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Soft Skills

November 15, 2011

„Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken“, hat ein ehemaliger Chef mal zu mir gesagt, „Organisation gehört ganz eindeutig dazu, deshalb sind sie da und da am besten aufgehoben“

Na, wenn der wüsste! Er hätte mich nur mal heute begleiten sollen.

Weil ich nämlich so ein unglaubliches Organisationsgenie bin, habe ich es geschafft, dass ich dienstags zwei Sportkurse besuche. Der eine findet am frühen Morgen statt, der andere am mittleren Nachmittag. Das führt grundsätzlich dazu, dass ich dienstags nur 6 Stunden auf Arbeit bin, ich also einen anderen Tag 10, oder zwei andere Tage 9 Stunden abreißen muss.

Und praktisch sieht das dann so aus:

Am morgen bin ich noch entspannt, weil ich später los muss, als gewöhnlich. Dann versuche ich auf dem Weg durch den Park die richtige Balance zu finden zwischen Nicht-vom-Fahrtwind-schockgefroren-werden und so-schnell-fahren,- dass-mir-warm-genug-wird,- dass-mich-die-normale-Kälte-nicht-vom-Rad-haut. Nebenbei wundere ich mich über einzelne, um diese Zeit im Park spazierende Herren…

Eigentlich könnte ich dann eine Stunde im Wasser rumplanschen, weil ich aber dienstags  aufstrebenden jungen Wissenschaftlern mein unsagbar reichhaltiges Wissen vermitteln muss, (ich habe den Dienstag und die Uhrzeit selber als Termin festgelegt, organisatorisch veranlagt wie ich bin), stürze ich schon nach 45 Minuten zu den Duschen und Umkleiden, in meine Sachen und aufs Fahrrad. Durch den Nebel rase ich vom Westen der Stadt in den Südosten. Mit der Kälte habe ich hierbei keine Probleme. Im Gegenteil. Mir wird so warm, dass ich schließlich schweißgebadet vor der zukünftigen Elite des Landes stehe.

Zweieinhalb Stunden später sitze ich wieder auf dem Rad und fahre ins Büro. Dort türmt sich die Arbeit, schließlich war ich letzte Woche krank. Zum Glück habe ich die Aufgaben schon gestern eingeteilt in die, die sofort erledigt werden müssen, die, die wichtig sind und die, die warten können. In mein Emailfach möchte ich am liebsten gar nicht gucken. Mittagessen fällt natürlich aus.

So gegen 2 denke ich mal, dass ich es wohl nicht schaffen werde. Aber dann sitze ich anderthalb Stunden später doch auf dem Rad Richtung nachmittäglichem Sportkurs. Noch schnell beim Rewe halten, weil ich habe heute Morgen vergessen, was zu trinken einzupacken.

Tja, und das war‘s dann. Morgen ist in Sachsen Feiertag. Und wenn Feiertag ist, kaufen die Leute nun mal ein, als würden die Läden die nächsten zwei Wochen schließen, einschließlich Spätis und Tanken.

Die tutteligen Omas hatten natürlich auch keine Zeit, ihre Einkäufe am Vormittag zu erledigen. Und an der Kasse so ein Typ „Ich lasse mir meine gute Laune durch nichts verderben“. Während er jeden, aber auch jeden fragt: „ Hätten Sie vielleicht noch zwei Cent?“ oder „1,83€ hätten Sie wohl nicht passend?“ und die tutteligen Omas in ihren Portemonnaies rumstochern, denke ich mir 87 Todesarten für ihn aus.  Dann, wenn er das Kleingeld hat, hält er sich die Hand mit demselben ungefähr 5cm vor die Augen und versucht angestrengt, es durch seine dicken Brillengläser zu erkennen. Schmerzhaft! Ein schmerzhafter Tod muss es sein!

„Oh, Du hast wohl Stress?“ ruft er einer Kollegin zu, beugt sich aus dem Sitz hinter seiner Kasse und gewährt seinen Kunden auf die Art eine kleine Verschnaufpause.

Und langsam! Ein langsamer Tod muss es sein!

Als er endlich mich mit einem fröhlichen „Guten Tag“ begrüßt, weiß ich, das wird heute nix mehr mit dem nachmittäglichen Sportkurs. „Hätten Sie es vielleicht passend?“

„Nein!“

Finster dreinschauend reiche ich ihm einen 50€-Schein.

Strafe muss sein.

Jawoll!

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7 Kommentare leave one →
  1. November 15, 2011 7:59 pm

    *kicher*

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  2. November 15, 2011 10:23 pm

    Tuttelige Omas stehen IMMER an der Kasse, wenn man nur mal schnell eine Kleinigkeit besorgen muss, das ist vollkommen unabhängig von der Tageszeit, hab ich festgestellt. Denn die treffe ich auch Vormittags zur Genüge, wenn ich 10 Minuten später in der Firma sein müsste. Irgendwen triffts halt immer 🙂
    Aber irgendwann werden wir alle selber tuttelige Omas und Opas sein, mal gucken, wann wir dann einkaufen gehen und wie schnell es noch geht. Wenn man dazu auch noch auf einen tutteligen Kassierer trifft, besser mal umdrehen. Nicht, dass ausgerechnet dann jemand seine ausgedachten Todesarten in die Tat umsetzen will *g*
    Bei der stetigen Überalterung der Republik sollte man vielleicht über die Einführung spezieller Rentnerkassen nachdenken, damit der Rest noch rechtzeitig zur Arbeit kommt.

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    • November 15, 2011 10:45 pm

      Ja aber bis ich gaaanz alt bin, habe ich ja noch Zeit, an meinem Schlüsselqualifikationen, wie zB. Zeitmanagement, zu arbeiten…

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  3. November 16, 2011 2:15 am

    Erinnert mich an meine Berufszeit. Wenn ich nach Büroschluss noch schnell zum Einkaufen wollte, trödelten allzu oft die Vollzeit-Hausfrauen an der Kasse – auf dem Heimweg vom Kaffeekränzchen mit den liebsten Freundinnen!
    grrrrr….

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  4. November 16, 2011 3:12 pm

    Dein Gesicht kann ich mir jetzt gut vorstellen und deinen Frust auch, aber gut beschrieben hast du alles. Und nun sitze ich hier mit breitem Grinsen.
    Wie war das? „Wat den Eenen sin Uhl‘, …“

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  5. November 16, 2011 8:43 pm

    Meine Laune hat das jetzt aber massiv verbessert!! 🙂

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    • November 16, 2011 8:51 pm

      Meine aus meiner Desorganisation resultierende schlechte Laune trägt zur Steigerung Deiner guten bei? *Grübel*

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