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Kein Bock auf Lok

November 13, 2011

„Du bist ja gar nicht in Schwarz?“, mein Vater formuliert diesen Aussagesatz als Frage.

Wir stehen im Sportpark Dölitz und um uns rum sind (fast) alle Zuschauer schwarz gekleidet. Nun kennt mich mein Vater schon ein paar Jahrzehnte und sollte wissen, dass ich mich grundsätzlich nicht an Trends orientiere und auch durch Connewitz bunt renne (na gut, bunt meint hier eine Kombi aus grün, braun und schwarz, mit einem roten Tupfer hie und da).

Dabei trägt mein Vater rot. Dazu hat ihn meine Mutter „gezwungen“. Wenn er zum Roten Stern geht, müsse er schwarz oder rot tragen, meinte sie.

Ich bin auch nicht so ganz neben der Spur. Die Jungs spielen nämlich heute in grün- weiß. Und ich trage die grüne Gore Tex. Also.

Heute in Grün-Weiß

Heute in Grün-Weiß

Ob die heute in den Chemiefarben spielen, weil es gegen die 2. von Lok geht, weiß ich nicht, wäre ihnen aber durchaus zuzutrauen. So aus Solidarität.

Ich verstehe ja immer noch nicht, wieso man Fußballvereine, die sich in ihren Statuten nicht ausdrücklich gegen Rechtsradikalismus, Rassismus, Homophobie und dergleichen verwehren und wo diese Regeln von den Fans auch mitgetragen werden, in links und rechts einteilt. Genannte Auswüchse finden sich leider in allen Fußballstadien, außer in diesen wenigen besonderen Vereinen, und man wird das bestimmt nicht aus den Stadien verbannen können, indem man einerseits die Fans  bestimmter Mannschaften pauschal verdammt und als rechts beschimpft und andererseits bei den Fans anderer Teams die Augen vor der Realität verschließt und sie als links bezeichnet.

Chemie z.B., ich erwähnte es früher schon Mal, von deren Fans ich in den 70ern den ersten rassistischen Spruch bewusst wahr genommen habe („Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“), galt plötzlich als links. Lok dagegen, wo die Ultras, nachdem sie darauf bestanden haben, seltsam weit vom restlichen Publikum entfernt in der Nordkurve sitzen und sich die Fans auf Tribüne und Gegengerade seitdem darüber lustig machen, dass die Ultras seitdem niemand mehr hört, gilt als rechts. Ich will hier die Ultras nicht verharmlosen. Keinesfalls. Aber niemand hilft dem fußballinteressierten Lokscher, diesen braunen Mob loszuwerden, wenn er ihn pauschal als rechts verunglimpft.

Sachsen Leipzig, wie Chemie ne ganze Weile offiziell hieß, gibt es ja nicht mehr. Der Verein hat sich geteilt. In  Chemie und die SG Leutzsch. Die Fans mussten sich auch teilen. Chemie ist links. Klar. Die SG Leutzsch rechts. Beim Pokalspiel SGLL gegen den RSL kam es zu Ausschreitungen. Ich verlinke mal bewusst den LVZ-Artikel (weil man diese Zeitung wahrlich nicht als links orientiert einstufen kann).

Die Leutzscher Fans ließen keinen Zweifel an ihrer rechtsradikalen Gesinnung.

Nur, frage ich, wo waren die denn, als das noch EINE Mannschaft war, die samt ihren Fans als Freunde bezeichnet wurden? Geflissentlich übersehen?

Aber gut. Ich bin zum Fußball hier.

Bis 30 min vor Spielbeginn war ich ja noch unschlüssig, wollte gar nicht hingehen.

Das letzte Spiel, dass ich zwischen den beiden Teams, also Lok II und den Sternen, gesehen habe, war das Stadtpokalfinale 2008. Und damals waren ein paar Chemifans gekommen, um ihrem Hass auf den Erzrivalen Lok verbal freien Lauf zu lassen. (Wohlgemerkt: Auch damals spielte der RSL gegen die 2. Mannschaft).

Auf den Chemie-Lok-Klinch hatte ich gestern echt keinen Bock.

