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Nichts soll vorgeschrieben werden. Nachtrag

Juni 15, 2012

Der Fund alter Sachen beim Einräumen des Schreibtisches, erinnerte mich nicht nur an die erste Schule des Kindes, er war auch Ursache für einen Blog am Dienstag.

Einen Tag später fand ich dann das Festblatt zum 20. Jahrestag der Freien Schule Leipzig, die, als sie gegründet wurde, noch Freie Schule Connewitz hieß.

Vor zwei Jahren, im September 2010 waren das Große Kind und ich zur Feier des Jubiläums  am neuen Standort in Grünau und ziemlich enttäuscht. Wie ich schon damals bloggte, hatten wir gehofft, alte Bekannte zu treffen. In Erinnerungen zu schwelgen und zu erfahren, wie es mit der Schule weitergegangen war. Denn nachdem das Kind in die NaSch gewechselt war, die ja auch ein starkes Engagement der Eltern verlangte, verschob sich unser Focus verständlicherweise. Zwar blieben wir anfangs noch ziemlich gut informiert, als wir noch Lehrer und Schüler kannten, aber als der letzte unserer Bekannten die Schule verlassen hatte, hörten wir nur noch sporadisch Neuigkeiten, die zudem zusammenhangslos und unvollständig waren. Wären wir besser informiert gewesen, wären wir an jenem Septembertag 2010 vielleicht nicht so enttäuscht gewesen.

Denn dann hätten wir gewusst, dass es 2005 zu einer Spaltung kam.

Die Schule, die am 1.9.1990 mit 14 Kindern und 4 Erwachsenen ihren Betrieb aufgenommen hatte, zog 1992 (inzwischen 56 Kinder) in eine Villa in Connewitz um. Das anfängliche Konzept der Freiwilligkeit des Lernens gab man auf, wie an der Nachbarschaftsschule wurden die Schüler  in Gruppen mit festem Lehrer eingeteilt, der Unterricht in Lernzeiten. Wie sich herausstellte, war auch dieses Gebäude bald zu klein, so dass es schon 1994 eine 2. Grundschule, die Auguste, in Schönefeld gab und die Sec I 1997 mit 19 Kindern zwischen 11 und 12 Jahren  in einem 3. Haus in Gohlis startete.

Offensichtlich kam es danach zu Differenzen. Zumindest die Einheitlichkeit der Lehrer, Eltern und Kinder ging verloren.

So kam es 2005 zur Trennung. Die Schulen in Schönefeld und Gohlis bestritten, gemeinsam als „Schule für gemeinschaftliches Lernen“, einen eigenen Weg als Ersatzschule, der wohl, soweit ich das überblicken kann, eher dem Konzept der NaSch zu ähneln scheint, während das später nach Grünau umgezogene Stammhaus, nun Freie Schule Leipzig, zum Prinzip der Freiwilligkeit zurückkehrte.

Alle Lehrer, die wir aus den ersten Jahren kannten, hatten sich schon im Vorfeld, spätestens aber 2005 von der Freien Schule getrennt.

Warum sie nicht  zum Fest zum 20. Geburtstag erschienen, verstehe ich allerdings nicht.

Waren sie nicht eingeladen? Oder wollten sie dieser nicht folgen? Vielleicht war die Trennung doch nicht so freundschaftlich wie beschrieben?

Immerhin, einer derer, der in der Festschrift zu Wort kommt, erinnert an die ersten Stunden der Schule und an die zwei prägenden Charaktere in dieser Zeit. Daran, dass ohne das besondere Engagement des einen, der später mit den älteren Schülern nach Gohlis ging, die Freie Schule 1990 möglicherweise gar nicht eröffnet worden wäre, weil die Elterninitiative nach vielen Rückschlägen zu verzagen drohte. Und daran, dass, als der andere die Schule verließ, diese daran fast zu zerbrechen drohte. Ich kann mich gut daran erinnern. Sein Weggang wurde damals heftig diskutiert, löste Verwunderung, Kopfschütteln, Unverständnis aus.

Heute ist die Freie Schule Leipzig nur eine von vielen privaten und staatlich anerkannten Ersatzschulen in Leipzig. Sie hat ihren Weg, ihre Nische gefunden. Und die Schüler können nach 10 Jahren in einer Schulfremdenprüfung unter Beweis stellen, dass die Freie Schule zwar anders, aber keinesfalls eine „Spielschule“ ist.

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4 Kommentare leave one →
  1. Juni 15, 2012 7:49 pm

    Was mich brennend interessieren würde ist, wie sich der Übergang gestaltet, wenn die Abgänger der Freien Schule ihr Abitur auf einer konventionellen Schule machen müssen. Und wie die Schüler dann dort mit dem Leistungsdruck und der Benotung zurechtkommen.

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    • Juni 16, 2012 12:29 pm

      Keine Ahnung. Um ehrlich zu sein, ist die Menge der Abiturienten, die von der Freien Schule kommen, wohl auch überschaubar.
      Recht viel dagegen kommen von der NaSch (in einem Jahr entschieden sich einmal 50% der Naschabgänger, auf einer weiterführenden Schule Abitur zu machen!!!). Da die alle ans EvaSchulze (Evang. Schulgymnasium) gehen, vermute ich, dass dieses Gymnasium mit den besonderen Formen der beiden Schulen gut vertraut ist und die von dort kommenden Abiturienten zu „händeln“ weiß. Das ändert natürlich nichts daran, dass alle Schüler das sächsischen Abitur ablegen müssen. Und das soll ja nicht eines der leichtesten in Deutschland sein

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