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Ein Tag im Hörsaal

Mai 8, 2012

Wer baut solche Hörsäle???

Nachdem ich also knapp 8 Stunden in einem solchen in Berlin gesessen habe, habe ich nicht nur Rücken, sondern auch das Gefühl, der Umfang meiner Waden hätte sich verdoppelt. Mindestens. Irgendwann, da hatte ich schon lange Rücken, schien die Blutzufuhr zu allem unterhalb der Knie abgeschnitten zu sein. Wie soll man sich da bitteschön konzentrieren? Nicht mal die Mittags- und die Kaffeepause reichten, um das Blut wieder in Zirkulation zu bringen und der Rücken wird vom Rumstehen und Small Talk pflegen auch nicht besser.

Ich glaub ja sowieso, das liegt am Institut. Als ich schon mal hier war, vor 10 Jahren oder so, hatte ich auch Rücken. Das weiß ich genau! Und ich habe mir schon damals gewünscht, dass die Planer solcher Hörsäle verpflichtet werden sollte, mindestens einen Tag da rinnen zu sitzen. Damals war ich zwei Tage hier.

Da habe ich heute direkt Glück. Morgen wird es zwar sicher interessant, wenn es kognitive Fähigkeiten, Logik und Intelligenz von Vögeln geht, aber morgen habe ich Termine.

Heute habe ich mich bis zum Mittag durch ziemlich trockene Vorträge gekämpft, da konnten auch die Tricks egoistischer Chromosomen nur kurzzeitig was daran ändern. Danach, sei es, dass der Kaffee, literweise eingeflößt, half, oder die Themen besser wurden, hatte ich nur im Mittelteil einen Hänger, wodurch ich mal kurz den Faden verlor. Nach der Kaffeepause wusste ich zwar dann nicht mehr, wie und vor allem wohin  ich meine Beine  strecken soll, aber wenigstens haben mich die Vorträge den Rücken fast vergessen lassen.  Und vor allem ging es um Dinge, die ich so nicht wusste. Ich meine, wer weiß schon was über den Nestbau von Graumullen oder wie sich Kühe, die unter Starkstrommasten grasen, ausrichten? Und wussten Sie, dass 40% der unter 30jährigen bei  einer Umfrage angaben, noch nie die Milchstraße gesehen zu haben? Oder überhaupt, wie sich die Tatsache, dass wir mittel Beleuchtung die Nacht zum Tag machen, auf die Evolution auswirkt?

Das hätte sogar das kleine Kind interessiert. Aber dass saß draußen neben der Schafweide und hat Chemie gebüffelt. Hat es nämlich Prüfung in 14 Tagen. Trotzdem war sie, ganz entspannt, die letzten vier Tage in Berlin. Da habe ich sie heute sozusagen aufgelesen.

Und ich habe jetzt schon mindestens 1 Stunde die Beine hoch gelegt. Ich bin gespannt, ob sich die Blutzirkulation bis morgen wieder einrenkt.

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12 Kommentare leave one →
  1. Mai 9, 2012 1:56 am

    Naja, dass 40% der unter 30jährigen noch nie die Milchstraße (http://bit.ly/KDzPu9) gesehen haben ist verständlich, die waren halt noch nicht in Hamburg *g*
    Aber das Kühe sich beim grasen unter Strommasten irgendwie ausrichten (wie denn und wieso?) hör ich auch das erste Mal. Die scheinen dann ja irgendetwas wahrzunehmen, was wir mit unseren verkümmerten Instinkten nicht mehr tun.

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    • Mai 9, 2012 9:01 am

      *ggg* Das mit der Milchstraße ist gut. Muss dann gleich mal das Kind fragen, dass ist unter 30 und war schon mehrmals in Hamburg.*g*
      Das mit den Kühen hat was mit Magnetorezeption und dem Einfluss elektromagnetischer Strahlung zu tun. Es geht, grob gesagt, um den Magnetsinn von Tieren. Viele grasen in Nord-Süd Richtung. Füchse sind, wenn sie nach Beute springen, nur erfolgreich, wenn sie in dieser Nordsüdrichtung springen. Graumulle bauen ihre Nester in nördlicher Ausrichtung. Derzeit wird bei vielen Säugern noch untersucht, inwieweit sie einen Magnetsinn haben. Gleichzeitig konnte aber schon nachgewiesen werden, dass dieser Magnetsinn durch elektromagnetische Strahlung gestört wird. Ich habe jetzt lange gegugglt, um eine Veröffentlichung in einem Magazin oder so zu finden und habe leider nur diesen Spiegelartikel von 2099 gefunden http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,613843,00.html
      Ist leider etwas dürftig und der verweisende Link im Artikel führt zu einem von 2008. Inzwischen zweifelt aber niemand mehr am Magnetsinn der beschriebenen Herdentiere.
      Fazit jedenfalls, im Umkreis von 50 m um eine starke elektromagnetische Quelle, verlieren Kühe ihren Magnetsinn.