Dann habe ich mich aber doch kurz vor Spielanpfiff aufs Rad geschwungen und es grad noch geschafft, mit meinem Glühwein rechtzeitig am Spielfeldrand zu stehen.

Die Sterne sollten die Jungs vom Rugbyclub Leipzig mal fragen, was die in ihren Tee tun. Oder meinetwegen auch, welche Sorte Bier die trinken.  Die führen nämlich die Tabelle der RL Nordost. Ok, gestern haben sie in Berlin verloren, aber das ist irgendwie auch beruhigend, nachdem sie vorher jedes Spiel gewonnen haben. Ich meine, die letzte Saison beendeten sie als Vorletzte!

Im Gegensatz zu dieser fast makellosen Siegserie der sich um den eierförmigen Ball kabbelnden Kollegen  legten die Sterne bis jetzt eine fast makellose Niederlagenserie hin.

Bäh. Das macht keinen Spaß.

Und auch gestern ging es wieder so los. Lok II dominierte die 1. Halbzeit und die Sterne konnten sich glücklich schätzen, mit nur einem 0:1 in die Pause zu gehen. Dann aber drehten die Gastgeber auf, waren in der 2. Halbzeit sogar überlegen. Die Gäste mussten so ab ca 55. min sogar mit einem Mann weniger spielen.  Nur. Leider fiel kein Tor mehr. Aber immerhin, wenn die Sterne diese Moral in die nächsten Spiele mitnehmen können, geht vielleicht noch mal was.

Pöbelnde Chemiefans waren übrigens keine da. Entweder sind die jetzt alle bei der SG Leipzig Leutzsch, oder denen war zu kalt.

Und kalt war‘s wirklich.  Da half kein Glühwein nicht.

…….

Hier übrigens ein ganz netter Bericht zur Fan- und Esskultur beim RSL

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4 Kommentare leave one →
  1. November 13, 2011 12:16 pm

    *ächz*

    Fußball!

    *stöhn*

    Nicht meins …

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    • November 13, 2011 3:34 pm

      Na, wie ich am 17.10. schon schrieb: „Jetzt tendiere ich ja eher zum Rugby, und zum Roten Stern gehe ich mehr so wegen des Lokalkolorits. Und aus Spaß. Und weil das ja immer ein bissl wie ein Familientreffen ist.“
      Gestern waren so um die 450 Familienmitglieder da

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  2. November 13, 2011 3:44 pm

    Bei unseren Familientreffen sind es regelmäßig 25.000, auch da lässt sich nicht vollständig verhindern, dass ein kleiner Prozentsatz an rassistischen/sexistischen/homophoben Idioten dabei ist (Rechtsradikale eher nicht, aber vollständig ausschließen möchte ich das nicht), doch wir arbeiten laufend daran das weiter einzuschränken. Man kann den Leuten nicht in den Kopf gucken, aber aufs Maul schauen, und wer sich entsprechend verhält darf das Stadion gerne verlassen und nicht wiederkommen. Kein Fußball für Nazis!

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    • November 13, 2011 11:19 pm

      Ja, diese Idioten sind ein Problem in allen Fußballstadien. Deshalb gehe ich ja auch nicht mehr hin und halte mich seit Jahren nur noch an Rugby (in großen Stadien). Beim RSL ist alles überschaubar, jeder kennt jeden, da passen die Leute noch auf, dass sich alle benehmen. Wenn ich an das Spiel vor drei Jahren erinnere, da haben die RSL-Anhänger die Chemiefans aufgefordert, fair zu bleiben. Das ist bei mehreren Tausend sicher schwieriger. Deshalb ist es auch Sache der Vereinsleitung, solche Stimmen nicht zu tolerieren. Aber wenn ich mir so ansehe, wie sowas immer verharmlost wird, oder verschwiegen. Da muss man nur das angesprochene Pokalspiel gegen die SGLL denken. Der Herr Schiedsrichter hat keine rechtsradikalen oder sonstige diffamierenden Sprüche gehört… und damit hat sich die Sache für den DFB erledigt. Naja, und die SG selber hat so, wie sie aufgestellt ist, sowieso kein Interesse an Aufklärung.

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