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Unerwartetes Wiedersehen

November 28, 2011

Als ich letztens Richtung Stadion fuhr, glaubte ich, eine Erscheinung zu haben. Durch die fast  kahlen Blätter sah ich hinter dem IAT einen „alten Bekannten“. Das Bronzerelief „Karl Marx und das revolutionäre, weltverändernde Wesen seiner Lehre“. Ja, so ist der Titel des 1974 von Rolf Kurth, Klaus Schwabe und Frank Ruddigkeit geschaffenen 14,40 x 6 x 3m messende Bildnis, dass 33 Jahre den Karl-Marx-Platz, wie der Augustusplatz früher hieß, „zierte“.

Mir kommt es vor, als wäre es schon vor Ewigkeiten „verschwunden“. Tatsächlich wurde es aber 2006 abmontiert. Der Campus sollte erneuert werden, und an der Stelle, wo früher das Marx-Relief über den Platz wachte,   erinnert die neue Fassade in ihrer Form an eine Kirche. Denn die, die Universitätskirche, stand da vor Charlie. (So könnte der Augustusplatz als Lehrbeispiel herhalten für Ideologien und ihre Leitbilder)

Jedenfalls wurde Charlie zersägt und eingemottet. Ich hab mich manchmal gefragt, was wohl aus ihm geworden ist. Es hieß, man habe ihn eingeschmolzen.

Aber nein, da steht er. Auf dem Campus der früheren DHFK, die heute sportwissenschaftliche Fakultät heißt.  Eine Gedenktafel erinnert an die Rolle der Universität Leipzig in der DDR, die Sprengung der Kirche.

Ich freue mich, das so ein wichtiges Zeitzeugnis erhalten geblieben ist. Gerade weit genug weg, dass es den Touristen nicht misslig ins Auge fällt und doch nah genug, dass es jeder, der an der Geschichte Deutschlands interessiert ist, in wenigen Gehminuten vom Zentrum aus erreichen kann.

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4 Kommentare leave one →
  1. November 28, 2011 4:11 pm

    Ich hatte letzthin das Vergnügen, den „intimen Briefwechsel“ – also den lange Zeit nicht öffentlich zugänglichen Teil des Briefwechsels zwischen Marx & Engels zu hören. Gelesen wurde er von Harry Rowohlt (Marx), Gregor Gysi (Engels) und moderiert wurde die Lesung von Frau Thalbach. – Marx sah sich als gesellschaftskritischer Historiker; zum Freund der Arbeiter, der er zeitlebens nie war (im Gegenteil), wurde er aus ideologischen Gründen bereits im 19. Jahrhundert gemacht.

    Das Hörbuch ist sehr vergnüglich und deshalb sehr empfehlenswert.

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    • November 28, 2011 10:47 pm

      Das klingt gut! Danke für den Tipp.
      In einer Fernsehdoku, ich gebe zu, die war nicht besonders anspruchsvoll und vermittelte auch nichts, was ich und das kleine Kind nicht schon gewusst hätten. Bis auf zwei Dinge: Eins davon war, dass Karl Marx lieber nicht die von ihm beschriebene Weltrevolution erleben wollte. Wenn das passiert, soll er zu seiner Frau gesagt haben, müssen wir von hier verschwinden.
      Vielleicht würde es sich mal lohnen, sein Werk ohne die ideologischen Verbiegungen und Verrenkungen, die es später erfahren hat, zu betrachten.
      Ja, ich glaube, ich setz das Hörbuch auf meine Weihnachtswunschliste 😀

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  2. November 28, 2011 11:41 pm

    das denke ich auch manchmal: man müsste seine Überlegungen und Theorien mal lesen können ohne das, was später daraus gemacht worden ist…

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  3. November 29, 2011 12:10 am

    So ist es ja immer, wenn jemand zum Heilsbringer erhoben wird. Die Vertreter der Heilsbringer versagen meistens kläglich, war ja schon bei JC der Fall.
    Find ich aber gut, dass man das nicht eingeschmolzen hat, für Josef, Walter, Erich, Nicolae und die ganzen anderen Banausen konnte Charlie ja nichts. Außerdem ist der Mann ein Teil der deutschen Geschichte, als dunklen Fleck sehe ich ihn da nicht.

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