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Tag X-3

Juni 7, 2012

oder wer zählt die Elefanten?

Ich weiß gar nicht, wie es begann. Irgendwann schenkte mir jemand einen Elefanten aus Ton. Und dann noch einen. Und noch einen. Als ich dann auf einem Markt, das war zu der Zeit, als ich noch selber nähte und meine Kleider dann am Wochenende auf Märkten verkaufte, vor einem Stand mit Elefanten stand, beschloss ich, um nicht zum Sammler zu mutieren, mir nie einen selber zu kaufen, sondern mir nur schenken zu lassen.

Das ist nun ein paar Jahre her. Und ich habe viele Elefanten geschenkt bekommen. Große. Kleine. Aus Holz, Ton, Porzellan, Seife, Metall… Plüschtiere und Handpuppen. Sie füllen zwei Fächer in je zwei Schränken, tummeln sich in Bücherregalen und auf Kommoden. Ich hab sie nie gezählt. Auch nicht die, die ich gestern vorsichtig aus dem Schrank, den das Kleine Kind mitnehmen wird, in einen alten Weidenkorb packte.

Im Regal über besagten Schrank stapeln sich Fotoalben. Die ließen sich leichter zählen. Ich hab es trotzdem nicht getan. Nachdem ich sie zur Seite geräumt habe, war ich jedenfalls mal wieder dankbar über die Erfindung der digitalen Fotografie, und der gedruckten Fotoalben, die nicht mal 10% der Dicke eines herkömmlichen Albums ausmachen dürften. Schließlich müssen die alle aus der Wohnung gerettet werden, wenns mal brennt, oder überschwemmt, oder sonst wie katastropht. Denn das ist sicher: Meine Fotoalben lasse ich nicht zurück! Zusammen mit dem Plattenspieler und zwei Boxen fanden sie vorübergehend Platz auf einem Schrank im Nebenzimmer.

Und die Schallplatten?

Die musste ich verteilen. Mit denen muss man schließlich vorsichtig umgehen. An die 200 Stück dürften es sein. Nicht sehr viel, ich weiß. Aber ich muss gestehen, als die CD aufkam, habe ich aufgehört, Vinyl zu kaufen. Die meisten stammen eh noch aus der Zeit vor 1989, wo der Preis für eine Platte bei 100 Mark lag.

Und die „Keine Macht für Niemand“, die gabs damals nur 1x in Leipzig und Umgebung. Ich kannte sogar den glücklichen Besitzer. Und als ich erfuhr, dass er das Album verkauft hatte, war ich entsetzt. Der Kumpel auch. „Hätte er das gewusst!“

Jedenfalls wusste dann bald jeder, wenn die Platte mal zum Verkauf steht, wer sie nimmt.

Und dann klopfte eines Abends ein Fremder an die Tür meiner besetzten Wohnung. 250 Mark wollte er. Bis morgen Abend!

Gott! Wo sollte ich über Nacht so viel Geld her kriegen? (Ich verdiente damals 460 Mark im Monat). Es blieb nur, den damals schon recht gut bestückten Plattenschrank zu durchwühlen. Und da fand sich so ein Doppelalbum von Dylan. Den ich nie mochte. Wahrscheinlich war das Album damals schon viel mehr wert. Ich rannte durch die Nacht und pinnte Zettel an Bäume. Am nächsten Nachmittag wechselte „Blonde on Blonde“ den Besitzer und zwei Stunden später gehörte die „Keine Macht für Niemand“ mir. Die würde ich auch nie zurück lassen. Egal was passiert.

200 Platten sind heutzutage nicht viel. Aber ich glaube, ich könnte zu zwei von dreien eine Geschichte erzählen. Und letztes Jahr habe ich mir doch noch mal eine gekauft.

Die Art : Gift

Es gibt Dinge, da verbieten sich CD’s einfach.

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13 Kommentare leave one →
  1. Juni 7, 2012 9:13 am

    Die DoLP im weissen Karton mit Poster hatte ich seit sie rauskam – und die lief bis sie durchsichtig war. Noch heute höre ich die Musik hin und wieder. Die Musik ist prima und die Texte sind nach wie vor gültig.

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  2. Brigitte permalink
    Juni 7, 2012 11:12 am

    Hier auch noch Vinyl! Aber auch CD. Wir haben sogar unseren alten Plattenspieler letztes oder vorletztes Jahr nochmal mit einer neuen Nadel bestückt. Wobei meine liebsten LPs habe ich mal verliehen und nie wieder zurück bekommen. „Die hab ich dir doch schon lange zurückgegeben“ – wer will das Gegenteil beweisen? Genauso, wie ich das „Glasperlenspiel“ dreimal gekauft habe. Tempi passati!
    LIebe Grüsse an einem freien Donnerstag 🙂
    P.S. Mit diesem Sammeln: das kann wirklich zuviel werden: ich kenne Hühner-, Pinguin- und Schweinesammlungen. Glücklicherweise nicht bei uns!!!!!!

