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Es gibt so Tage…

Mai 11, 2012

Wie zum Beispiel den gestrigen.

Dabei begann er fast normal. Jemand hatte eine Mikrowelle auf die Straße gestellt, und weil das Kleine Kind bald in eine eigene Wohnung ziehen will, habe ich sie gegen 7:00 Uhr wach telefoniert, auf das sie runter kommt und sich das Teil sichert.

Arbeit:

Die 5 Minuten, die ich vom Eingang zum Büro, Tasche abwerfen, Fenster öffnen und PC hoch fahren brauche, werden mir nicht gegönnt. Stattdessen werde ich schon aus der dritten Tür, an der mein Weg zu meinem Schreibtisch vorbeiführt, überfallen. Ich mag das nicht und schon das reicht, meine Laune kurzfristig in den Keller zu jagen. Natürlich geht es um lauter offene Baustellen. Hier wurde eine Genehmigung nicht erteilt, da wird eine neue Begründung gewünscht. Ich erlaube mir, wenn es schon so los geht, nach der Erfüllung einiger meiner Forderungen zu fragen, aber da muss ich mich natürlich noch gedulden, weil diese krank ist und jener erst gefragt werden muss. Meine Laune erreicht einen gefährlichen Tiefstand. Ich entschuldige mich bei dem Kollegen, dass er meinen Missmut nicht persönlich nehmen solle, ich rege mich nur über die Fakten auf. (Obwohl er ja eigentlich selbst Schuld ist, hätte ja warten können, bis ich den ersten Schluck Kaffee getrunken habe). Das nun einsetztende Gejammer seinerseits (es gibt immer Leute, die es noch schwerer haben und mehr arbeiten und die natürlich keine Gelegenheit auslassen, Dir das auf die Nase zu binden) ist die ungeeignetste Form, meine Laune zu heben.

Der Tag geht so weiter. Nichts scheint im Moment zu klappen. Und ganze zwei Stunden verschwende ich auch noch mit Dingen, die eigentlich ein Hausmeister regeln sollte. Meine Motivation sinkt weiter und weiter. Wie äußert sich eigentlich diese inflationär auftretende Krankheit „Burn Out“ frage ich mich, muss über mich selber lachen und schreibe mir eine To-Do-Liste.

Als es auf den Feierabend zu geht, ich muss heute wirklich pünktlich gehen, würge ich jede Diskussion im Keim ab, und als genau, als ich den PC runterfahre, eine Kollegin das Büro betritt, werfe ich ihr im Hinausgehen nur ein „Legs auf den Tisch“ zu.

Raus aus dem Irrenhaus.

Ungefähr 500m vorm Ziel bemerke ich den Platten im Vorderreifen. Ich schaffe es noch bis zur Einfahrt in die Straße, schließe das Rad an einem Discountermarkt an und laufe den Rest.

Wohnung angucken. Fürs Kleine Kind und den Kumpel. Das Haus liegt sehr ruhig und im Grünen. Also grüner Hof nach vorn und grüner Hof nach hinten. Ideal. Südvorstadt. Zur Karli sind es nur 5 min Fußweg. Die Wohnung passend. 3 Zimmer, Wohnküche, Loggia. Nur das Bad ist klein. Extrem klein. Lang, schmal, dunkel und mit nur einer Steckdose, die passenderweise an der Tür ist, also 3m vom Waschbecken entfernt. In der Küche erkläre ich dem Kleinen Kind den Sinn einer Speisekammer, während der Kumpel in den anderen Zimmern die Steckdosen zählt, nach der Dicke der Mauern fragt und die Holzdielung begutachtet. Die ist in zwei Zimmern und Küche neu, in der „Stube“ noch original.

Mir erscheint die Wohnung als Studentenbude ideal. Bezahlbar vor allem. Ab Juni könnten die zwei einziehen, der erste Monat wäre kaltmietfrei. Bis Montag haben das Kleine Kind, das sich eigentlich schon positiv geäußerts hat, und der Kumpel Zeit, sich zu entscheiden.

Heimweg.

Im Discounter das Nötigste besorgen, dann schiebt das Kind das Rad quer durch den Süden. Solange es geht. Als nichts mehr geht, nehmen wir den Bus und bringen das Teil, dessen Bremsen sich jetzt auch noch fest gefressen haben, gleich zum Zweiraddoktor.

Zu Hause.

Am Freitag Abend oder Samstag Morgen will ich auf die Hütte fahren. Habe das einem Bekannten aus Prag versprochen, dass er da übernachten kann. Doch meine Rundmail an die Kletterkumpel, wer mich im Auto mit nehmen kann oder mit mir das Zugticket teilt, bleibt unbeantwortet.

