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Abgesang

März 13, 2012

Der Bäcker meines Vertrauens, mein Klunschbäcker, läutet sein Ende ein. Fürchte ich.

Schon Anfang letzten Jahres beschloss er, sonntags nicht mehr zu öffnen, was mich nicht weiter störte, gehöre ich doch nicht zu den Ausgeschlafenen, die es an einem gewöhnlichen Sonntag Morgen vor 10:00 Uhr aus dem Haus schaffen. Die vielen Ketten, die ringsum ihre Filialen eröffneten (eine sogar direkt via-à-vis), machten das Sonntagsgeschäft kaputt.

Dann, Ende letzten Jahres, kündigte die Bäckersfrau an, dass sie im Januar werktags schon 15:30 Uhr schließen werde. Ich sah harte Zeiten auf mich zukommen, überlebte den Monat aber irgendwie.

Jetzt ist März.

Der Bäcker schließt werktags immer noch 15:30 Uhr.

3 oder 4x habe ich es seit dem Jahreswechsel geschafft, etwas zeitiger nach Hause zu kommen.

Einmal, als ich morgens einen Arzttermin hatte, war ich kurz nach 7 da. Beruhigend zu sehen, dass man um die Zeit noch anstehen muss, während es in den zwei unmittelbar benachbarten Filialen beschaulich zu geht.

Auf meine Frage, ob denn irgendwann wieder damit gerechnet werden dürfe, dass bis 17:00 Uhr geöffnet sei, verneinte die Bäckersfrau. Es lohnt sich nicht. Drei Bäckereiketten in der Nachbarschaft machen das Geschäft ab 15:30 Uhr zu einem sinnlosen Unterfangen. Wenn die Studenten weg seien und die Bauarbeiter.

Und ich?

Ich versuche mich an die Einheitskuchen zu gewöhnen.

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13 Kommentare leave one →
  1. März 13, 2012 9:02 am

    Ich bin in einem Haus grossgeworden, in dem eine Bäckerei war. Wenige verschiedene Brot- und Brötchensorten, tageweise und saisonal wechselndes Angebot – und die Gerüche in der Backstube! – das vergess ich mein Lebtag nicht. Und heute die Kettenbäckereien mir ihren aufgetauten aufgebackenen Multiangeboten? Da trauere ich jedem Bäcker nach, der seinen Laden aus Rentabilitäts- oder Altersgründen schliesst.
    Zum Glück gibts hier noch etliche Bäckereien alten Stils 🙂

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  2. März 13, 2012 12:04 pm

    Ich drück die Daumen, dass er dir noch lange erhalten bleibt. Vielleicht musst du mehr Reklame machen. Mein Torten-Bäcker in Hamburg heißt Salü und die backen sensationelle Rosinenbrötchen, die riesig sind. Aber das nur anbei.

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  3. Brigitte permalink
    März 13, 2012 12:51 pm

    Denk mal, als ich „klein“ war, brachte der Bäcker die Brötchen sogar noch wochentags ins Haus! Ohne Aufpreis! (Das meine Mama uns verwöhnte und wir „Frühstück ans Bett“bekamen, steht auf einem anderen Papier. Auch das ich bis zu meiner Eheschliessung der festen Meinung war, dass ein MANN IMMER das Frühstück macht….seufz!)
    Und ist dir auch aufgefallen, dass die Brötchensorten bei allen Bäckern gleich heissen neuerdings? Das Körnerbrötchen „Weltmeister“ wird Ketten-übergreifend angeboten. Genau wie die „Rosenbrötchen“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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  4. März 13, 2012 1:55 pm

    Genau diese Probleme hatte einer unserer Freunde in Deutschland: zuerst schlossen seine Lieferanten, nämlich die kleinen privaten Mehl-Mühlen, die dem Preisdumping der Konzerne nicht mehr stand halten konnten und auch keine Lieferanten mehr fanden, weil die Kooperativen langfristige Verträge mit ihnen hatten, dann wurde er buchstäblich von Grossbäckereien umzingelt, die ihn wiederum preislich aushebelten.
    Aber las ich nicht kürzlich von Grossbäckern, die aus hygienischen Gründen ihre Bachfabriken zusperren mussten?
    Traurig!

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  5. März 13, 2012 5:11 pm

    Es ist einfach schade. Durch diese vielen Ketten gehen traditionelle Bäckereien kaputt. Ich kannte mal einen sehr guten Dönerladen, der auf Grund des Konkurenzdruckes dicht gemacht hat. Trotz dem wir Werbung für ihn in Briefkästen verteilten und Vieles versuchten. Jetzt ist da wieder ein anderer Imbiss drin. Kein unmittelbarer Vergleich, ich weiß…

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  6. März 13, 2012 6:12 pm

    Mein persönliches Problem ist ja, dass mir das Zeug aus den Ketten nicht schmeckt. Auch nicht bei jedem „kleinen“ Bäcker hat’s mir geschmeckt. Nur, heute habe ich ja diese Auswahl nicht mehr. Das Problem ist, dass durch die Ketten die Vielfalt verloren geht. Dabei ist es nicht mal der Preis. Die Ketten sind nämlich allesamt teurer als die „Klunschbäcker“

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    • März 13, 2012 6:24 pm

      Bei dir geht durch die Ketten die Vielfalt verloren. Hier bei uns wars genau umgekehrt – plötzlich gabs die unmöglichsten Brötchen- und Brot“kreationen“ bei den Kettenaufbackern. Das meinten die richtigen Bäcker dann nachmachen zu müssen (angestachelt durch nichtsnutzige Innungsdeppen). Von allem gabs dann irgendwann jeweils nur 5 oder 6 Stück je Sorte. Kamst du um 10 nach 8 in der Früh und wolltest z.B. drei Mohnbrötchen, waren die weg. „Die sollten Sie vorbestellen“, ein Hinweis, den ich nicht mehr hören kann. „Probieren Sie doch stattdessen mal mal unsere neuen Kanadischen Bärenjägerknoten“ – kann ich auch nicht mehr hören.
      Wasserweck, Milchweck, Roggenbrot, Weissbrot und hie und da was Süsseres – was braucht der Mensch denn mehr als Grundnahrungsmittel?

