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Eine Seefahrt

Mai 6, 2012

Mit Geburtstagen und den obligaten Geschenken ist das ja so eine Sache. Schon wenn man eine große Familie hat, kann das aufreibend sein, zumal man sich die Familie ja nicht aussuchen kann. Dafür hat sie den Vorteil, dass man als Schenkende sich mit explizit gewünschten Haushalts- oder Werkstatthelfern herauswinden kann.

Bei Freunden wird es schon schwieriger, obwohl es doch einfacher sein sollte, weil man die sich ja selber ausgesucht hat und deshalb die Interessenlage, naja zumindest, ähnlich sein sollte.

Aber die eine liest so viel, dass sie vermutlich schon jedes Buch kennt; da kann ich aber immer mit meinem etwas  schrägen Geschmack  punkten und ein Buch hervorzaubern, von dessen Autor sie noch nicht mal was gehört hat.  Der andere, und davon gibt es mehrere, liebt natürlich Musik, aber ehrlich, mit Musikkonserven kann man ja ordentlich daneben greifen bei über 50jährigen. Dann gibt es, trotzdem man sie ja selber ausgewählt hat, Freunde, die lesen gar nicht oder hören dermaßen durchschnittliche Musik, dass es da nix Neues gibt bzw man am liebsten unerkannt durch die Musikabteilung huschelt, wenn man da ein Geschenk kauft.

Einfacher ist es mit den Freunden, die nicht nur nicht aus Leipzig sind, sondern nicht mal aus Deutschland. Weil die z.B. im fernen Texas geboren und aufgewachsen sind, so wie Jack.

Dem schenkt man dann einfach etwas, was ihn mit unserer schönen Heimat vertraut macht, für ihn garantiert neu ist und wobei wir anderen auch noch richtig viel Spaß haben. Jack natürlich auch.

So ging es also gestern zum Zwenkauer See.

Der gehört zur Seenlandschaft, die gerade im Süden der Stadt im ehemaligen Tagebaugebiet entsteht. Neun Seen sollen das am Ende mal sein. Cospudener und Markkleeberger sind schon „fertig“ geflutet und zu betoniert und können schon als Badeseen oder für sonstige Events genutzt werden. Der Störmthaler ist der dritte See.

Störmthaler See

Der Zwenkauer wird der größte werden. An letzteren führte uns vor Jahren ein Radtour. Damals latschten wir noch auf dem Grund des nun fast bis zum Rand gefüllten Sees rum.

Zwenkauer See

9 Meter fehlen ihm noch, trotzdem werden schon die ersten Wohnhäuser mit Seeblick gebaut.

Und es fährt ein Fahrgastschiff über den See. Die Santa Barbara. Das sollte unser Geschenk für Jack sein, die Fahrt über den See.

Weil es zu regnen drohte, ließen wir die Räder kurzerhand stehen, disponierten um, verfrachteten uns in die Autos und fuhren in den Süden der Stadt.

Der Sektempfang fand demensprechend auf einem betonierten Stück zukünftiger Seepromenade und im Regen statt.

Dann legte das Schiff an und wir wunderten uns, dass das Oberdeck eingedeckt war zum Kaffekränzchen. Es amüsierte uns gar. Bis wir, als wir uns unter Deck an zwei Tische verteilen wollten, barsch angewiesen wurden, uns mit einem Tisch zu begnügen. Schließlich müsse man hier noch 65 Leute unterbringen!!! Kurzer Blick in das gut gefüllte Schiff, da waren noch genau 20 Plätze frei. Man hatte offensichtlich auch fürs Oberdeck Reservierungen angenommen und stand nun vor einem Problem. Sollte aber nicht unseres ein. Jemand aus unserer Runde, seines Zeichens selbst Gastronom, bot contra und wir zogen uns einen kleinen Tisch heran, so dass wir zwar eng, aber immerhin sitzen konnten. Der Käpt‘n, ganz außer sich, drohte, nicht abzulegen, wenn es Probleme gäbe. Jack fand, dass das ein ganz wunderbares Geschenk sei und er schon voll auf seine Kosten gekommen wäre.

Wir betrachteten das weitere Desaster durch die großen Fenster. Reihen- und Gruppenweise zogen die Leute, die alle reserviert hatten, wieder ab. Niemand wollte auf dem offenen Oberdeck sitzen. Sowas uneinsichtiges aber auch.

Als es dann doch, verspätet los ging, tröstete der Kapitän, dass er dafür schneller fahren würde , so dass alle pünktlich zurück seien (???). Und er erklärte noch, dass jedem Fahrgast 40x40cm Platz zustünden!!! Und es deshalb kein Grund zur Beschwerde gäbe.

Ok, trösteten wir uns, bei Sonnenschein wäre die Fahrt sicher nett gewesen, über diese aber werden wir noch in Jahren zu berichten haben. Ich bin fast versucht, noch einmal her zu kommen, wenn der See fertig zu betoniert ist und die Santa Barbara Konkurrenz erhalten hat.  Mich würde interessieren, ob es das Schiff dann noch gibt, oder den Besitzer gewechselt hat, und was aus dem Chef geworden ist. Allerdings weiß ich jetzt schon, dass ich es wohl nicht tun werde.

Jetzt aber ist der See noch interessant  und es ist Schade, dass das alles im nächsten Jahr nicht mehr zu sehen sein wird.

