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Familienzuwachs

April 5, 2012

Nun ist es also raus.

Ich werde Oma. Das Große Kind und der Freund erwarten Anfang August die Ankunft der Prinzessin.

Ich bin froh, dass beide nicht zu der Art zukünftiger Eltern gehören, die sich für den Nachwuchs erst entscheiden, wenn sie diesem „etwas bieten“ können. Und darüber alt und grau werden.

Denn „etwas bieten können“ wird oft mit „materiell alles bieten“ können verwechselt. Bevor nicht ein Haus, mindestens aber eine komplett eingerichtete Wohnung, die keine Wünsche offen lässt, ein Auto und ein Konto, das allen scheinbaren Anforderungen des zu erwartenden Nachwuchses stand hält, da sind, scheint Fortpflanzung nicht möglich zu sein. Bei einer gewissen Schicht jedenfalls. Und so treffe ich immer häufiger auf ziemlich ältere Herren mit ziemlich kleinen Kindern, auch die Mütter sehen oft nicht mehr all zu frisch aus.

Ein Onkel von mir formulierte es mal so: Wenn er mit seinen Eltern in die Berge fuhr, gingen sie spazieren, maximal wandern. Wenn seine Freunde mit ihren Eltern in die Berge fuhren, hatten die gemeinsam Spaß. Meine Großmutter war 41, als mein Onkel geboren wurde, mein Großvater knapp 50. Mein Onkel war ein typischer Nachzügler. Nesthäkchen nannte man das früher. Heute denke ich manchmal, es gibt ganz schön viele Nesthäkchen, nur das denen, im Gegensatz zu meinem Onkel, die großen Geschwister fehlen.

Das Große Kind gehört zu den sogenannten Geringverdienern. Der Freund studiert noch. Sie hätten warten können. Bis beide ein sogenanntes sicheres Auskommen haben. Dann hätten sie der Prinzessin alles mögliche bieten können. Alles jedenfalls, was sich mit Geld erfüllen lässt. Nur junge Eltern, die hätte die Prinzessin nicht gehabt.

Statt Markenklamotten wird es also viel Improvisation geben. Statt teurem Spielzeug Phantasie. Und die Chance, dass die Prinzessin, wenn sie 18 ist, nicht mit Senioren zum Abschlussball geht.

Und ich, ich freu mich, dass ich eine nicht ganz so klapprige Oma sein werde.

Ps.: Das soll keine Verurteilung von Menschen sein, die erst mit über 30 oder 40 zum ersten Mal Eltern werden. In meinem Freundeskreis gibt es genug Paare, die sich erst so spät für Nachwuchs entschieden haben. Aber eben weil ich sehe, wie sich der Umgang „älterer“ Eltern mit ihren Kindern von dem „jüngerer“ Eltern unterscheidet, freue ich mich, dass das Große Kind und der Freund ihren  Wunsch nach einer Familie nicht von materiellen Dingen und finanziellen Gegebenheiten abhängig machen.

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10 Kommentare leave one →
  1. April 5, 2012 9:25 am

    Gute Gedanken! – Meine Mutter (sie war 20 als sie mich kriegte) sagte immer: „alte Eltern haben alte Kinder“ – Ich sagte mal zu einem weinenden Kind, das offensichtlich nach seiner Mutter suchte: „Schau mal, da drüben ist doch deine Omi“ – worauf die Frau, die offensichtlich nach Kind Ausschau hielt, mich angiftete: „ich bin nicht die Oma, ich bin die Mutter“.
    Müsste ich mich heute nochmals entscheiden, würde ich es wieder so machen: Lieber früher und mehr improvisieren, dafür aber Phantasie statt Geld einsetzen und dadurch mehr garantierte Überraschungen.

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  2. April 5, 2012 9:47 am

    Ich kann das bei meinem Bruder und meiner Schwägerin mitverfolgen, die beide an die Vierzig gewesen sind, als mein kleiner Neffe zur Welt gekommen ist. Ich finde, dass ältere Eltern oftmals sehr ängstlich sind und überreagieren, mein Neffe wird bei jedem geringsten Anzeichen von Husten, Schnupfen, Übelkeit etc. sofort zu einem Kinderspezialisten geschleppt. Positiv finde ich, dass man sich in einem fortgeschritteneren Alter oftmals sehr bewusst für den Nachwuchs entschieden hat, und dadurch, was die Erziehung betrifft, vielleicht behutsamer und bedachtsamer vorgeht als in jungen Jahren…

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  3. April 5, 2012 10:15 am

    Alles Liebe zur kommenden Großmutterschaft… . Meine Familie ist/war so eine. Mein Großvater anno 1895, Eltern Jahrgang 30, ich in den 70ern… Zu DDR Zeiten besonders untypisch. In der heutigen Zeit, wo Geld Alles ist kommen diese großen Zeitsprünge leider wieder in den Trend. Es hat heute meist nicht mit „etwas bieten“ zu tun, sondern eine Frage existenzieller Armut. Damals gab es flächendeckend Kinderkrippen und -gärten, ein gutes Schul- und Bildungssystem, weniger Kriminalität, Arbeit… Da wäre man gerne in jüngeren Jahren Eltern geworden. Deine Tochter, denke ich, kann auf Dich bauen und so kann neues Lebensglück wachsen. Frohe Ostern wünsche ich vom Herzen!