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      • März 13, 2012 6:34 pm

        Nein, Herr Ärmel, mit Vielfalt meine ich doch nicht die innerhalb einer Bäckerei oder eines Backwarenladens. Steht doch so im verlinkten Artikel, wo ich meinen Klunschbäcker ausführlich beschrieben habe.
        Mit Vielfalt meine ich, dass jeder „private“ Bäcker nach eigenen Rezepten bäckt. Überall schmecken die Brötchen also etwas anders und das Brot. Und der Kuchen. Deswegen schrieb ich ja im Kommentar, dass es mir nicht bei JEDEM Privatbäcker geschmeckt hat.
        Die Ketten aber, da schmeckt doch alles gleich. Da rennst Du durch die Stadt und triffst auf die Filialen vier verschiedener Ketten. Wenn die erstmal alle kleinen Bäcker verdrängt haben, gibt es keine Vielfalt mehr

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        • März 13, 2012 8:01 pm

          Oh – – da habe ich wohl was falsch verstanden (werlesen kann, ist klar im Vorteil). Also: ich stimme dir hinsichtlich der Vielfalt zu 😉

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  7. März 13, 2012 10:47 pm

    In der Naumburger Straße gibt es noch einen Bäcker, der so richtig gut backen kann, auch ganz kleine Brote, ideal für Singles. Die Brötchen sind herrlich und nicht so ein Luftgedöns. Hoffentlich bleibt er noch lange, damit ich mich immer mit Backwaren eindecken kann, wenn ich in Leipzig bin.

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    • März 16, 2012 5:13 pm

      Ich weiß noch, wie (1992) mein sächsischer Kommilitone die Marburger Bäckereifachverkäuferin zur Schnecke [sic] gemacht hat: ob sie denn keine ordentlichen Schrippen hätten, er wollte doch keine Luftballons kaufen!
      Seitdem ist es nur schlimmer geworden; wir backen längst selbst. Allerdings nur selten Brötchen.

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  8. März 14, 2012 3:20 am

    Wenn kanadische Bärenjägerknoten schmecken hab ich nichts dagegen 🙂
    Den Niedergang der kleinen Bäckereien hab ich auch schon betrauert, hier in der Umgebung gibt es noch einen einzigen und da taugen die Brötchen nichts, der Rest ist Kette. Dat Backhus, Hansebäcker, Schanzenbäcker, Allwörden, Stadtbäckerei und noch ein paar, die das Stadtgebiet fast komplett beherrschen. Und alle haben sie Ofenfrische, Knackfrische, Backfrische, Tagesfrische, mehr oder weniger gut, das ganze in den Filialen fertig gebackene Zeug. Hängt mir schnell zum Hals raus, da bin ich doch froh wenn wenigstens die Bärenjägerknoten schmecken *g*
    Meine Bärenjägerknoten sind momentan die Tim Mälzer Brötchen vom Backhus, die sind echt lecker. Kette ist nicht unbedingt schlecht, man muss nur wissen wo man was kaufen kann.
    Durchschnittliche Klunschbäcker gab es schon genug, für richtig gute Klunschbäcker eröffnen sich aber eine Menge Möglichkeiten, davon gibt es hier inzwischen wieder einige, kleine Holzofen- oder Vollkornbäckereien die sich spezialisiert haben und ein kleines, aber sehr feines Programm anbieten. Dummerweise haben die meistens den Nachteil, nicht an der nächsten Straßenecke zu liegen.

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  9. März 16, 2012 9:33 am

    Hier (Stadtteil von Köln, mehr so südlich-östlich, ja genau, da unten) machen sich jetzt schon die Ketten gegenseitig platt. Die eine Kettenbäckerei, die ich ganz okay fand vom Angebot, hat jetzt am Sonntag zu, die zweite (annehmbar) auch, und alles muss zu einer Kette, wo es wirklich nur aufgebackenes Zeug gibt, das ich mir auch Freitag beim R*we holen und selber aufbacken kann…von den Nicht-Ketten ganz zu schweigen.
    Ich back mittlerweile wieder mehr selber, aber ne Lösung ist das auch nicht.
    Aber ich hab ne dunkle Erinnerung an eine Szene, als ich zu Besuch aus ??? (vergessen) an einem Sonntag meinte, ob wir Brötchen holen sollten, und als Amntwort kam: „Ne, die von der Tanke schmeckne nicht.“ Also war das auch nicht immer Usus, mit dem Sonntags geöffnet, oder?
    Laut gedacht: Wombat.
    PS: Ich würds ja sonntags auch bis elf nicht schaffen, aber ich hab hier zwei Leute wohnen, die ab neun in der Wohnung rumkaspern :-))

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