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Stilbruch. Stilbruch?

Januar 9, 2012

Am Eingang zur Innenstadt, also zur Fußgängerzone, die ja mehr und mehr zur autoberuhigten Zone wird, aber egal, ich schweife ab, am Eingang zu Leipzigs Innenstadt mit all seinen Boutiquen, Kaufhäusern und Passagen, hat, gleich neben der Deutschen Bank, dem neuen Rathaus und dem Klingerhaus  ein Woolwarth eröffnet.

Merkurhaus

Das Merkurhaus wurde 1936-37 unter der Federführung des Architekten Sepp Kaiser für C&A gebaut.

Ich weiß beim besten Willen nicht, was da zu DDR-Zeiten drin war, aber nach der Wende zog sogar mal kurz C&A wieder ein. Aber auch die Sportabteilung von Karstadt war da mal untergebracht.

Nun also Woolwarth. Neben dem neuen LVB-Kundenzentrum. Im Keller gesellt sich mit Kik ein weiterer Discounter dazu. (also zu Woolwarth. Die Verkehrsbetriebe sind ganz sicher kein Discounter)

Das große Kind findet das unpassend. Ein bisschen peinlich.

Naja, ganz stilecht ist es ja nicht, da hat sie recht. Wenn sich dem Besucher, wenn er vom Süden Leipzigs Einkaufsmeilen betritt, als erstes Woolwarth bietet. Schließlich könnte das ein bisschen hinwegtäuschen über die Läden, die folgen. Aber da gibt es ja nicht nur Boutiquen mit ohne Preisschildern in den Schaufenstern, sondern auch die ganzen üblichen, bezahlbaren, und austauschbaren Ketten. Jedenfalls außerhalb der Passagen.

Und auch passt so ein Billigkaufhaus vielleicht nicht ganz zum Nachbarn, der Deutschen Bank, die in einem zwischen 1898 und 1901 von dem führenden Vertreter des Leipziger Historismus Arwed Roßbach ursprünglich für die Leipziger Bank erbauten Prachtbau mit Elementen der italienischen Hochrenaissance residiert. Und dem vom selben Architekten zwischen 1887 und 1888 vom Seifensieder Heinrich Louis Klinger in Auftrag gegebenen  Geschäftshaus, das heute einfach nur Klingerhaus heißt.

"Eingang" in die Innenstadt, links hinter dem Merkurhaus das Klingerhaus

Zum Neuen Rathaus schon eher. Also nicht zum ebenfalls im Stil des Historismus vom Leipziger Stadtbaudirektor Hugo Licht 1905 fertiggestellten Bau selbst, sondern eher zu den heutigen Insassen. Die scheinen die Stadt ja auch nach und nach zu verscherbeln. So wie im Fall des erst im April eröffneten Steigenberger Grand Hotel.  Da soll öffentlicher Raum für VIP Parkplätze „entwidmet“ werden, ausgerechnet im Salzgässchen, dass auch für Märkte genutzt wird, mitten in der autoarmen Innenstadt, die früher mal Fußgängerzone war. Vom hier üblichen Umgang mit Baudenkmälern oder der sogenannten Gentrifizierung einiger Stadtviertel schrieb ich ja schon.

Blick von der Schillerstraße auf die Deutsche Bank (links), den Turm des Neuen Rathauses und das Merkurhaus

Aber ich schweife schon wieder ab.

Das kleine Kind und ich finden, mal abgesehen von der Geschäftspolitik der Amerikanischen Einkaufskette,  und all den möglichen Stilbrüchen, Woolwarth und Kik an diesem Standort gar nicht  so schlimm und eigentlich sogar ziemlich praktisch. Da kann man nämlich wunderbar preiswert Strümpfe, Mützen und so Zeugs kaufen. (Ich hab schließlich ein ganzes Jahr Platz geschaffen für neuen Krimskrams) Und das die Boutiquen in den Passagen deswegen Einbußen verzeichnen werden, glauben wir nicht. Da sind wir vor Woolwarth nicht hingegangen und werden es wohl auch in Zukunft nicht tun. Das große Kind übrigens auch nicht.

update: Woolwarth heißt natürlich Woolworth, wie ein aufmerksamer Besucher dieses Blogs ganz richtig im Kommentar anmerkte

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10 Kommentare leave one →
  1. Januar 9, 2012 12:47 pm

    Ich glaub, ich muss ganz dringend mal nach Leipzig fahren. Was hat sich das verändert!