Wir erzählen Jack und uns Geschichten von den Dörfern, die hier früher standen (in einem habe ich selbst mal gearbeitet), den „Entschädigungen“  für die Bauern, dem Dreck, der Braunkohle, Bockwitz, Dreiskau- Muckern und Espenhain. So entsteht ein buntes Kaleidoskop der Erinnerungen, besser als jedes Geschichtsbuch. (Das Bild im Header meines Blogs stammt aus so einem Dorf, das und das  auch)

Und weil die Qualität der Fotos vom gestrigen Ausflug dem Wetter geschuldet sind, hier noch ein paar ältere Bilder der inzwischen zu betonierten Seen im Süden.

Markkleeberger See

Markkleeberger See

Störmthaler See

Störmthaler See

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12 Kommentare leave one →
  1. Stephie permalink
    Mai 6, 2012 1:17 pm

    Das ist eine schöne Geschenkidee.

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  2. Brigitte permalink
    Mai 6, 2012 2:17 pm

    Eine schöne Idee zm Geburtstag….
    Bei uns hier ist das der Edersee. Da taucht bei Niedrigwasser immer die Kirchturmspitze von einem gefluteten Dorf auf…..
    Und direkt hier in der Nachbarschaft sind es geflutete Kiesgruben. Allerdings recht gefährlich zum Baden wegen kalter Unterströmungen. Da sind schon diverse Menschen ertrunken nach einem Herzkasper.
    Damals als wir „nach der Wende“ mit den Motorrädern öfter Richtung Sachsen gefahren sind, fand ich diese Braunkohlebagger immer ein bisschen unheimlich. So unvorstellbar riesig.
    Wünsch dir einen gemütlichen Sonntag. Kehre nun aufs Sofa zu Kommisar Kluftinger zurück. Wetter ist indiskutabel.

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  3. Mai 6, 2012 3:06 pm

    tolle Idee, toller Bericht, tolle Bilder

    schönes Wochenende
    SK

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  4. Mai 6, 2012 3:19 pm

    oh, da bekomm ich glatt Lust auf so eine Tour
    danke fürs Zeigen

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  5. Mai 6, 2012 6:46 pm

    Das manchmal schon sehr unberechenbare Wetter ist bei solchen Ausflugsschiffen, und auch bei Ausflugslokalen, immer die Krux! Logisch, dass man bei einigermaßen passabler Voraussage Reservierungen für’s Freie annimmt. Wenn sich der liebe Petrus dann allerdings eines anderen besinnt, hat man als Gastronom, als Bedienung, als Küchenchef – und auch als Kapitän – dann natürlich eine A…karte gezogen. 😉 Als ich einige Jährchen lang in einer schönen Wirtschaft im Isartal arbeitete, ist es uns jeden Sommer etliche Male widerfahren, dass da Regen aus allen Kannen fiel, wo doch eigentlich die Sonne strahlen sollte, und wir dann ca. 400 Personen in einen Saal unterzubringen hatte, dessen Kapazität für ca. 250 Gäste ausgelegt war…

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    • Mai 6, 2012 7:16 pm

      Nur, das hier seit einer Woche der Regen angekündigt wird. … Gut, kann man sich drüber streiten, ob man als Betreiber anruft und absagt oder auf ein Wunder hofft. Allerdings… er hatte nur eine, EINE Kellnerin da und als wir ihn fragten, wie die das hätte schaffen sollen, wenn auch noch das Oberdeck besetzt wäre, sagte er. für solche Fälle käme eine zweite Kraft. Wo war die, wenn doch oben eingedeckt war? Egal, müßig darüber nachzudenken.
      Was uns gestört hat, war ja nicht die Enge, sondern die Art, wie der Kapitän mit uns umsprang. Nämlich wie mir Bittstellern, Störenfrieden, was auch immer.

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  6. Mai 6, 2012 7:18 pm

    Mir waren die Braunkohlegruben auch immer etwas unheimlich. Zum fotografieren bin ich da leider nie gekommen – es sieht so aus, als sei ich zu spät dafür,,, Aber die „Seen“ sehen auch sehr schön aus.

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  7. Mai 6, 2012 8:29 pm

    Tja, da sind sie nun fast weg, die ollen Mondlandschaften in denen ich als Student in den Semesterferien immer gearbeitet habe. Lippendorf sehe ich aus meinem Küchenfenster auch. So weit wart ihr also gar nicht weg. 😀
    Ich schäme mich immer vor ausländischen Gästen, wenn sich hier jemand so daneben benimmt. Ich setze mich zur Not auch mal auf die Treppe opder auf den Fußboden. Solche Flätzigkeiten aber regen mich auf.
    (Hoffentlich wird bald wieder schönes Wetter, so dass ich vor dem Umzug noch mal mit dem Radel los kann. Ich bin ja fast schon da, im Leipziger Neuseenland.)

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  8. Mai 8, 2012 3:09 am

    Ich schmeiß mich weg, der Käptn hat wohl vorher auch nur Braunkohle geschippert. Die Touristenkutscher im Hamburger Hafen prügeln sich wenigstens nur untereinander, zu den Kunden sind sie im Allgemeinen sehr viel freundlicher.

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    • Mai 8, 2012 10:25 pm

      Naja, ich denke mal, „Unser“ Käp’n wird früher oder später der natürlichen Selektion zum Opfer fallen. Spätestens dann, wenn noch ein paar mehr Boote auf dem See sind und diese sich ganz wie von Dir beschriebenen um die Touristen prügeln. Da vertraue ich ganz den Gesetzen der Evolution 😀

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