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Irgendwo in Sachsen

Januar 1, 2012

Am Himmel sehe ich den Zugvögeln nach.

Zugvögel?

Am 1. Januar?

Sie fliegen gen Norden!

Ich frage meine Mitfahrer. Doch, die sehen sie auch.

Es regnet bei frühlinghaften 10°C und wir fahren auf der A14 nach Hause.

Hinter uns liegt die übliche Neujahrsfahrt.

In diesem Jahr haben wir eine Pension an der Kriebsteintalsperre gemietet.

Und als wir uns am Freitag Richtung Kriebetal aufmachten, den 1927 künstlich geschaffenen See zu umrunden, fing es sogar an zu schneien.

Sollte doch noch Winter werden?

Aber der Schnee ging bald in Regen über und als nach 2h die erste Kneipe am Wegesrand lag, trennten sich die Weicheier von den Sportleistungswanderern…

Die Kneipe war sehr hübsch, stand direkt gegenüber eines langsam vor sich hinfallenden ehemals recht großen Vierseithofs. Ein Stück entfernt stand eine Jugendherberge. Gut in Schuss, aber leer. Als der Wirt uns in der behaglichen Backstube von seiner Bäckerei im Ort erzählte, fragte ich mich ernsthaft, wo der sei. Aber er wird wohl nicht so weit weg liegen. (Der Link zur Kneipe lohnt sich und ein Besuch in echt auch!)

Ich zog den Hut vor dem Enthusiasmus des Wirts, der hier versucht, etwas auf die Beine zu stellen. Wir waren die einzigen Gäste und er rechnete auch nicht mit mehr an diesem Tage. Dabei war das Essen lecker, reichlich und preiswert. Aber vielleicht ist mehr los, wenn die Burg geöffnet ist.

Die Dörfer in der Gegend boten das übliche Bild: Man sieht den Häusern und Höfen an, wie die Besitzer ums Überleben kämpfen.

Die, die nicht nur diesen Kampf nicht führen müssen, sondern zudem auch noch irgendwo und irgendwie zu Geld und billigem Bauland gekommen sind,  bauen derweil ihre Villen an den See, natürlich bis zum Ufer sicher eingezäunt, zwischen vor sich hin marodierenden Bungalowsiedlungen, Dauercampingplatzen und Segelschiffclub. Es wäre sicher interessant zu erfahren, wie lange diese ungleiche Nachbarschaft noch existieren mag.

Der Zweckverband bemüht sich um eine Wiederbelebung und Modernisierung des ehemaligen Ferienparadieses.

Doch hat man die Seegrundstücke hinter sich gelassen, kann man selbst am Silvestertag ohne Stress und Lärm besonders entspannt durchs nun sonnige Zschopautal wandern.

(Und hoffen, dass nicht einst der ganze See von Wassergrundstücken gesäumt wird.)

Zwar hört man in der Ferne hie und da einen Böller, aber weder Specht noch Wassergetier lassen sich davon stören.

Über die Felder weht der Geruch verbrannten Laubes, die Sonne lugt hie und da hinter den Wolken hervor und es fühlt sich eher wie April an denn wie 31.12. Es könnte ein guter Tag werden.

Doch leider habe ich mich beim gestrigen Marsch durch den Regen erkältet. Also schleiche ich auf zittrigen Knien zurück ins Quartier und bereite mich schlafend auf die Nacht der Nächte vor.

Die wird dann wie immer lustig. So lustig, dass die Zeit wie im Flug vergeht und ich ordentlich gedopt und doch überraschenderweise bis 3:00 Uhr der Feier beiwohne. Damit habe ich mir den Applaus der Freunde verdient.

Heute morgen sah ich auch nicht schlechter aus als die anderen.

Und vor allem: Ich musste nicht Auto fahren. Stattdessen saß ich im Fond und staunte dem Flug der Gänse Richtung Norden hinterher.

Mehr Fotos: Klick aufs Bild

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8 Kommentare leave one →
  1. Januar 2, 2012 12:05 am

    Die Kneipe war sehr hübsch? Also zählst Du nicht zu den Sportleistungswanderern? Sehr vernünftig, ich bin hübschen Kneipen auch eher zugeneigt als Sport *g*
    Gute Besserung und frohes neues Jahr.

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  2. Januar 2, 2012 1:39 am

    Gute Besserung!

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  3. Januar 2, 2012 7:09 pm

    Lieber Zaphod!
    Man sollte, wenn man irgendwo hin reist, auch einen Blick für die lokalen Sehenswürdigkeiten haben. Nix ist schlimmer als Menschen, die in entfernteste Länder fahren, und den Daheimgebliebenen nur von Kletterfelsen, Rad- und Wanderwegen erzählen können und deren Kontakte zur örtlichen Bevölkerung sich auf das Hotel, Zeltplatz- oder ähnliches Personal beziehen.(Ganz häufig beobachte ich das übrigens bei Menschen, die vor 30 Jahren nix hätten erzählen können von Wanderwegen, sich nicht mal an irgendwelches Personal hätten erinnern können, dafür aber jede, wirklich jede Kneipe kannten)
    Ich lege IMMER Wert auf Ausgeglichenheit. Auch im Urlaub: Kultur UND Bewegung!:D Und natürlich gehört zur Kultur auch die Verkostung regionaler Köstlichkeiten, auch wenn die Region nur 80 km entfernt liegt…
    Danke für die Wünsche und die Genesungswünsche, auch Dir Herr Ärmel.
    Die kann ich brauchen. Und alle positive Energie, die Ihr erübrigen könnt. Oder so

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    • Januar 3, 2012 5:13 pm

      Oh ja, da kann ich nur beipflichten. Ich erinnere mich dabei an schrecklichste Ansichtskarten mit dem Standardtext: Hotel gut, Essen super, Wetter großartig! Da hat man doch wirklich was erlebt.
      Daher bin ich auch absolut kein Freund von Pauschalurlaub, auch wenn so etwas mal ganz erholsam sein kann, ich muss unter Menschen und muss mir die Gegend ansehen, sonst taugt der ganze Urlaub nix..

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  4. Januar 2, 2012 8:31 pm

    Es gibt so tolle Kneipen, engagierte Wirte – auch in meiner „Ecke“, gleich hinter (oder vor?) Leipzig. Gut, wenn du darüber schreibst.
    Und nun werde mal ganz schnell wieder gesund.

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  5. Januar 9, 2012 6:15 pm

    Ich weiß ja nicht … aber von den «marodierenden Bungalowsiedlungen» würde ich als vorsichtiger Mensch mich ganz sicher fernhalten.

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