Ich öffne das von mir gepflegte, virtuelle Fahrtenbuch auf der von mir gepflegten website. Da stehe nach wie vor nur ich,zu zweit natürlich.

Hä? Es ist doch Jugendfahrt? Ich ruf die Jugendleiterin an. „Nö“, sagt die, „wir fahren nicht auf die Hütte.“ Was, fällt die Jugendfahrt aus? „Nö, wir fahren nach xyz“

Mir schwillt kurz der Schwamm. Wieso weiß ich das nicht? Das hätte im Jahressportplan UND im Fahtenbuch geändert werden müssen. Vielleicht hätten sich ja ein paar Erwachsene hin getraut, wenn sie gewusst hätten, dass keine Jugendgruppe dort ist (es gibt durchaus Menschen, die den Ort zu solchen Anlässen meiden, so wie ich mir die Seniorenfahrten immer fett als „Kein-Kletter-Wochenende“ markiere). Und wie häufig in den letzten 12 Monaten bin ich wieder mal an dem Punkt, an dem ich eine Rundmail schreiben möchte mit der Info, dass ich keine Zeit und keine Lust mehr habe, mich um den Mist zu kümmern.

Zusätzlich habe ich das Problem, mir noch einen Schlüssel besorgen zu müssen. Den könne ich in 30 min im Vereinszimmer  abholen. Das ist in Connewitz.

Ich atme durch. Tief.

Und was ist, wenn der Kumpel aus Prag nicht kommt? Schließlich hat er vor drei Tagen seine Ankunft von Freitag auf Samstag verschoben, weil er erkältet ist. Wir smsen eine Weile hin und her. Am Ende ist klar, ich werde nicht auf die Hütte fahren. Der Kumpel sucht sich ein anderes Quartier. Das ist mir zwar peinlich, aber ich habe im Moment das Gefühl, von allem um mich herum völlig überfordert zu sein.

Jetzt habe ich doch Zeit, mit dem Kleinen Kind Abendbrot zu essen.

Dann muss ich wieder los, mich mit einer Freundin treffen. Wegen unseres geplanten Urlaubs. Weil ich ja eigentlich schon am Freítag weg wollte und sie nächste Woche keine Zeit hat, blieb nur der spätere Donnerstagabend. Und jetzt muss ich auch noch laufen, weil das Rad ja beim Doktor ist. Und die Füße fühlen sich immer noch an wie geschwollen. Eigentlich die ganzen Beine. Liegt das am Dienstag-Hörsaal oder an einer Hormonbehandlung, der ich mich grad unterziehen muss? Ich fühle mich wie eine 86jährige, als ich mich zum angestrebten Freisitz schleppe.

Man sieht mir mein „Leiden“ offensichtlich an. Jedenfalls spricht mich die Freundin gleich drauf an. Aber die Laune bessert sich im Laufe des Abends.

So findet ein Tag wie der gestrige noch einen einigermaßen friedlichen Abschluss, den ich sonst und ohne die Wohnungsbesichtigung unter der Rubrik „Vergessen“ hätte abhaken können.

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4 Kommentare leave one →
  1. Brigitte permalink
    Mai 11, 2012 6:19 pm

    Murphys Gesetz! Was anderes fällt mir dazu nicht ein. Hoffentlich war der Freitag besser und du kannst dich in Ruhe auf das ungeplante Wochenende freuen. Wird bestimmt ungewohnt sein, allein zu wohnen, oder? Ich habe neulich darüber nachgedacht, dass ich noch nie allein gewohnt habe. Erst mit Mama und Papa, dann in WGs, dann mit eigener Familie und jetzt immer noch mit meinem Mann. Hmmmmh, spannend fände ich das schon mal. Aber auf Dauer würde ich mich vielleicht um ein Alterswohnprojekt kümmern.
    Liebe Grüsse und gute Entschleunigung 🙂

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    • Mai 11, 2012 9:03 pm

      Naja, fürs Alterswohnprojekt fühle ich mich noch etwas zu jung 😉
      Ich hab als junger Mensch schon mal allein gewohnt, als ich in der Altmarkt an der Zucht der Quadratisch Praktischen Kuh beteiligt war. Aber das ist Äonen her. Mal sehen, wie es jetzt werden wird.

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  2. Mai 11, 2012 7:04 pm

    Hört sich nach Vollgas kurz vorm roten Bereich an. Solche Tage gehören aber nun mal auch zum Leben. Ich hatte auch so einen in dieser Woche. Ich habe (mühevoll) gerlent, dann einfach etwas langsamer zu fahren, auch mal leicht die Bremse anzutippen….

    Dir ein schönes Wochenende

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