Skip to content

Kiezsterben

Februar 14, 2012

Im November berichtete ich hier von einem Fall von Gentrifizierung, vom Haus in der Windmühlenstraße, in dessen Erdgeschoss  ein Discounter ziehen soll. Dafür wurde den Läden gekündigt, und es ist auch zu befürchten, dass die übrigen Mieter die Wohnungsmieten nach der Sanierung nicht mehr zahlen können. Der begrünte Innenhof soll zumindest teilweise den Parkplätzen für die Kunden des Discounters zum Opfer fallen.

Trotz des Beistandes einiger Stadtpolitiker scheint die Entwicklung nicht aufzuhalten zu sein. Fast unbemerkt von den Bürgern der Stadt vollzieht sich die Wandlung. Es gibt wohl zur Zeit zu viele „Baustellen“ in L.E.  (Karli, Capahaus, Alte Messe, um nur einige zu nennen), so dass den Bewohnern die nötige Unterstützung der Mitbürger fehlt.

Mich führt mein Arbeitsweg an dem Haus vorbei. Und jeden Arbeitstag schaue ich besorgt hinüber und registriere die Veränderungen.

Erst verschwanden die Plakate, die Fahnen und Luftballons, auch die Pappflammen vor der aus DDR-Zeiten stammenden Reklame auf dem Dach.

Dann war der Design- und Kunstladen plötzlich verweist.

Heute nun sah ich, auch das Bestattungsunternehmen ist ausgezogen. Und der Laden daneben auch leer.


Wie lange es wohl dauern wird, bis man auch bei der Kneipe, dem Fahrradladen, Teilauto , Schall und Rauch und den anderen Läden vor leeren Schaufenstern und geschlossenen Türen steht?


Und was ist mit den Wohnungsmietern?

Ihr Auszug vollzieht sich leise,

unbemerkt

Advertisements
7 Kommentare leave one →
  1. Februar 14, 2012 11:28 am

    Viele Veränderungn fallen mir auf in der letzten Zeit. Und die geschehen alle ganz leise, während man sich wochenlang lautstark über einen Bundespräsidenten aufregt. Manchmal fällt mir auf, dass ich auch schon viel zu leise geworden bin.

    Liebe Grüße in meine liebste Lieblingsgroßstadt

    Gefällt mir

  2. Februar 14, 2012 5:51 pm

    Trauriger Anblick.
    (Völklinger Stadtzentrum in den 90ern hätte ich ohne Beitext gesagt…)

    Gefällt mir

  3. Februar 15, 2012 1:39 am

    Das ist alles komplett durchdacht: Wenn da keine Mieter mehr wohnen kann man den grünen Innenhof platt machen, Parkplätze sind für Geschäfte wichtiger. Es sei denn natürlich, man ist einer der Mieter. Überhaupt brauchen wir alle viel mehr Geschäfte, Einkaufszentren am besten, in möglichst kurzem Abstand, modern und schön im Design, architektonische Perlen aus Glas und Stahl.
    Wer braucht schon günstigen Wohnraum und grüne Innenhöfe?
    Sorry, ich kann der ganzen Sache nur noch mit Sarkasmus begegnen, aufzuhalten ist die Entwicklung kaum, hier regiert das Geld, wer nicht genug davon hat fällt hinten über…
    Während ganze Stadtteile der Gentrifizierung zum Opfer fallen frage ich mich immer, wo die Mieter bleiben. Und mich beschleicht der Verdacht, dass auf der anderen Seite neue Ghettos entstehen, unmerklich und langsam, und spätestens wenn wir problematische Banlieus haben wie in Frankreich werden wir es merken.

    Gefällt mir

    • Februar 15, 2012 7:40 am

      Ja und den Bewohneren der Banlieus schenken wir dann „Bildungsgutschein“ im Wert von 50€ oder so pro Jahr, damit sie ihre Kinder ein Viertel Jahr in einen Sportverein schicken können, vorausgesetzt natürlich, sie finden die evtl nötige Azsrüstung wie Klamotten und Schuhe in einer Kleiderspende, oder sie schicken ihr Kind für den Geldwert einmal in die Oper/Konzert/Theater. Obwohl, dafür dürften 50€ nicht reichen…

      Gefällt mir

  4. Februar 15, 2012 1:28 pm

    Immer weniger Menschen leben in den Innenstädten – dafür gibts immer mehr Supermärkte und Shopping-Malls…
    Wo sind all die kleinen Lädchen und Handwerker mit ihren Werkstätten hingekommen, die man hin und wieder braucht und wo man noch ein Schwätzchen halten kann? – Schuster, Schneider, Schlosser, Schreiner…. Ich bin froh, dass ich hier in Podgorica die ersten kleinen Lädchen und Handwerker schon wieder entdeckt habe….

    Gefällt mir

  5. Februar 16, 2012 5:34 pm

    So ähnlich verhält sich das in einem der letzten, originellen Viertel hier in München auch. Mieter/innen und die Inhaber/innen kleiner, pittoresker, zauberhafter Lädchen werden vertrieben, und das Ganze einheitlich steril auf Eigentumswohnungssilos getrimmt…

    Gefällt mir

Trackbacks

  1. Einheitsbrei « Inch's Blog

Meinungen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: