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Copy and Paste

November 30, 2011

Heute beginnt der Biathlon Weltcup in Östersund.

Als ich am Wochenende meine wichtigen Unterlagen auf der Suche nach der Steuer-Ident-Nummer des kleinen Kindes  durchforstete, fand ich in irgendeiner Kiste eine Weihnachtskarte, die mir Freunde vor Jahren aus Östersund schickten.

Ich wollte damals selbst in Östersund sein, war aber finanziell verhindert.

Da fand ich es nett, dass ein paar Leute mich vermissten. Von denen, die mir da Weihnachtsgrüße aus Schweden schickten, habe ich heute nur noch zu einem Kontakt. Ich war einfach zu lange bei keinem Weltcup mehr, da verliert man sich schnell aus den Augen. Einige sind ja auch gar nicht mehr aktiv. Und der Weltcup ist ein Rummel geworden. Da fühle ich mich nicht mehr wohl.

Gerade habe ich in einem Fanforum die Frage diskutiert, warum alle die Englische Schreibweise der Russischen Namen übernehmen, die dann oft dazu führt, dass man – aus Unwissenheit –  die Namen vollkommen falsch ausspricht.

Dabei bietet die Deutsche Benutzung des Alphabets fast bessere Möglichkeiten, Russische Namen so zu übersetzen, dass sie dem Original ziemlich nahe kommen.

Aber –  copy and paste ist einfach bequemer. Offensichtlich auch für Sportjournalisten und die, die sich dafür halten.

Und warum soll man sich in einem Land, in dem man im Backshop Brot kauft und am Service Point Auskunft über Zugverspätungen erhält, die Mühe machen, Kyrillische Namen ins Deutsche zu übersetzen?

Auch wenn es auf die Weise hier und da mal zu hahnebüchenem Unsinn werden kann. Passiert ja, wie der Backshop beweist , durchaus auch mal bei dem zwanghaften Englisch-ist-chic-Wahn.

Der extremste Fall, der mir bekannt ist, ist der des Radprofis Sioutsiou. Ein Chinese glauben Sie? Dachte ich auch, als ich es zum ersten Mal las. Es hat ne Weile gedauert, bis ich dahinter gekommen bin: Der Mann hieß Schiwtzow.

Was nun besagtes Forum angeht, so könnte es mir ja piep egal sein, wie die Fans dort die Namen schreiben. Ist es mir eigentlich auch. Und woher soll der nicht Russisch sprechende Fan auch wissen, wie die Namen in Deutsch geschrieben würden. Nur wurde ich dort aufgefordert, doch die „richtige Schreibweise zu verwenden“, was mich, zugegebenermaßen, ein bisschen auf die Palme brachte.

In diesem Sinne, gehe ich mal meinen Yevgeniy Yevtushenko lesen. Oder doch Evgeny?  Eugene? …

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10 Kommentare leave one →
  1. November 30, 2011 7:29 pm

    Ja, da sagst du was. Die englische Schreibweise fuer russische Namen ist und bleibt grausam.

    Fyodor Dostoyevsky? Aaargh, das tut im Augapfel weh!

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  2. Exilbayerin permalink
    November 30, 2011 8:39 pm

    Da ich des Russischen leider nicht mächtig bin, die Problematik aber wirklich SEHR gut verstehen kann, wollte ich mal kurz fragen, wie Dostoyevsky oder z.B. Potemkin (man spricht ihn Patjomkin, oder?) passender im Deutschen geschrieben werden würden. Mit Ski- oder Radfahrern kenne ich mich leider ü.ber.haupt nicht aus 😕 , daher die genannten Namen.

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    • November 30, 2011 9:16 pm

      Du hast Recht, man spricht es Patjomkin. Geschrieben wirds aber Potjomkin. (Das Russische O wird je nach Betonung a oder o gesprochen, deshalb wird es im Deutschen immer als o geschrieben) Und der andere Herr ist Dostojewski

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  3. Stephie permalink
    November 30, 2011 10:04 pm

    Das ist ja mal ein cooler Fund. Ich habe die Karte von der Inch-Family aus Pokljuka noch im Büro 🙂

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    • Dezember 1, 2011 5:00 pm

      😀 Die aus Östersund steht jetzt auch auf dem Schreibtisch. Passt ja schließlich auch grad… Und im Übrigen denke ich grad ganz heftig über Nove Mesto nach. Lust???

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  4. Dezember 3, 2011 8:30 pm

    Die Franzosen nennen Herrn Dostoïevski mit Vornamen gern mal Fédor oder Théodore – Vornamen werden eingefranzost, wie auch Jean Sébastien Bach, nicht aber Johann Strauss, erdulden müssen.
    Und les correcteurs du Monde, die Rechtschreibkorrektoren einer der größten nationalen Tageszeitungen, machten sich jetzt Gedanken über die richtige Schreibweise des griechischen Ministerpräsidenten, ob mit i oder e (der griechische Buchstabe ist ein eta, das aber längst nicht mehr als langes e, sondern als langes i gesprochen wird, wie in Irini statt Eirehneh.
    Dafür hat niemand danach gefragt, daß der russische Oberboris Jeltzin hieß, mit J-Laut am Anfang, und nicht „Eltsine“ (das End-e, damit keiner auf die Idee kommt, da einen Nasal zu sprechen).

    Dämlich, irgendwie.

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    • Dezember 4, 2011 4:32 pm

      Die Franzosen sind ja auch „Schuld“, dass hierzulande alle Tolstòi sagen, also die zweite Silbe betonen, statt Tòlstoi. 😀

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      • Dezember 6, 2011 8:33 pm

        Das hab ich noch nie gehört – was daran liegen mag, daß meine Lehrer die großen Russen nicht so schätzten und meine Mutter weiß, wie man das richtig ausspricht.
        Oder ich habe es vergessen… oder hinter den allerrudimentärsten Russischkenntnissen versteckt, die sich heute auf „ich höre Musik“, „was machst du?“ und „ich kann kein Russisch sprechen“ beschränken. Zumindest letzteres sage ich aber wohl zu gut, als daß ein Ukrainer es mir geglaubt hätte…

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  5. Dezember 7, 2011 7:52 am

    Ich hab da extra ein noch mal nachgefragt, als ich mich mit ein paar Russen über Tolstoi unterhielt. Aber die wissen auch, dass wir alle Tolstòi sagen :D. Zumindest Alexej hat ja lange in Frankreich gelebt.

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