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      • Mai 10, 2012 1:51 am

        Letzte Woche gingen hier Bilder aus Peru durch die Presse: hunderte toter Delfine, angeschwemmt am Strand. Kann deren Magnetsinn, und den müssen sie wohl für ihre Nord-Süd-Orientierung haben, so gestört werden, dass sie einfach die Fehlsteuerung auf den Strand schwimmen?

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  2. Mai 9, 2012 10:56 am

    spannendes blog 🙂 da komm ich bestimmt wieder vorbei.

    schön, dass du zu irgendlink gefunden hast! ich schreib gleich noch einen kommentar dort, aber du hast ja den anfang der reise doch noch gefunden.

    auf sich-wiederlesen
    liebe grüße, sofasophia (irgendlinks homebase während der reise )

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  3. Brigitte permalink
    Mai 9, 2012 1:57 pm

    Sehr nett mit der Milchstrasse in Hamburg….fast wäre ich schon mal da gewesen, auf dem Weg von der Alster zum Bus am Mittelweg.
    Unterscheiden sich Graumullen von Nacktmullen? Die kenne ich nämlich! Da bist du jetzt sicher mächtig gebildet bei so vielen Vorträge. Wie war der Titel der Tagung?
    Bei mir sind es nicht die Beine oder der Rücken sondern der Allerwerteste, der nach einiger Zeit das Sitzen auf Holzsitzen erschwert.
    Viel Spass noch in Berlin beim Rahmenprogramm (oder gibt es keins?)

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    • Mai 9, 2012 5:51 pm

      Nuja, Nacktmulle (Heterocephalus glaber) unterscheiden sich schon mal von Graumullen (Fukomys) dadurch, dass sie fast nackt, also haarlos sind, während der Graumull ein kurzes aber dichtes Fell hat. Graumulle sind auch größer als ihre nackten Verwandten und natürlich leben sie zwar alle in Afrika, aber in unterschiedlichen Gebieten. Ich bin aber auch kein Experte für Mulle. Beim Seminar ging es im wesentlichen um Genetik und Rahmenprogramm gabs keins, weil ich ja abends wieder nach Hause bin. Aber nach Himmelfahrt bin ich 6 Tage dort, da gibt es ganz sicher ein Rahmenprogramm 😀

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  4. Mai 9, 2012 5:47 pm

    Dass 40 % der Unter-Dreißig-Jährigen noch nie die Milchstraße gesehen haben, glaube ich sofort, ist es ja schon äußerst schwer, dank der ganzen Lichtflut in den Städten mehr als nur eine kleine Handvoll an Sternen am Nachthimmel auszumachen.

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    • Mai 9, 2012 5:53 pm

      Ja, aber machen die nie Urlaub auf dem Land?
      Allerdings, ich habe gestern Satelitennachtbilder gesehen, es gibt tatsächlich kaum noch echte dunkel Flecken in Europa. Das ist erschreckend.

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      • Mai 9, 2012 6:23 pm

        Vielleicht gucken die während ihrer Landurlaube nachts nie nach oben? Weil sie gar nicht mehr wissen, was für eine atemberaubende Schönheit solch ein Nachthimmel hat?

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  5. Mai 9, 2012 7:57 pm

    40% der unter 30jährigen haben bestimmt auch noch nie die Lindenstraße gesehen 😉

    Wo warst Du denn? In der Humboldt-Uni,TU oder die Freie in Dahlem?. Ich glaube, alle höheren Bildungseinrichtungen haben so unergonomische Sitzfoltergeräte. Das Töchterlein stöhnt auch immer.

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    • Mai 9, 2012 10:15 pm

      Gehört die Lindenstraße auch zum Kulturgut der Menschheit? 😉
      Wir waren übrigens weder noch, sondern in einer Einrichtung des BUMI für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Frag mich nicht…
      Und was die Hörsäle betrifft, da hast Du Recht. Hier in L.E. sind die eigentlich auch alle nicht besser.

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  6. Mai 11, 2012 12:57 pm

    @ Vallertina
    Ein „gestörter Magnetsinn“ muss nicht zwingend der Grund für das von Dir geschilderte Phänomen sein. Es gibt noch viele andere Faktoren, die für so ein Verhalten verantwortlich sein können. So sicher ist man sich da ja nach wie vor nicht. Bei den Delphinen und Walen meine ich.

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