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Radwege

Juni 23, 2012

Gestern war ich Radfahrer gucken.

In Zwenkau.

Dort fanden die Deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren statt.

Am Donnerstagmittag stand fest, dass ich am Freitag entbehrlich bin auf Arbeit. Also Urlaub eingereicht, Wecker gestellt und dann hätte es eigentlich losgehen können.

Es ist ja nicht so, dass ich noch nie in Zwenkau war. Mit dem Rennrad.

Aber gestern wollte ich auf dem Pleißeradweg dahin rödeln. Und weil’s da ganz viel durch Wald geht, musste das Zur-Arbeit-Fahr-Rad herhalten.

Nun ist es auch nicht so, dass ich den Pleißeradweg nicht kennen würde. Oder gar die Pleiße. Die fließt irgendwo hinterm Haus in die Elster. Ich bin da auch schon oft lang gefahren. Nur eben unbewusst.

Also habe ich die Karte rausgeholt. Die mit den Radwegen in und um Leipzig. Die aber ist so alt, dass da die meisten der neuen Seen noch als Tagebau eingezeichnet sind..

Macht nix, immer an der Pleiße lang, dann rechts nach Zwenkau, um den Tagebau rum, der jetzt ein See ist. Kann ja nicht so schwer sein.

Zuerst stand ich am Elsterflutbecken. Zurück, über zwei Brücken, rechts in den Wald einbiegen. Zack. Hier findet sich sogar ein winzig kleines Schildlein „Pleißeradweg“. Es bleibt das einzige.

Weil mir irgendwie so ist, als müsste ich rechts des Flusses bleiben und weil ich ja auch nicht nach Connewitz will, bleibe ich rechts.

Bis ich an einen abzweigenden Flussarm komme. Der Weg endet hier.

Der blöde Flussarm von der anderen, der richtigen Seite aus

Zurück, über die Brücke und links der Pleiße halten.

Einsam ist es. Idyllisch.

Obwohl der Bärlauch längst verblüht ist, riecht es überall noch intensiv danach.

Abgestorbene Bäume am Ufer.

Hier greift keine menschliche Hand regulierend ein. Nur die Wege, ziemlich schlammige Pfade, ziemlich viele, werden frei gehalten.

Alles etwas unübersichtlich. Nichts ausgeschildert, außer die Wege nach Connewitz. Oder zurück nach Hause. Der Fluss ist dann auch weg.

Zum Glück kommt dann doch eine einsame Radfahrerin mit Hund. Ja, da musst Du lang und dann dort über die Brücke und dann links und dann…

Ich wurschtle mich, Connewitz links liegen lassend durch. Über eine winzige Brücke. Nun bin ich doch rechts der Pleiße und  – huch –hier ist der Weg jetzt asphaltiert.

Einmal muss ich noch fragen, dann bin ich wieder (rechts) neben dem Fluss und nun sollte nichts mehr schief gehen.

Wenn da nicht die leicht veraltete Karte wäre.

Als ich denke, jetzt ist es aber schon ganz schön lange her, dass ich an Gaschwitz vorbei geradelt bin, kommt mir wieder eine Hundebesitzerin zu Hilfe.

Zurück nach Gaschwitz, kurz an alte Zeiten erinnert werden, als ich hinterm Bahnhof in die Neue Hart einbiege,

noch mal einen Bauarbeiter fragen, dann doch durch Tagebaugebiet fahren

Pff

und schwupps bin ich da.

Mit dem ganzen hin und her habe ich tatsächlich 2 Stunden für 20km gebraucht.

Egal. Ich treffe kurz Mani, dann stelle ich mich zum Fotografieren auf.

Als erstes sind die Frauen dran und ich suche mir ein schattiges Plätzchen.

Die Männer unter 23 Jahren verpasse ich weitestgehend, weil ich mit Mani an der Tribüne sitze und quatsche.

Ich hätte ja gern einen Kaffee. Aber den gibt es nicht. Nur Bratwurst und Kartoffelsuppe und Wiener und Softdrinks. Quietschesüße Softdrinks. Und Eis.

Das Publikum ist überschaubar. Freitag eben. Und in Leipzig habe ich nicht ein Plakat gesehen, dass den geneigten arbeitsfreien Städter auf die Veranstaltung im Umland hinweist.

Ist aber auch gut. Denn besonders bei den Männern nutze ich die Einsamkeit an der Landstraße, um mich wie ein Profi im Dreck zu suhlen und aus allen möglichen Lagen zu fotografieren.

