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Von Elefanten, Nashörnern und geklonten Tieren

Mai 7, 2012

Als ich letztes Jahr mal wieder auf einem Kongress rumlümmelte, auf dem es um Tiere ging, hörte ich mir einen Vortrag eines Wissenschaftlers vom Leibnitz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin über „Die Fortpflanzung und Fötalentwicklung bei Elefanten“ an. Im wesentlichen ging es dabei um die Schwierigkeiten der Fortpflanzung in Gefangenschaft gehaltener Elefanten und noch wesentlicher ging es um die Spermagewinnung von wild lebenden Elefantenbullen zur Auffrischung des Genpools der in Gefangenschaft gehaltenen Dickhäuter. Eine äußerst interessante und kurzweilige Präsentation.

Und als ich gestern auf der Couch lümmelte und gerade beschlossen hatte, die Wohnung bei diesem Wetter ganz sicher nicht zu verlassen, ich mich also durchs Fernsehprogramm zappte, lief auf Vox doch tatsächlich eine BBC-Dokumentation zum Thema, allerdings unter dem populistischen Titel „Der masturbierte Elefant“.

Erwartungsvoll, obwohl gerade beim Frühstück und wissend, dass manche Szenen nicht gerade frühstückstauglich sind, starrte ich in den Kasten, der ja keiner mehr ist, sondern eher eine dicke Scheibe, auf die bunten Bilder.

Und wirklich, der Hauptheld der Doku war der Wissenschaftler, den ich vom Kongress, seine Crew die, die ich aus der Präsentation kannte.

Allerdings, was die Elefanten betraf, so ging es eher um die im Zoo gehaltenen, Spermagewinnung und künstliche Berfruchtung. Viele Details fehlten, was sicher nachvollziehbar ist, ist so eine im Fernsehen laufende Dokumentation doch für ein breites Publikum gedacht. Was mich verwirrte, war, dass die Schlußfolgerung des Films eine ganz andere war als die der Präsentation vor gut neun Monaten.

Dafür ging es bei der BBC-Dokumetation nicht nur um Elefanten, sondern auch zB, um das nördliche Breitmaulnashorn. Wussten Sie, dass es nur noch zwei wild Lebende dieser Art gibt? Eine Mutter mit Kalb? Und ganze sechs Tiere leben noch in einem Zoo in Tschechien, davon nur zwei gebährfähige Kühe. Und der einzige Bulle, der den Fortbestand dieser Art sichern könnte, starb während der Filmaufnahmen. Alles was noch bleibt, ist sein gewonnenes Sperma. Ein frustrierendes Wissen.  Und ich teile die Ansicht der Kollegen, die den Versuch, durch Klonen zur Arterhaltung beizutragen, für fragwürdig halten.

So stimmte die ganze Doku eher pessimistisch. Die Arbeit  der Berliner wird ganz sicher helfen, ein paar wenige Arten vor dem Aussterben zu bewahren. Letztendlich ist das aber nur ein kleines Licht in der Dunkelheit, in der täglich Arten für immer von dieser Erde verschwinden. Im Dunkeln. Von den meisten Menschen unbemerkt.

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12 Kommentare leave one →
  1. Mai 7, 2012 9:41 am

    Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Jahr für Jahr etliche Tausend Spezies aussterben, manche davon uns noch völlig unbekannt, und auch von uns nicht im geringsten beachtet. Obwohl das natürlich auch mit der beständig fortschreitenden Evolution zu tun hat, geht doch meiner Meinung nach das Erlöschen vieler Arten auf uns Menschen zurück…

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    • Mai 7, 2012 4:11 pm

      Klar muss man auch das „natürliche“, der Evolution geschuldete Aussterben beachten. Aber die Schnelligkeit, mit der Tiere heutzutage aussterben und die Masse erinnert doch eher an einen Meteoriteneinschlag als an Evolution

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  2. Mai 7, 2012 10:51 am

    Wie sagte der diesjährige Erich-Fromm-Preisträger Georg Schramm bei seinem Vortrag anlässlich der Preisverleihung: „Nach uns kommt nicht die Sintflut, wir sind die Sintflut.“
    Und was den Lichtblick betrifft, so ist allgemein wenig bekannt, dass auch jedes Jahr neue Arten entdeckt werden. Allerdings keine Säugetiere.

