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Die „Perle“ Westsachsen

Februar 19, 2012

oder

„Wenn ich hier wohnen würde, würde ich wegziehen“

So meinte der Freund des großen Kindes, als wir in der Nähe des Bahnhofs nach einer Gaststätte suchten.

Die Stadt ist Zwickau. Waren Sie mal da?

Ich bis zu jenen 90 min nicht. 90 min, die uns eine etwas unglücklich gewählte Zugverbindung bescherte. An einem Samstag Nachmittag.

Nun sind 90 min keine Zeit, die ausreicht, eine Stadt zu erkunden. Und ein später Nachmittag an einem Wochenende wirkt vielleicht zusätzlich deprimierend. Denn, was wir sahen, war die Trostlosigkeit schlecht hin, oder wie es das kleine Kind, Stunden später, immer noch sichtlich erschüttert davon, dass es diese Art Städte hier, in Deutschland, in Sachsen, keine 2 Stunden von L.E. entfernt, gibt, meinte,  „ein Synonym für menschliches Scheitern“.

Die Mädels sind extra in den Zeitungsladen des Bahnhofes gerannt, um sich ein Buch über Zwickau anzusehen. Denn das eine Stadt dermaßen hoffnungslos daherkommt, das konnten wir nicht glauben. Sie fanden in dem Buch tatsächlich ein paar hübsche Fotos. Allesamt vom Marktplatz. Guggelt man nach „Zwickau Bilder“, kommt man zu einem ähnlichen Ergebnis.

Auf anderer Strecke durch Sachsen sind wir durch Kleinstädte gefahren, die ähnlich trostlos wirkten, deren Häuser mich aus glasfreien Fenster wie aus toten Augen anstarrten.

Da hat es den Anschein, als konzentriere sich, abgesehen von besondere Förderung verdienenden kleinstädtischen Stadtkerne und Baudenkmälern u.ä., alles Geld auf L.E. und Dresden. Und andere Städte bezahlen dafür. Und ihre Bewohner.

Den Bahnhof selber fand ich übrigens recht spannend. Das nach Plänen von Otto Falck, dem damaligen Reichsbahn-Oberbaurat, im Bauhausstil gebaute Gebäude wurde 1938 eröffnet. Und auch wenn in den letzten Jahren ein paar bunte Neonreklamen angebracht wurden, erkennt man noch die klaren Linien und Formen. Wer weiß, wie er aussähe, wäre Geld in der Stadt und hätten sich demzufolge McDoof und Co. breit gemacht. Es gibt auch keine Shopping Mall in Zwickaus Bahnhof.

Fotos vom Zwickauer Bahnhof und Umgebung:

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11 Kommentare leave one →
  1. Februar 19, 2012 4:42 pm

    In Zwickau war ich noch nicht, jetzt weiß ich, dass das kein Problem ist.

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  2. Februar 19, 2012 5:11 pm

    Naja, ich kenn Zwickau etwas besser … Es gibt dort wie in allen Städten auch schöne Ecken. Der Bahnhof in seinem jetzigen Aussehen gehört leider nicht dazu. Aber ffüher™ hatte der eine recht gute Mitropa …

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    • Februar 19, 2012 6:18 pm

      Ja, ist klar, dass 90 min zu kurz sind, eine Stadt kennen zu lernen. Nur was man in DER Zeit sieht… Die Mitropa ist leider geschlossen

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      • Februar 19, 2012 6:32 pm

        Ich bin dieses Jahr schon so oft durchgefahren.

        Das Bahnhofsgebäude böte genügend Möglichkeiten auch für eine echte Gastronomie, aber die Bahn wird wohl horrende Pachten verlangen und unmögliche Öffnungszeiten fordern …

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  3. Februar 19, 2012 5:44 pm

    Bei meiner allerersten Fahrt mit einem Reisebus durch Chemnitz bin ich auch recht erschüttert gewesen. Die schönen Ecken dieser Stadt durfte ich dann zum Glück ein paar Monate später kennen lernen.

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  4. Februar 20, 2012 1:22 am

    Es ist schon erschütternd, wenn der Bahnhof spannender ist als der Rest der Stadt. Die schlimmen Ecken sehen dort so aus, wie ich die DDR kennengelernt habe, grau und trostlos, ein halbes Jahr nach Öffnung der Grenzen waren die Wimpel der westdeutschen Eishersteller der einzige bunte Fleck in dem ganzen Grau.
    Sieht man Bilder aus Leipzig oder Dresden kann man sich das kaum vorstellen, auch die Ostseeküste kommt recht schick daher. Sieht man mal vom tiefsten Osten an der polnischen Grenze ab, denken die Wessis wahrscheinlich im Osten ist jetzt überall Hochglanz angesagt.
    Zwickau wäre als Beispiel für den gelungenen „Aufbau Ost“ nicht geeignet, daher verschweigt man das wohl lieber.

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    • Februar 20, 2012 1:27 am

      Nachtrag: Sprachlich besonders gelungen finde ich ja den Hinweis „Nach den Bahnsteigen“. Da kann man nur hoffen, dass auf der anderen Seite des Eingangs „Vor den Bahnsteigen“ steht. 😀

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      • Februar 20, 2012 7:51 am

        😀 Mir gefällt diese Beschriftung auch:D Die scheint aber noch aus den 30er Jahren zu stammen. Was den Bahnhof betrifft, so kann man nur hoffen, sollte mal Geld nach Zwickau fließen oder der Aufschwung ankommen, dass dieses Geld dann tatsächlich der Stadt und den Bewohnern zugute kommt und nicht etwa dazu benutzt wird, ihm, dem Bahnhof, seinen Charakter zu nehmen und in eine Shopping Mall umzuwandeln.

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      • Februar 21, 2012 11:52 am

        Das ist möglicherweise dialektgefärbt… aber den gleichen Gedanken hatte ich auch, und: die Bildunterschrift am anderen Foto müßte m.b.M.n. entsprechend angepaßt werden! 😉

        Die Kneipe war ja wenigstens im Erdgeschoß frisch gestrichn; das läßt eigentlich besseres erwarten. Schade um die Mitropa, die wenigen Gelegenheiten, bei denen ich in Mitropa-Gaststätten essen konnte, haben mir gute Erinnerungen hinterlassen.

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  5. Februar 21, 2012 5:08 pm

    „… Foto müßte m.b.M.n. entsprechend angepaßt“ Du meinst: VOR den Bahnsteigen? *grins*

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  6. Februar 25, 2012 9:00 pm

    Der Bahnhof ist sehr schön, der schreit geradezu nach einer Fotosession. Die anderen Fotos erscheinen immer noch lohnenswerter als eine Reise nach Anklam. Dort bekam ich Ostern vor zwei Jahren wirklich einen leichten Schreck: deprimierend war das…

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