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Kindsköpfe

März 29, 2012

Lindau, also die Insel, IM Bodensee, ist eine wunderschöne Stadt. Mit hübschen alten Häusern, Fachwerk,  viel Wasser rund herum und, wie es sich für so ein Städtchen gehört, stilecht mit Kopfsteinpflaster in den Gassen und Gässchen. Eine Perle im Bodensee und jede Reise wert. Allerdings sind die An- und Abreise etwas beschwerlich, zieht der Besucher einen der heute so beliebten Rollkoffer hinter sich her.

Nun gehöre ich zwar meistens zur Spezies Rucksackreisender, bei Dienstreisen verwandle ich mich aber gern in einen Koffer-hinter-sich-Herzieher.

Und dann kommt man also am Hauptbahnhof in Lindau an. Der liegt ganz wunderbar auf der Insel. Man schreitet über die Gleise in das Jugendstilgebäude und wenn man dieses verlässt, ist man mitten im Zentrum. Rechts liegt der Hafen, geradeaus beginnt das Gassengewirr. So wunderbar zentrale Lagen haben nur Kopfbahnhöfe an sich. Wie ich in Lindau erfahren musste, gibt es aber gerade darum Streit. Weil, die großen Fernzüge meiden die Insel verständlicherweise, was einige Anwohner ärgert, weswegen sie für einen neuen Bahnhof auf dem Festland plädieren. Andere aber wollen keinesfalls auf  ihren Jugendstilbahnhof verzichten und plädieren für einen Nebenbahnhof auf dem Festland, durch den dann die wichtigen Fernzüge fahren können, während der Erholungssuchende weiterhin stilecht auf der Insel ankommt. Es gab schon zwei Bürgerentscheide mit jeweils unterschiedlichem Ausgang. Und ich hatte das Glück, in nur zwei ganzen und zwei halben Tagen jeweils einen Vertreter beider Parteien leidenschaftlich zum Thema referieren zu hören. (Und das, obwohl ich an zwei Tagen gar keine Zeit hatte, mich mit Lindauern zu unterhalten)

Aber ich wollte ja von den Steinen reden.

Man tritt also aus der Bahnhofshalle und zerrt den viel zu großen Rollkoffer (ich muss mir echt mal einen kleineren kaufen!) über das Kopfsteinpflaster. Fluchend natürlich und macht damit einen Lärm, als wolle man schreien: HALLO!! Ich.bin.daha!!! Und lernt die kleinen Pflastersteine zu schätzen. Denn die Kindsköpfe, die natürlich fast überall sind, weil die sind ja stilechter, sind ganz übel. Da trägt frau auch gern mal den viel zu großen Koffer. Jedenfalls ein Stück. Da werden aus 10 min Fußweg schnell mal 20.

Ich hatte mir vorgenommen, in den zwei Tagen und zwei halben die Insel mindestens einmal zu umrunden. Das habe ich auch geschafft, so groß ist sie ja nun wirklich nicht. Und ich war in jeder Gasse. In JEDER! Neben dem Häuser und Gassen und Wasser und Berge am anderen Ufer gucken habe ich dabei auch immer nach asphaltierten Wegstücken gesucht. Ehrlich. Ich wäre gestern auch 40 min gelaufen, wenn es nur auf so geglättetem Weg gegangen wäre. Allein, es gibt sie nur bruchstückhaft. Und sie führen nicht Richtung Bahnhof.

Trotzdem, Lindau, die Insel, ist eine wunderschöne Stadt. Und das nächste Mal setze ich den Rucksack auf.

………………….

Übrigens, als ich gestern Abend nach Hause kam, stellte ich zu meiner Erleichterung fest, das die Ratten und die Gastkatze noch leben. Nicht das ich je am Überleben der Katze gezweifelt hätte.

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9 Kommentare leave one →
  1. Brigitte permalink
    März 29, 2012 12:22 pm

    Das Rattern ist hier in unserer Universitätsstadt DAS Geräusch am Freitag nachmittag und Montag morgen, wenn die Studis nach Hause fahren oder zurückkommen. Allerdings ohne Kopfsteinpflaster. Mein Rollkoffer (Beigabe zu einem Zeitschriftenabo) hat ganz billige kleine Plastikrollen und DIE machen Krach, egal ob auf Asphalt, Kopfstein oder „normalen“ Bürgersteigplatten (übrigens genauso wie mein Einkaufstrolly vom Discounter. Ich wollte erstmal ausprobieren, ob so ein „Rolls Royce“ was für mich ist).
    LG Brigitte

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  2. März 29, 2012 3:32 pm

    du machst einem lindau so richtig schmackhaft! schöne fotos!
    wieso hast du ratten???
    liebe grüße

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    • März 30, 2012 6:38 pm

      Weil ich für einen Hund keine Zeit habe, Katzen draußen überfahren werden würden und Meerschweinchen nicht mag.
      Ratten werden ganz zahm, knuspern, wenn man sie erzieht auch nix an.
      Im Moment sind sie aber grad beleidigt. Wegen der Gastkatze