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    • Mai 7, 2012 4:13 pm

      Wobei das Aussterben viele Nicht-Säugetiere leider von der Öffentlichkeit unbemerkt vor sich geht, obwohl es auf das Ökosystem die gleichen Auswirkungen hat.

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  3. Brigitte permalink
    Mai 7, 2012 12:25 pm

    Traurig, oder?
    Ich habe letzte Woche einen Fall von Mobbing bei Elefanten „erlebt“, d.h. im Kölner Zoo ist eine alte Elefantenkuh von den anderen Tieren so gemobbt worden, dass sie verstarb.
    Ich dachte immer, Elefanten wären so supersoziale Tiere (Tanten passen mit auf die Kleinen auf, Mama Leitkuh sorgt für die Herde), aber von wegen…..
    http://www.ksta.de/html/artikel/1335978681892.shtml
    Aber vielleicht auch eine Folge der Gefangenschaft. Wer weiss.

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  4. Mai 7, 2012 10:34 pm

    Ich bin mir immer unsicher, was ich vom Eingreifen der Menschen in die natürliche Evolution halten soll, also z.B. durch künstliche Befurchtung einer praktisch gegen Null ?ausgerottete? Tierart ausserhalb ihres natürlichen Habitats, in einem Zoo, am Weiterbestand zu halten. Unsicher deshalb, weil ich weiss, dass wir Menschen mit Bebauung, Infrastruktur, extensiver Agrar-, Forstwirtschaft u.m. bereits drastische Verdrängung oder gar Dezimierung von Wildtieren verursachten. Und auch unsicher bezüglich der „Lebensqualität“ eines Wildtieres, das eigentlich ein grosses Lebensrevier brauchte, in einem Zoo.

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    • Mai 8, 2012 10:29 pm

      Zoos bieten, leider, oft die letzte Chance eine bedrohte Art zu erhalten, wie ja am Beispiel des Nördlichen Breitmaulnashorns zu sehen ist. Das ist in jedem Fall besser, als tatenlos zu sehen, wie so ein Tier ausstirbt. Alle Arten können wir eh nicht retten. Und Ziel muss es natürlich immer sein, die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum wieder aus- bzw anzusiedeln.

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  5. Mai 8, 2012 2:58 am

    Die Frage ist ja, was ist noch natürliche Evolution? Der Mensch greift ja permanent in die Evolution ein, ist ja ein Teil davon. Der eine Teil greift ein, indem er Nashörner abschlachtet, weil sozial unterentwickelte Millionäre ihre Impotenz mit Nashornpülverchen kurieren wollen, der andere Teil versucht mit letzten Mitteln eine Art zu erhalten, die in ihrem natürlichen Lebensraum überhaupt nicht mehr vorkommt. An irgendwelchen Karibikstränden freuen sich die Leute, wenn sie 50 Delfine vom Strand retten können, während in Japan jedes Jahr ein widerliches Massaker an diesen Tieren stattfindet.
    Natürliche Evolution? Die gibts erst wieder, wenn der Mensch daran nicht mehr teilnimmt.
    Vor ein paar Jahren habe ich das erste mal gelesen, wie eminent wichtig zum Beispiel Bienen sind, als irgend eine Pest bedrohliche Ausmaße annahm. Ohne Bienen sind wir echt im Eimer, da ist ein Nashorn nix dagegen.

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    • Mai 8, 2012 10:33 pm

      Naja, jedes Tier hat seinen Platz im Ökosystem. Und auch das Aussterben des Nashorns wird Einfluss haben. Irgendein kleines, „Unsichtbares“ Tier wird mit untergehen, zumindest im ehemaligen Lebensraum des Nashorns. Eine Pflanze wird vielleicht verschwinden. Und wegen der wieder ein kleines unsichtbares Tier, oder eine Pflanze, irgendein hochspezialisierter Organismus eben. Davon wird die Welt nicht untergehen. Nicht sofort.

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      • Mai 9, 2012 1:44 am

        Das ist schon klar, aber faktisch ist das Nashorn (jedenfalls diese spezielle Art) schon ausgestorben, denn ob davon 3 oder 5 in irgendwelchen Zoos existieren ist für das Ökosystem nicht mehr von Belang. Das war es vielleicht noch, als davon ein paar tausend in freier Wildbahn existierten.

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  6. Mai 8, 2012 7:50 pm

    Stimmt, und wenn du jetzt nicht darüber geschrieben hättest, wäre es auch von mir unbemerkt geblieben. Eigentlich traurig.

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