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    • April 5, 2012 5:16 pm

      Ja, das Argument von der existenziellen Armut wird oft gebracht. Wenn das aber tatsächlich zählte, wäre die Menschheit wohl schon ausgestorben. Gut, gaaaaanz früher, waren die Kinder auch die Altersversicherung, im wahrsten Wortsinn und nicht einfach als Rentenzahler. Dies dürfte aber im letzten Jahrhundert in Deutschland immer weniger gegolten haben. Und trotzdem bekamen die Menschen Kinder. Sogar im Krieg. Und danach, in den sogenannten Hungerjahren. Das Deutschland nicht gerade zu den kinderfreundlichen Ländern zählt, stelle ich nicht in Zweifel. Trotzdem geht es wohl nicht nur um Kindergärten (obwohl die freilich wichtig sind)
      Ich habe vor Jahren mal eine Sendung gesehen, wo zukünftige Eltern vor rechneten, was ein Kind monatlich kostet. 900 DM waren das damals. Das konnten sich die dann doch nicht zukünftigen Eltern nicht leisten. Da hab ich mich schon gefragt. Hätte ich so darüber gedacht, gäbe es meine beiden Kinder nicht.

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  4. April 5, 2012 11:19 am

    Markenklamotten werden eh überschätzt, teures Spielzeug auch, das sammelt sich noch früh genug an. Ich war zwar fix grantig, dass mein Kind sich für Nachwuchs entschied als er gerade mal die Ausbildung angefangen hat, aber wir hatten früher auch nix und es ging immer irgendwie.
    Im Notfall hatten wir die Großeltern als Sponsoren und genau so halte ich das heute auch.

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  5. April 5, 2012 11:42 am

    Ach ja, ich bin auch so ein Nesthaken, allerdings mit großem Bruder. Meine Eltern waren immer so vernünftig, und verlangten das von mir auch. Ich habe mich verdrückt, wo ich nur konnte. Phantasien ausleben, etwas verrückt sein, das konnte ich nur wo anders.
    Manchmal kann ich die jungen Leute von heute verstehen. Es gibt eine Menge Unsicherheiten und die fördern auch Ängste. Wenn ich an meine eigene Elternzeit denke: Reichtum hatte ich nicht, aber ich musste auch keine Angst haben, meine Miete nicht bezahlen zu können, oder den Strom …
    Na, dann freu dich mal auf deine Zeit als Oma. Du wirst bestimmt eine Gute und das hilft den jungen Eltern.

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  6. April 5, 2012 8:53 pm

    herzlichen glückwunsch!!! als wir nach argentinien zogen, habe ich gehofft, bitte jetzt nicht oma werden! da wäre mir der abschied sehr schwer gefallen. und nun? wenn überhaupt, werde ich eine alte oma! ich glaube, unsere und andere kinder sind alt genug, um sich für oder gegen kinder zu entscheiden. sie haben ihre gründe, welche auch immer. auf jeden fall bereichern kinder das leben, diese erfahrung können leider heutzutage nicht alle paare machen.
    liebe grüße, auch an die werdenden eltern 😉

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  7. April 5, 2012 10:12 pm

    Ich hab ja beides gemacht: mit knapp 24 und mit 26Vater werden, und mit knapp 37 (und nun noch mal mit grad 39). Ironisch gesagt, könnte ich aber in die Waagschale werfen, ich hab jedes Mal dafür gesorgt, daß die Kinder eine junge Mutter haben.
    Witzigerweise seh ich aber einiges wesentlich gelassener. Vielleicht, weil ich das schon mal durch hab (obwohl ich damals überarbeitet war und bei meinen 80-Stunden-Wochen die Kinder oft kaum zu sehen bekam).
    Trotzdem hab ich kurz gestutzt: Fernflug und Schwangerschaft, muß das denn sein? (Aber die Katze geht doch wohl hoffentlich auf jeden Fall auch zum Kind zurück – sonst nehm ich sie. Wirklich.)

    Und nun: alle guten Wünsche den jungen Eltern, besonders der Mama, die es ja ausbaden – äh, austragen muß und das Schwerste noch lang vor sich hat (das darfst du jetzt drehen, wie du willst ;)). Und alle guten Wünsche der jungen Oma in spe, und nicht zu vergessen den künftigen Tanten (oder hast du auch Jungs? Irgendwie les ich da immer Mädchen raus).

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    • April 6, 2012 12:09 am

      Nuja, die jungen Mütter senken ja den Altersdurchschnitt 😉
      Nein, im Ernst, ich denke, Du verstehst was ich meine.
      Und was den Fernflug der werdenden Mama betrifft, deswegen habe ich ja, wie im Post „Urlaubsziele“ geschrieben, gezetert. Aber denkste, die hört auf mich?
      Und ja, Du hast richtig gelesen, hier gehts immer um Töchter. Ich werde ihr, der werdenden Tante, die Grüße ausrichten, so wie der werdenden Mama und die für die Oma nehme ich auch an. Und die Katze, die geht nach dem Urlaub natürlich zurück. Etwas anderes würden unsere Vierbeiner, die Ratten, auch nie verzeihen. Die wollen nämlich auch wieder rumkaspern. Und im Moment ist das denen nur eingeschränkt möglich.

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  8. Juli 19, 2012 8:07 pm

    Herzlichen Glückwunsch zum Oma-werden! Und deine Gedanken kann ich gut verstehen und ich denke genauso … Daher haben mein Mann und ich uns auch schon früh für unsere Kinder entschieden, als alle anderen noch im Studium waren. Allerdings muss ich einwenden, dass bei uns schon die „finanzielle“ Frage eine Rolle gespielt hat und es uns einfach wichtig war, dass wir beide einen Job haben und fertig studiert haben und gereist sind, damit man nicht irgendwann denkt, man hätte vielleicht durch die Kinder irgendetwas „verpasst“. Und ich glaube, dass jeder Mensch einfach merkt, wann er bzw. sie reif für ein Kind ist … Die einen früher die anderen später … Für die Kinder sind junge Eltern aber definitv ein Vorteil!

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