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Starkmacher

Mai 4, 2012

Man weiß ja, dass Kinder, besonders die unter 5jährigen, gern laut sind.

Das ist ihr Vorrecht und sollte allgemein toleriert werden.

Zwar leuchtet mir nicht immer ein, in wieweit es der Entwicklung der Brut schaden soll, wenn man ihr an ganz speziellen Orten, wie z.B.: Straßenbahnen, Fleischfachverkaufsstellen oder Vorlesungen , nahelegt, aus Gründen der Rücksichtnahme auf Umstehende oder –sitzende und im Sinne der Einbindung in eine Gesellschaft, der wir uns ja irgendwie nicht entziehen können, vielleicht für einen kurzen beschränkten Zeitraum die Lautstärke etwas zu drosseln, aber das ist möglicherweise eine Frage der Erziehung, auch der der Eltern.

Und wer bin ich, dass ich mich da auskenne, was für die Kinder heutzutage gut oder schlecht ist. Möglicherweise wäre so eine Einschränkung kindlicher Lautstärke nach neuesten Erkenntnissen ja tatsächlich schädlich, auch wenn sich die nur auf einen kurzen Zeitraum beschränken würde, wie der Aufenthalt in einer Straßenbahn oder einer Fleischfachverkaufsstelle. Vorlesungen sollten freilich nicht so kurz sein, aber das ist ein anderes Thema.

Ich kann da wahrlich nicht mitreden. Und vor allem nichts ändern, ist doch die Zeit, da ich meine Töchter hie und da zur Ruhe gemahnte, längst vorbei.

So bleibt mir nur, in Straßenbahnen zu hoffen, dass die Plage vielleicht doch schon nach der nächsten Haltestelle? … und  den Besuch des Fleischverkaufsfachgeschäftes um eine halbe Stunde zu verschieben und im übrigen einfach still zu ertragen und mir einzureden, dass ich eben alt werde und die Toleranzschwelle mit zunehmendem Alter sinkt.

Warum aber, frage ich mich, sind eigentlich manche Mütter genau so laut? Fürchten sie, sonst nicht erhört zu werden? Von ihren Kindern? Oder möchten sie, genau wie es unter 5jährige nun einmal gerne tun, die Umwelt genauestens darüber, was sie gerade tun und denken, informieren?

Oder sind die Mütter, zweifellos  mindestens der Walkman-Generation angehörend durch den täglichen Musikgebrauch voll auf die Ohren vielleicht sogar taub? Man weiß ja, dass Gehörgeschädigte gern etwas lauter reden.

So fühle ich mich oft eher von den Müttern belästigt als von den Kindern. Denn laute Kinder stören mich eigentlich nur, wenn sie versuchen, den Schlamm ihrer Schuhe an meinem Hosenbein abzuwischen oder die durchgeweichte Eistüte in meine Tasche stopfen.

Und als ich letztens im Lebensmitteldiscounter meiner Wahl mal wieder so einer Mutter ausgesetzt war, habe ich ehrlich überlegt, ob sie erwartet, dass wir anderen sie loben ob ihrer vorbildlichen Erziehung. Von ihrem Kind war gar nicht soviel zu hören, außer hie und da mal ein Gluckser.  Und die stolze Angeberei, dass es die Flasche Apfelschorle schon fast ausgetrunken hätte und nun stark werde. Worauf die Mutter ihr (und uns) einen Vortrag über gesunde Lebensmittel hielt und wie und wo und welche stark machen.

Hätten ich sie loben sollen?

Oder vielleicht doch hingehen und darauf hinweisen, dass glücklich sein auch stark macht? Und fröhlich sein?

Irgendwie.

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7 Kommentare leave one →
  1. Mai 4, 2012 11:37 am

    Wir haben das von anderen Kulturen gelernt und übernommen. Bis zum Alter von drei oder vier Jahren haben die Gören gewisse Freiheiten, dann fängt das gesellschaftliche Lernen und Akzeptieren (und auch mal Klappe halten) an. Davor nahmen wir sie denn auch zu Veranstaltungen (Theater, Vorlesungen etc.) mit, die nur zu Stress bei Kindern, Eltern und anderen Menschen geführt hätten.
    Den Gören hats offensichtlich gut getan und wir haben uns manchen Stress vermieden, den ich heute bei jüngeren Eltern öfter sehe und der mir manchmal gehörig auf den Keks geht. Hin und wieder lasse ich da schon eine Bemerkung los.
    Und um „stolze“ Mütter, meiner Beobachtung nach häufig Erstgebärende ab Mitte dreissig, mache ich ich instinktiv einen Bogen.

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  2. Mai 5, 2012 2:03 am

    Wenn ich mich so im Bekanntenkreis umsehe oder die Mütter im Kindergarten meiner Enkeltochter betrachte, dann sind das immer nur Einzelfälle, so schlimm ist die Lage eigentlich nicht. Die Lauten fallen nur leider immer sehr auf.
    Wer Kinder allerdings in Vorlesungen schleppt, der quatscht wahrscheinlich auch in der Oper. Wenn man selber keine Rücksicht gelernt hat, kann man es schwerlich seinem Nachwuchs vermitteln.

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    • Mai 5, 2012 11:20 am

      Das kann natürlich sein. Und auch dass ich in einem Viertel wohne, wo der Prozentsatz derartiger Mütter evtl etwas höher ist als in anderen Stadtteilen. Und gleich gegenüber der Ferdinand-Lasalle-Straße, da treffe ich die in der Kofi, beim Physiotherapeuten ( ja, die gehen schon mit den Babies dahin). Seufz

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  3. Mai 7, 2012 9:39 am

    Hmmm…habe gerade in mich hineingehorcht als Erstgebährende mittlerweile Ende 30 😉 (also, das Kind kam schon früher, ist klar, ne?). Kann mich erinnern, dass ich Kind mal an einem freien Tag meine damalige Arbeitsstätte gezeigt habe mit dem Hinweis, wir müssten oben (Großraumbüro) ab-so-lut leise sein, da würde gearbeitet. Kind hielt das durch und sagte nicht mal auf Aufforderung „Hallo.“ Nichts. Kein Piep. Erst wieder unten: „Mama, du warst nicht leise!!! Du hast geREDET!!!“ Sie war total empört.
    Aber, um ganz ehrlich zu sein: Ja, manchmal bekommen auch Umstehende (oder Kellner in Cafes) Unterhaltungen zwischen mir und meiner Tochter mit (über Werbung, Politik, Rente, den Sozialstaat…). Und manchmal bin ich dann schon auch stolz, wie ich das so mache. Au weia…ich hab mich gerade wiedererkannt!!!
    *in die Ecke geht und sich schämt*

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