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Paris in fünf Stunden

Februar 3, 2012

Uuaaah! Ich glaub, ich hab heute ganz Paris erlaufen. Meine Füße fühlen sich jedenfalls so an. Dabei war ich doch nur fünf Stunden unterwegs?

Angefangen habe ich in Montmartre, wo ich wohne. Habe oben lästige Chararkterkopfzeichner abgewimmelt und ansonsten das bunte Treiben genossen. Bin durch die Gässchen geschlendert, unzählige Treppen hoch und runter gerannt, und habe  mir natürlich Sacre Coeur von allen Seiten angesehen. Dann bin ich Richtung Seine gelaufen, durch Straßen, die jetzt nicht so angesagt sind bei den Touristen. Aber das wollte ich so. Zwischendurch hatte ich mal das Gefühl, mich verlaufen zu haben und ganz sicher keine Metro mehr zu finden. Als ich dann unvermittelt doch vor einer stand, bin ich dann lieber in den Untergrund abgetaucht und den Rest gefahren. An der Seine lang geschlendert, immer schön in der Sonne. Also nicht, dass es hier warm ist. Aber Sonne tut schon gut. Am Eiffelturm dann ganz lange den anderen Touristen zugesehen, dann zum anderen Seineufer, wo mich die mit der untergehenden Sonne einhergehende Eiseskälte wieder in den Untergrund trieb. Gefühlte Stunden kreuz und quer unter Paris gefahren, bis ich endlich wieder in Montmartre war. Das ist ein hübscher Flecken, wo es sich die Tage bis Montag gut aushalten lässt. Keinen einzigen Supermarkt habe ich gesehen. Dafür wechseln sich Boulangerien und Boucherien und Bars und Restaurants fröhlich ab. Und Waschsalons, in denen sich Obdachlose, ängstlich nach Ordnungshütern oder solchen, die sich dazu berufen fühlen, schielend, aufwärmen. Und Les Fruits natürlich. Und… ich glaube hier gibt es mehr Pharmacien als Apotheken in Leipzig. Und sehr viel Polizei. Also in ganz Paris. Am Eiffelturm sind die sogar mit Maschinenpistolen rum gerannt. Und zwar nicht nur zwei, sondern richtig viele. Beim kreuz und quer unter Paris hin und her fahren, sprang mich einer fast um. In Montmartre kam mir eine vierköpfige Fahrradstaffel vor die Augen. Am Marinemuseum hatten die gar grad Stress. Klang jedenfalls so. Mein Französisch lässt ja sehr zu wünschen übrig. Ist sozusagen total abhanden gekommen. Gut, dass der Pariser sich jetzt auch gern mit seinen Englischkenntnissen brüstet.

Japaner dagegen, ich nehme mal an, dass es Japaner sind, scheinen einen Urangst vor herumschwirrenden Viren zu haben. Die rennen teilweise nämlich auch hier mit Mundschutz rum. Da gibt es sogar Designerstücke. Und da regen wir uns über vermummte und verschleierte Frauen auf. Gegen besonders aufdringliche Roma hilft aber auch der schickste Mundschutz nicht. In der Nähe von Sacre Coeur  bettelten vier Frauen dermaßen zudringlich, dass ich den zwei kleinen Japanerinnen zu Hilfe eilen musste. Asiaten waren übrigens auch die Lieblingsopfer der Charakterkopfmaler. Da musste ich keine Bange haben, angesprochen zu werden, wenn nur immer genug Japaner oder Chinesen in Sichtweise waren.

Ohne Sonne ist es auch hier schweinekalt. Teilweise liegt sogar noch Schnee. Den überwiegenden Teil haben die Pariser aber weg getaut. Mit, so scheint es, Tonnen von Salz. Das liegt nämlich jetzt noch auf der Straße. Und wenn man fünf Stunden da durch getappt ist, hat man das Zeug bis unter die Knie an den Hosen. Ob ich den Parisern die Reinigung in Rechnung stellen kann?

Apropos Rechnung. Wenn ich zurück bin in Germany, muss ich gleich zur Bahn und mir einen Teil des Fahrpreises zurück erstatten lassen.

Weil!

Der Zug, der aus Prag kam, hatte nämlich schon in Leipzig 30 min Verspätung. Hat er aber bis Mannheim wieder aufgeholt, so dass ich trotzdem 2h dort ausharren musste. Übrigens gibt es da tatsächlich einen nächtens geöffneten Mc Doof, aber nur mit Stehtischen. Bäh! Ich musste aber nicht stehen, weil Backwerk  auch schon halb Fünf öffnet, und ich war ja erst Dreiviertel da. Und da gibt es sogar Tische mit Stühlen, gepolsterten Stühlen! Und zum heißen Kakao gibt es da lecker Croissants!

Leider ging es dann gar nicht gut weiter. Wegen eines technischen Defekts fuhr der Zug nach Paris nämlich nur bis Kaiserslautern! Dort saßen wir dann etwas über eine Stunde im Zug rum. Immerhin gab es Freigetränke. Dann sind alle in einen anderen Zug        umgezogen, also Fahrgäste UND Zugpersonal. So kamen wir auf über 2 Stunden Verspätung! Da gibt es ja wohl einen Teil des Fahrpreises zurück, oder?

Da kann ich ja morgen gleich auf die Champs Elysee und das zu erwartende Geld auf den Kopf hauen! Nee Quatsch. Da will ich ja gar nicht hin. Ich weiß noch gar nicht, was ich morgen mache, außer, das ich natürlich ins Stade du France fahre. Ich würde mir ja gern so ein zwei Friedhöfe ansehen. Na, mal sehen.

