dir genannten Film sind alle bei videobuster erhältlich! Das finde ich doch mal stark! Will ja hier keine Werbung machen, aber wenn ich an unsere Videothek vor Ort denke, wo es keine Film gibt, der älter als 5 Jahre ist, ist das doch erstaunlich! Vielleicht setze ich mal den ein oder anderen auf die Liste. Man kann ja immer noch was lernen 🙂

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  3. Juli 6, 2012 9:31 pm

    Ins Kino gehe ich mittlerweile auch nur mehr selten. Spielberg bewundere ich sehr, ich habe auch so einiges von ihm, mein absoluter Lieblingsfilm ist „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“, und zwar in der Jubiläumsfassung. Ansonsten habe ich die Filme von Nora Ephron, die leider viel zu früh verstorben ist, sehr gerne, von „Schlaflos in Seattle“ und „E-Mail für Dich“ kann ich die Dialoge fast schon auswendig. 😉

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    • Juli 7, 2012 2:09 pm

      Mein Lieblingsfilm von Spielberg ist „Das Duell“. Lief auch mal in so einem Studiokino. 😀 Aber ich mag auch seine Miniserien, wie Pacific und Band of Brothers sehr

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  4. Juli 6, 2012 10:34 pm

    Toll, wie du das geschrieben hast. Das ist so lebendig, dass es viele Erinnerungen an meine eigene „grosse Kinozeit“ und was ich da alles gesehen habe weckt.Heute gehe ich kaum noch ins Kino, ausser wenn ein Film von Wim Wenders läuft.

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    • Juli 7, 2012 2:16 pm

      Ah ja, Wim Wenders gehört natürlich auch dazu. Und einiges von Detlef Buck. Sonst tu ich mich ja mit Deutschen etwas schwer. Zu schwermütig. Zu aufdringlich der erhobene Finger. Selbst Komödien haben eine Moral.
      Obwohl, der Till Schweiger hat entweder ein Gespür für Bilder, oder ein Gespür für Leute, die solche Bilder zaubern können. Einige seiner Filme gefallen mir, so rein ästhetisch, ganz hervorragend.
      Und dann gibt es natürlich noch so Filme wie „Schultze gets the Blues“ oder „Sonnenallee“ (mit einigen Abstrichen) und ein paar Co-Produktionen wie Luna Papa!

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  5. Juli 7, 2012 11:56 am

    Du hast mich gerade an ein Buch erinnert, das ich mehrmals und gern gelesen habe (owohl es wohl Schulstoff 11/12 war) und das ch dringend nocheinmal lesen möchte. Daß es auch einen Film «Abschied von Matjora» gibt – das wußte ich nicht.

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    • Juli 7, 2012 2:10 pm

      Rasputin hat da natürlich einen wunderbaren Roman als Vorlage geliefert. Und Klimov war genau der Richtige, das zu verfilmen.

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  6. Juli 8, 2012 12:07 am

    Da muss ich mal Fatih Akin in den Raum werfen wenn es um Lieblingsregisseure geht, speziell Deutschland. Buck mag ich auch, die älteren Streifen. Oder Peter Thorwardt, jedenfalls die ersten beiden der Unna-Trilogie. Dass Regisseure nicht ganz unwichtig sind hab ich Mitte der 70er erst gemerkt, als George Roy Hill für gleich zwei meiner Lieblingsfilme verantwortlich war. Westlich zivilisiert halt, mehr Hollywood als Tarkowski.

    Da Du Kevin Smith erwähnst, Clerks ist der einzige den ich noch nicht gesehen habe, wird Zeit das nachzuholen. Soll ja der beste sein, Jay und Silent Bob schlagen zurück war mir zu albern.
    Namen wie Tarkowski, Klimov und Wajda sind mir zwar ein Begriff, aber das lief im Westen höchstens in kleinen Programmkinos, für Fans. Oder NDR im Nachtprogramm.

    Und 17 mal Dirty Dancing? Gute Güte *g* ich glaub so oft hab ich noch keinen Film gesehen.

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  7. wiycc permalink
    Juli 10, 2012 11:33 am

    Sehr schöner Artikel, hab ich gerne gelesen.
    Ich mag es, wenn jemand in seinen persönlichen Erinnerungen wühlt, weil das einem selbst dann auch allerhand ins Gedächtnis zurückruft.

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  8. Januar 5, 2013 10:04 am

    Der einzige Regisseur, der mich mit seinem Namen ins Kino gelockt hat, war der Herr Fassbinder oder Frau von Trotta. Ansonsten gebe ich zu, dass ich mir die Namen nicht gemerkt habe, obwohl mir Wajda & Co. schon was sagen. Meine Zugpferde sind dann eher die Schauspieler oder Schauspielerinnen oder die Neugier auf eine Literaturverfilmung oder die dringende Empfehlung von jemandem, dem ich bezüglich seines Geschmacks traue.

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