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  3. März 29, 2012 6:15 pm

    Ich nehme an, das Kopfsteinpflaster wurde verlegt, als es noch keine Rollkoffer gegeben hat. 😉 Aber auch, wenn man sich mit dem Gehen nicht mehr so leicht tut, ist so ein Straßenbelag alles andere als fußfreundlich… Ich bin zwar keine Lindauerin, aber als häufige Bodensee-Besucherin und Zugfahrerin würde ich auch für den Nebenbahnhof auf dem Festland für die Fernzüge plädieren. 😉

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    • März 30, 2012 6:40 pm

      So hatte sich „Das Volk“ auch entschieden, mit etwas über 60%. Weil das aber eigentlich nicht so der Plan der Regierenden (CDU) war, ließen man kurzerhand neu abstimmen. Viele fühlten sich veräppelt. Das Ergebnis gab jetzt der von der CDU präferierten Lösung Recht. Und nun gibt es Stress im Paradies

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  4. März 29, 2012 9:32 pm

    Nennt man das Steinpflaster ‚Kindsköpfe‘?
    Sieht doch sehr ordentlich aus! Hier in der Altstadt haben sie annodazumal die Strassen mit grossen Flusskieseln gepflastert…. DAS rumpelt!
    LG

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    • März 30, 2012 6:42 pm

      Ja, dort wo es all zu holprig war, musste ich aufpassen und konnte nicht fotografieren 😉
      Ja, es gibt Katzenköpfe, Kindsköpfe und noch ein paar andere Begriffe. Kindsköpfe sind die etwas größeren abgerundeten Steine, ziemlich uneben.

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  5. März 31, 2012 11:24 am

    Das mit dem Kopfbahnhof, der die Fernzüge abhält, ist eigentlich mittlerweile Blödsinn. IN Stuttgart übrigens auch.
    Früher, da… da kam der Zug im Bahnhof an, und dann mußte die Lokomotive abgekuppelt werden, eine andere Lokomotive ans andere Ende des Zuges fahren und dort angekuppelt werden, und bis zur Abfahrt des Zuges war die erste Lokomotive eingesperrt. Das Umkuppeln benötigt Zeit, man darf etwa eine Viertelstunde rechnen, und Material, schließlich steht immer eine Lokomotive mehr als nötig am Zug.
    So kann man es in den Pariser Fernbahnhöfen auch teilweise noch beobachten, jedenfalls wenn einer der selten gewordenen Corail oder Teoz einfährt. (Es wird ja immer mehr TGV gefahren; für die gilt dann das folgende, wie für ICE auch.)
    Heute hat man am Ende des Zuges einen Steuerwagen oder je nach ICE-Modell auch eine zweite „Lok“, sinnvollerweise Triebkopf genannt. Der Zug fährt also in den Bahnhof ein, der Lokführer schaltet sein Fahrpult ab, nimmt die Hebel und Schlüssel mit (und auch sein Fahrplanbuch, wenn er noch eins hat) und begibt sich ans andere Ende des Zuges, wo er in den Führerstand einsteigt, den Schlüssel umdreht, die Hebel einsetzt und auf das Abfahrsignal wartet. Je nach Länge des Zuges dauert das drei bis sieben Minuten, und so lange sollte man den Leuten eh zum Ein- und Aussteigen geben.
    Das einzige Problem, das bleibt, ist: die Züge kreuzen sich im Bahnhofsvorfeld. Aber auch das ist weniger nervig als noch vor 50 Jahren, weil die Weichen und Signale nicht mehr Hebel für Hebel von Hand umgestellt werden müssen, bevor der nächste Zug durch darf, sondern elektrisch – innerhalb einer Minute ist eine neue Fahrstraße eingestellt.

    Neue Bahnhöfe als Ersatz für Kopfbahnhöfe, ob nun Heidelberger Modell, Stuttgarter Modell oder Baden-Badener Modell (die hatten das: ein Durchgangsbahnhof in BAD-Oos, und von dort Zubringer nach BAD-Hbf. Mittlerweile fahren im Hbf keine ZÜge mehr, die sind durch Busse ersetzt worden.), sind keine Notwendigkeit, sondern Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Und die Planer vergessen gern, daß der Reisende zwar ein Taxi zum Flughafen nimmt, aber nicht bereit ist, zum Bahnhof genausoweit zu pilgern wie zum FLughafen, zumal wenn ein Bahnhof in der Stadt existiert(e).

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    • März 31, 2012 3:28 pm

      Ich gebe Dir in jedem Punkt Recht. Außerdem gibt es -für mich- noch eine gewisse Reisekultur, und zu der gehören gemütliche Bahnhöfe. Passt nicht ganz in die heutige Zeit, ich weiß. Alle haben’s eilig. Und so ein gläserner Durchfahrbahnhof suggeriert eben Geschwindigkeit. Klutur und Business passen eben nicht zusammen.

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