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8 Kommentare leave one →
  1. Februar 3, 2012 9:05 pm

    Ich war damals auf dem Cimetière du Père-Lachaise. Das ist der mit den ganzen beruehmten Leuten: Jim Morrison, Oscar Wilde, Balzac, Chopin, Bizet, Maria Callas, Edith Piaf ect…

    Ich sag’s mal so: besonders schön ist er nicht. Ich mag alte, dicht bewachsene Friedhöfe; Friedhöfe, die eher Parks als Grabanlage sind. Père-Lachaise ist das nur in wenigen Bereichen, größtenteils erinnert er sehr an die südeuropäischen „Gräberstädte“. Aber das trifft wohl auf die meisten französischen Friedhöfe mehr oder weniger zu, daher kann ich dir auch keinen anderen empfehlen. Wer allerdings Freude an schönen Grabmälern hat, kommt hier voll auf seine Kosten.

    Ich hab aber noch einen Tipp für dich, falls du noch eine Stunde frei hast. Die galerie de paléontologie et d’anatomie comparée* ist für jeden sehenswert, der Skelette und Anatomie mag 😉 Das Museum liegt etwas versteckt im Botanischen Garten und alleine die Architektur ist ein Traum. Die Ausstellungstücke sind vorwiegend große Säuger (Wale!, ein Riesenfaultier), die obligatorischen Missbildungen und verschiedene Echsen / Saurier, aber es ist kein Lernmuseum. Es gibt fast keine Tafeln oder Erklärungen, der eigentliche Reiz besteht aus der Anordnung der Stücke im Raum. Der Gesamteindruck war für mich überwältigend. Irgendein Witzbold hat einen kleinen Drachen mit reingeschmuggelt, nach dem kannst du die Augen offen halten, falls du es dir anschaust.

    *http://en.wikipedia.org/wiki/Galerie_de_pal%C3%A9ontologie_et_d%E2%80%99anatomie_compar%C3%A9e

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  2. Februar 4, 2012 12:35 am

    Erstaunlich, ich hätte nicht gedacht, dass die Charakterkopfmaler bei diesen Temperaturen noch arbeiten, das find ich respektabel. Ich hab meinen noch hier rumstehen, nachdem ich damals mehr von meiner Begleitung als vom Charakterkopfmaler genötigt wurde „Modell“ zu sitzen.
    Stade de France? Nachdem Metallica erst im Mai dort spielt kann es ja nur Rugby sein, ich hab grad mal auf der Webseite geguckt. Ist das etwa der Anlass für die Reise oder nur willkommenes Beiwerk?
    Père-Lachaise musste ich unbedingt mitnehmen, das Grab von Jim Morrison schmücken, was auch notwendig war. Das ist leider sonst relativ schmucklos, aber da gibts ja noch mehr.
    Und die kleinen Straßen ohne Touristen sind meistens ohnehin viel schöner 🙂

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    • Februar 4, 2012 9:57 am

      Du hast es erfasst. Das Rugbyspiel ist der Anlass. Ich schau mir jedes Jahr ein internationales Spiel an. 6 Nations oder autumn tests. Und nachdem ich schon xmal in Edinburgh war und letztes Jahre in London und davor in Cardiff war Paris jetzt einfach mal dran, zumal das Ticket mich nichts gekostet hat. Als Ausrede für mich und vor den anderen, fahre ich immer 4-7 Tage und schaue mir die Stadt noch an 😉
      Gestern Abend war ich noch mal oben auf dem Berg und habe mir den glimmernden Eiffelturm angesehen. Es war beruhigend zu sehen, dass nachts keine Charakterkopfmaler da waren. Dafür wieder viel Polizei. Es hat geschneit, vielleicht war das der Grund? Mir würden ja auch ohne Schnee die Finger einfrieren

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  3. Anja permalink
    Februar 4, 2012 1:34 am

    Ach, Paris *seufz* Damals haben wir im Bois de Bologne gecampt – wir waren noch Studenten. Wir haben die Tour de France Zieleinfahrt miterlebt. Hach, das ist schon 20 Jahre her… Da kram ich doch mal die alten Fotoalben wieder raus ..

    Ich liebe es ebenso, mich durch die Staedte treiben zu lassen. Man entdeckt immer wieder Ueberraschendes, wenn man nicht nur den touristischen Pfaden folgt. Viel Spass!

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  4. Februar 4, 2012 1:13 pm

    Montmartre? auf dem Friedhof liegt Heinrich Heine selig und noch einige grosse Geister mehr, die heute leider fast vergessen sind. Auf dem Montmartre spielt auch Pere Goriot von Balzac— damti könnte ich mich jetzt glatt in einem kleinen lauschigen Bistro (ohne Konservenmusik) bei einem leichten Roten niederlassen…..

    Viel Freude weiterhin…

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  5. Februar 4, 2012 3:03 pm

    paris….bei mir sind es schon über 30 jahre her, und ich habe es in bester erinnerung! damals gab es noch keine aufdringlichen kopfmaler und japaner mit mundschutz. aber die gassen, die seine, sacre ceur hat mir auch so gut gefallen, und von der mona lisa war ich sehr enttäuscht! viel spaß weiter und gutes wetter,
    liebe grüße aus der wärme

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  6. Februar 4, 2012 3:09 pm

    Da bin ich neulich erst mit dem Bus vorbeigefahren, von Gare de l’Est bis Place de Clichy, und zwei Stunden später wieder zurück. So ist es, wenn man dienstlich nach Paris muß.

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  1. Waschstraße statt Pub « Inch's Blog

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