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Die schönste Kirche vom L.E.

Juli 2, 2012

Nicht erst seit ich täglich auf dem Weg zur Uni an ihr vorbeifahren muss, ist für mich die Peterskirche der schönste Sakralbau Leipzigs.

Trutzig und fast ein bisschen abweisend wirkend erhebt sie sich in der Südvorstadt zwischen Bayrischen Bahnhof und Karli und gehört neben der Nikolai- und der Thomaskirche zu den großen Innenstadtkirchen. Der 88,5 m hohe Kirchturm des neugotischen Baus ist der höchste der Stadt.

In den 90er Jahren hatte ich einen Kletterkumpel, der seine Brötchen als Steinmetz verdiente und den Berufskollegen beneidete, der damals den Auftrag zur Sanierung der Sandsteinfassade erhielt. Ein Lebenswerk.

Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche wurde, nach einer Ausschreibung im gesamten deutsch- sprachigen Raum,  zwischen 1882 und 1886 errichtet. Beim Luftangriff am 4. Dezember 1943 erlitt auch dieses Gotteshaus  erhebliche Schäden, vor allem aber fiel die von Wilhelm Sauer gefertigte Orgel den Bomben zum Opfer.

Erst Ende der 40er Jahre wurden der Dachstuhl und das Gewölbe provisorisch gesichert, ein neues Hauptdach aber erhielt die Kirche erst 1954, mehr als 10 Jahre nach der Zerstörung.

Doch auch danach ging es dem Gotteshaus nicht besonders gut. Neben witterungsbedingter Steinzersetzung (Leipzig litt zu Zeiten des Kohleabbaus und der Chemischen Industrie im Umland unter einer legendären Luftverschmutzung) setzten ihr Vandalismus und Diebstahl heftig zu.

1992 endlich begann man mit der schrittweisen Instandsetzung. Ein Prozess, der lange noch nicht abgeschlossen ist.

In der Kirche selbst war ich zuletzt Anfang der 80er, zu einem Jazzkonzert. Wann das Haus dann endgültig geschlossen wurde, weiß ich nicht mehr. Doch auch heute gehört sie nicht zu jenen, die ständig geöffnet sind.

So war es für mich eine gute Gelegenheit, die Nacht der offenen Kirche am letzten Samstag für einen Besuch zu nutzen.

Ich hatte hohe Erwartungen. Und die sind nie gut. Dass das Kirchengestühl entfernt wurde, hatte ich vergessen. Zeit für den wirklich bemerkenswerten, komplett restaurierten figürlichen Bilderzyklus der Glasmalerei war leider nicht, da ich die Veranstaltungen nicht durch Rumrennen stören wollte. (Ich muss da unbedingt noch Mal hin) Die angekündigten Turmführungen fanden nicht statt.

Trotzdem, von außen ist sie die schönste Kirche der Stadt.

Finde ich.

Hier der Beweis:

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9 Kommentare leave one →
  1. Brigitte permalink
    Juli 2, 2012 2:11 pm

    Reinste Gotik! Schön…..
    Die Kirche meiner Gemeinde wurde auch verschönert: die alten Kirchenbänke wurden rausgeschmissen und durch „moderne“ Stühle ersetzt. Gleichfalls die alten gemütlichen Lampen durch moderne Leuchten. Hääärrrrlich!
    Passt wie Knüppel auf den Kopp, weil die Kirche eine kleine Fachwerkkapelle aus dem 16. Jahrhundert ist. Mit alten Grabplatten an den Wänden. Ach so ja, was ich noch vergass: damit der Kirchenbesucher nicht in der Zugluft sitzt, wurde innen eine gläserne Abtrennung zur Tür hin eingezogen. *Seufz*

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    • Juli 2, 2012 7:40 pm

      Glaswand? Grusel. Ich finde das mit den Stühlen schon, nuja, merkwürdig bis befremdlich

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    • Juli 7, 2012 6:03 pm

      Na ja, reinster Historismus… inspiriert möglicherweise u.a. durch die Aachener Pfalzkapelle bzw. den dortigen Dom.
      Ich dachte eigentlich, der Stühlewahn wäre so langsam wieder vorbei. Schade, schade.
      Eine gläserne Abtrennung ist wenigstens fast unsichtbar, anders als die anderswo eingezogenen Holzkäfige.

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  2. Juli 2, 2012 3:36 pm

    richtig schöne Aufnahmen!

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  3. Juli 2, 2012 8:41 pm

    Das ist eine wunderschöne Kirche – bescheuert nur, dass man das alte Gestühl entfernt hat. Ist das denn wirklich nötig gewesen?

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  4. Juli 3, 2012 1:05 am

    Der erste Eindruck: Hat was vom Kölner Dom, nur weniger protzig. Wikipedia sagt: Kölner Dom ist auch gotisch. Gut, dann werd ich gotisch wohl langsam erkennen, ich hatte für Architektur bisher nur zwei Schubladen: schick und häßlich.
    Die Klappstühle werden wohl ein Notbehelf sein, bis das passende Gestühl geliefert wird. Als dauerhaften Zustand kann ich mir die nicht wirklich vorstellen.

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    • Juli 7, 2012 6:09 pm

      Ich vermute, die Klappstühle bleiben, weil man sie für nichtgottesdienstliche Veranstaltungen besser wegräumen kann.

      Der Kölner Dom – nun ja, der ist echte Gotik, weil zumindest nach den Plänen aus dem Mittelalter gebaut. Der Historismus hat die Formensprachen aus Romanik und Gotik einigermaßen aufgegriffen, aber tatsächlich damit etwas ganz anderes gemacht. Die Techniken sind andere, die Proportionen auch… zwischen Romanik und „Neuromanik“, Gotik und „Neugotik“ liegen nicht nur Jahrhunderte, sondern auch Welten. Ungefähr wie zwischen Wolfram von Eschenbach und stefan george, die sich doch auch in etwa der gleichen Sprache bedienen. (Falls Wolfram zu extrem ist, nimm Luther, das paßt. Die Bibel von 1545 und die von 1912 eint eigentlich auch nur noch der Name des Reformators.)

      Das soll nicht heißen, daß der Historismus nicht Großartiges hervorgebracht hätte. Man hat vor gar nicht langer Zeit noch verächtlich auf diese romantische Verklärung des Mittelalters herabgesehen, Bauten dieser Zeit abgerissen wie weiland die mittelalterlichen (zum Beispiel die alte Peterskirche in Leipzig… ein Baudenkmal, das heute unermeßlichen Wert hätte), aber da fängt man mittlerweile an umzudenken. Glücklicherweise.

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  5. Juli 3, 2012 3:41 pm

    wunderschöne fotos! die kirche ist wirklich toll!
    viele grüße

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