    (Dabei bin ich so oft in der Umgebung.)

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  2. Brigitte permalink
    Januar 9, 2012 12:58 pm

    Tja, an mir würde dieses wunderbare Angebot völlig vorbei gehen. Meine Strümpfe kaufe ich 5er-Pack-weise beim Nachbar vom Gatten (der bei uns „Strumpf-Schlumpf“ heisst) oder trage die Selbstgestrickten. Mützen ziehe ich NIE auf, so dämlich kann man garnicht aussehen, Sweater und Shirts kaufe ich einmal pro Jahr bei Trigema in Büsum…..noch mehr gefällig????? Ich HASSE einkaufen. Von Klamotten. Dagegen kann ich mich stundenlang auf irgendwelchen Märkten herumdrücken.
    Und wenn du mal eine richtig schön verschandelte Innenstadt sehen willst, dann komm doch mal hier bei uns vorbei….was der Krieg nicht kaputt gemacht hat, schaffte der Wiederaufbau und zuletzt ein durchgeknallter Stadtbaurat. Alles vom Feinsten, am tollsten unser „Marktplatz“!

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    • Januar 9, 2012 6:23 pm

      Oh ich habe gerade bei WoolwOrth eine Mütze gekauft. Billig, warm und, naja, es geht. Ich sehe nämlich auch doof mit den Dingern aus, weswegen ich mich weigere, da zu viel Geld zu investieren. Aber so im Wald, oder nachts auf dem Fahrrad, wenns an den Ohren zieht, da setz ich dann auch eine auf.
      Was verschandelte Innenstädte angeht… ich war mal im Ruhrgebiet in diversen Städten zu Dienstreisen. Gut, da sieht man ja nicht all zu viel. Aber WAS ich teilweise gesehen habe, also ja quasi immer nur das Stück zwischen Bahnhof, Hotel und Uni, war schon erschreckend. Da hatten wir hier Glück, dass a) nicht soviel zerbombt wurde und b) dann kein Geld da war, die halbwegs bewohnbaren Häuser abzureisen und durch Neubauten zu ersetzen.

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  3. Walter Schmidt permalink
    Januar 9, 2012 1:01 pm

    Es heißt „WoolwOrth“ und nicht „WoolwArth“, bitteschön!

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    • Januar 9, 2012 6:24 pm

      Äh, stimmt. Ich dachte tatsächlich 20 Jahre lang, die Kette heißt WoolwArth. Wieder was dazu gelernt. 😀

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  4. Januar 9, 2012 11:32 pm

    Für „Leipzig“ kannst du gerne auch irgendeinen anderen beliebigen Städtenamen aus Mitteuropa einsetzen und dein Text bleibt, was „Stilbrüche“ und Stadtbaupolitik betrifft, weiterhin gültig.

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  5. Januar 13, 2012 12:39 am

    Egal ob Woolworth oder ….warth, ich hab in einer dieser Filialen vor 30 Jahren einige Baumwollbettwäsche gekauft für 19,95 die Doppelgarnitur. Diese leben heute noch und ich freue mich immer noch darüber, wenn ich die Betten frisch beziehe. 🙂

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  6. Anne permalink
    Januar 15, 2012 9:51 pm

    Da ich auch Leipzigerin bin, hat es mich ziemlich irritiert auch nicht mehr zu wissen was zu DDR-Zeiten im Merkurhaus war. Das hat mir keine Ruhe gelassen. Aber das www weiß alles:

    1969 wurde im Zuge der 3. Hochschulreform eine neue Handelshochschule in Leipzig gegründet, sie erhielt wiederum das Merkurhaus als Sitz.

    http://www.archiv.uni-leipzig.de/recherche/bestand

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    • Januar 15, 2012 9:58 pm

      Hallo Anne! Danke für die Klärung der Frage und willkommen auf meinem Blog. Darauf, dass da die Handelshochschule drin war, überhaupt eine Schule, wäre ich im Leben nicht gekommen!

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