Ja der Herr hat nicht angehalten. Ist auch nicht über mich drüber gefahren.

Die Rückfahrt ist einfach.

Außer als ich wieder im Connewitzer Holz bin. Da verpasse ich irgendeine Brücke (vermutlich zieht es mich dort einfach immer in den Kiez. Woher soll mein armes Rad auch wissen, dass wir da heute nicht hin wollen?)

Trotz dieses kleinen Schlenkers bin ich nach knapp einer Stunde zu Hause.

Fotos gibt es später noch mehr. Gestern musste ich erst mal Fußball gucken. Und meinen Sonnenbrand pflegen (dabei lag ich doch immer im Schatten?)

Hier jetzt aber schon mal ein paar Bilder, die sich nicht in den Text eiarbeiten ließen.

Manchmal läuft das Wasser, statt in den See, wohin es will

Manchmal läuft das Wasser, statt in den See, wohin es will

Ich hoffe, Ryan Air kennt den nicht

Ich hoffe, Ryan Air kennt den nicht

Eine sehr engagierte Betreuerin beim Rennen der Damen

Eine sehr engagierte Betreuerin beim Rennen der Damen

Nach der Siegerehrung

Nach der Siegerehrung

Fast liegend fotografiert

Fast liegend fotografiert

Überschaubares Publikumsinteresse

Überschaubares Publikumsinteresse

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10 Kommentare leave one →
  1. Juni 23, 2012 8:09 am

    oohh schade – keine Diashow. Die hätte sich gelohnt bei den feinen Fotos. Und diese Braunkohlentagebaunachfolgelandschaften muss ich unbedingt mal kennen lernen.
    Dir ein sonniges Wochenende 😉

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    • Juni 23, 2012 8:43 am

      Das Problem bei der Diashow wäre gewesen, dass dann die Bilder, die im Text sind, mit drinnen erschienen wären. Und das wäre für den Betrachter vielleicht etwas langweilig geworden

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      • Juni 23, 2012 9:00 am

        das ist wohl ein Unterschied zwischen WP und Blogger. Bei mir wirds bei mehreren Fotos immer ne Diashow, egal ob mit oder ohne Zwischentext. Vielleicht kann man das ja einstellen?!

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  2. bitze permalink
    Juni 23, 2012 12:08 pm

    „Denn besonders bei den Männern nutze ich die Einsamkeit an der Landstraße, um mich wie ein Profi im Dreck zu suhlen“
    Bei den Frauen war Mani dran mit drecksuhlen 🙂

    Bei Deinen „Gegendfotos“ denk ich immer, wie schön es da ist. Vielleicht schaffen wir ja doch mal zum Urlaub in die östliche Ecke.

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    • Juni 23, 2012 3:15 pm

      Auf Manis Bilder bin ich immer neidisch. Zwar versuche ich mich seit gestern, da ich seine Ausrüstung gesehen habe, ein bißchen zu trösten, aber den Blick fürs Motiv ersetzt das größte Objektiv nicht. Und bei den Mädels hat er sich vielleicht im Dreck gesuhlt, aber die Fotos von den Herren sind hm irgendwie besonders schön (und das liegt nicht an den Herren)
      Und was den Urlaub betrifft: Ja Ja, macht das mal. Reicht ja vielleicht erst mal ein Kurzurlaub von 5-6 Tagen. Zum Schnuppern sozusagen. 😀

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  3. Juni 24, 2012 1:54 pm

    Alte Karten haben den Vorteil, dass man dadurch unverhofft Neues entdeckt. Diese Urlandschaft war den Umweg auf jeden Fall wert.

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  4. Gudrun permalink
    Juni 24, 2012 4:56 pm

    Da warst du ja fast in meiner alten Heimat. 😀
    Die Wege kenne ich gut, weil ich ja ein Weilchen mit dem Radel in den Freizeitpark zum Arbeiten gefahren bin. Die Brücken über Autobahn, Zugstrecke und Flüsse durfte man nicht verpassen, sonst konnte der Weg lang werden. 😀

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    • Juni 24, 2012 9:41 pm

      Auf meiner Karte war die Autobahn nicht mal drauf 😀
      Schöne Ecke ist es auf jeden Fall. IAber ich kenne bzw kannte da bisher nur die rennradtauglichen Straßen. Jetzt weiß ich ja, wo ich lang muss und werde sich noch öfter auf dem Pleißeradweg fahren

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  5. Juni 26, 2012 2:20 pm

    Supergute Fotos! Da hat sich die Mühe wahrlich gelohnt!

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