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  3. Juni 7, 2012 2:27 pm

    Ich bekam als Schulkind einen kleinen Porzellan-Elefanten auf einer kleinen goldenen Kugel stehend geschenkt. Trotz aller Umzüge und dem Verlust eines seiner winzigen Stosszähne steht er noch heute auf einem Regal. Er hat alle anderen Andenken überlebt.
    LG

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  4. Gudrun permalink
    Juni 7, 2012 5:41 pm

    In der Nähe meiner damaligen Arbeitsstelle gab es einen Plattenladen. Wenn sich dort eine Schlange bildete, habe ich mich eben einfach mit angestellt, denn es gab etwas Besonderes. Was mir nicht gefiel, wurde verscherbelt. Losgeworden bin ich es allemal.

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    • Juni 7, 2012 5:48 pm

      Nuja, ich bin immer zu den Plattenbörsen gefahren, bzw habe auf dem Schwarzmarkt gekauft. 100 Mark war das Minimum für eine einzelne Platte. Es gab aber auch durchaus teureres. Und wenn ich in Ungarn war, also in Budapest, habe ich lieber mal auf was zu Essen verzichtet (es gab da einen stadtbekannten Imbiß, wo das Trinkwasser umsonst und die Suppen billig waren) und das wenige Geld, dass wir tauschen durften, in Platten angelegt. Die kosteten aber auch so um die 80 Mark. Die Beggars Banquet von den Stones habe ich mir da mal erhungert.

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  5. Juni 7, 2012 6:36 pm

    Hallo Inch,
    ich las neulich – und musste immens dolle an dich denken – dass Familien vor rund 50 bis 100 Jahren circa 300 Sachen besaßen. Studenten haben ihren „Hausstand“ gezählt und kamen auf durchschnittlich 1250. Man geht davon aus, dass der Durchschnittshaushalt etwas 2500 bis 3000 Dinge ansammelt.
    Wie grausam habe ich gedacht und räume nun wie wild Dinge in Flohmarktkisten, in den Müll, verschenke Sachen und das ist ganz wunderbar befreiend, obwohl sich alles wundert wo ich nur das ganze Zeugs hernehme… (Gute Verstecke halt)
    Jetzt gilt die Regel – eins rein – eins raus! Für jedes neue Ding muss ein altes weichen. Raus mit dem ganzen Wohnungsspam!

    Liebe Grüße LvL.

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    • Juni 7, 2012 10:15 pm

      Für alles was rein kommt ein was entsorgen? Das klingt nach einem guten Plan!

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      • Juni 8, 2012 10:56 am

        Das ist ein sensationeller Plan, der einen manchmal etwas in die Predullie (schreibt man das so?) bringt, aber gut. Es muss glücklicherweise nicht Hose gegen Hose sein, da bin ich etwas entspannter.

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      • Juni 9, 2012 6:44 am

        Brédouille heißt das Wort, aber die mitteldeutsche Version dürftest du gut getroffen haben. 😉

        3000 Dinge? Da darf ich meine Bücher aber nicht einzeln zählen… 300 Sachen wirkt sehr wenig, aber das war auch die Zeit, wo einem das Leben nicht allzusehr gehörte, weil der Landesherr es einem jederzeit nehmen (lassen) konnte. Vor 100 Jahren, das war schon die Kaiserzeit (und auch die fast vorbei), da waren schon viele Leute ziemlich reich. Man vergißt ja gern, daß das hohenzollerndeutsche Kaiserreich einen immensen Wohlstand im Land hervorgebracht hat, und reduziert vor allem den letzten Kaiser auf vier Jahre Krieg unter Ausblendung von 26 Jahren Frieden. 300 Dinge, das dürfte (jedenfalls nach dem, was wir davon nach ihrem Tod noch gefunden haben) die Aussteuer meiner Oma gewesen sein, und die war Bäckerwaise… sprich, ihr Vater, der Bäcker, war 1919 gestorben. Die waren nicht reich…

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      • Juni 9, 2012 6:47 am

        Ich vergaß zweierlei:
        1. bredouiller heißt stottern, stammeln. Wer also gut preußisch inne Bredullje gekommen ist, der kann sich nciht mehr rausreden.
        2. die Elefanten. Eine Dame meiner Noch-Gemeinde hat auch so eine Sammlung, nur aus Mitbringseln. Allesamt von guter Qualität. „Ich kann sie eigentlich nicht mehr sehen“, sagt sie, und das liegt nicht an den Augen. Aber wegräumen oder gar weggeben mag sie sie auch nicht. Für die paar Jahre, die ihr noch bleiben…

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  6. Juni 10, 2012 3:33 pm

    Bücher dürfte ich bei 3000 Dingen auch nicht mit zähle, Vinyl und Cd’s auch nicht. Ansonsten bin ich grad wieder beim Ausmisten. Eh ich das Zeug neu einsortiere, schaue ich lieber mal, was ich tatsächlich noch brauche. Und dabei fällt mir auf, mir fehlen ein paar DVD’s. Das ist ärgerlich. Manche habe ich sonst wo bestellt, weil es die in Deutschland gar nicht gibt. Bei ein paar Kevin Smith Filmen sagte mir ne Freundin zB mal, dass sie die gleich weiter an Freund sowieso gegeben hat. Inzwischen habe ich den Überblick längst verloren. Und manchmal stehe ich vor dem Bücherregal und finde ein Buch nicht, von dem ich sicher bin, dass ich es besitze. Vinyl verborge ich seit 22 Jahren grundsätzlich nicht mehr. Und davor nur an sehr gute Freunde, bei denen ich sicher war, dass sie eine ordentliche Anlage haben

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