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Familienbande

November 1, 2011

Wie ich schon ab und zu anklingen ließ, habe ich eine große Familie.

Nein, ich habe keine 7 Brüder. Ich habe nur einen. Dafür viele Cousins und Cousinen. Und weil die Familie immer etwas clanartiges hatte, sind wir viel zusammen gewesen. Jedenfalls wir 5, die uns nur 1-2 Jahre trennen.

Mit zwei meiner Cousins und Cousinen haben wir anfangs sogar in einer Wohnung gewohnt, zusammen mit den Großeltern und dem jüngsten Onkel.

Später, als alle ihre eigenen Wohnungen hatten, in Leipzig, bei Leipzig und in der Hauptstadt, haben wir die Winter bei den Großeltern verbracht, die es nach Thüringen verschlagen hatte. Die Hälfte des Sommer auch. Die andere Hälfte waren wir an der Ostsee.

Und als die Großeltern wieder zurück nach Leipzig kamen, verbrachten wir große Teile des Sommers und viele Wochenenden bei uns auf dem Dorf. Oder die Herbstferien.

Inzwischen waren noch ein paar mehr Cousinen und Cousins dazu gekommen. Alle, wirklich alle zusammen zur selben Zeit waren wir da nur noch bei großen Feiern, wie den Geburtstagen der Großeltern, Hochzeiten, Schulanfängen.

Wie es so ist in großen Familien sieht man sich mit den Jahren, und den neuen kleinen eigenen Familien, die jeder gründet und den damit einher gehenden neuen Verpflichtungen, wenn alle immer weiter auseinander wohnen, seltener und seltener. Und wie es wohl auch in vielen Familien vor kommt, kommt es hie und da auch mal zu Knatsch. Und obwohl man selbst nicht daran beteiligt ist und sich nicht entscheiden möchte für eine der zerstrittenen Parteien, wird einem so eine Entscheidung aufgedrängt, einfach durch den Zufall des Wohnorts.

Manchmal denkt man an seine Kindheit zurück, an das Glück heißer Sommertage und gemeinsamen Lachens und bedauert, wie sich die Dinge entwickelt haben.

Und dann rafft man sich auf und stellt einfach den Kontakt wieder her, der doch von anderen unterbrochen wurde, und sei dieser Andere die Zeit oder die Kilometer, die zwischen den Wohnorten liegen, die eigene Trägheit oder Gedankenlosigkeit. Vielleicht liegt das am Alter. Vielleicht hat man, da die eigenen Kinder groß sind, plötzlich mehr Zeit, sich an seine eigene Kindheit zu erinnern und die zu vermissen, mit denen man diese geteilt hat.

Irgendwie scheint uns 5 Große dieser Gedanke zur selben Zeit ereilt  zu haben. So traf ich an einem Tag vor 18 Monaten schon zwei Cousinen, die ich 15 Jahre nicht gesehen hatte.

Ostern gab es an anderem Ort ein ähnliches kleines Cousinentreffen, ohne mich.

Und vorgestern das nächste. Am Samstag hatte mich der Termin noch etwas mürrisch gemacht. Am Sonntag war davon nichts mehr zu spüren. Drei Cousins und Cousinen trafen sich zum Kaffeetrinken. Und da sie alle ein paar Mitglieder ihrer eigenen kleinen Familien mit gebracht hatten, kamen 16 Leute zusammen! Eng war‘s in der Stube und alles fast ein bisschen wie früher. Die erwachsenen anwesenden Kinder wurden bestaunt, die ersten Enkel auch, es wurde über die Vergangenheit gesprochen und man brachte sich gegenseitig auf den neuesten Stand. Es kamen dabei Dinge ans Licht, die ich nie wusste, verdrängt oder vergessen hatte.

Das schönste aber ist an meiner großen Familie, dass es allen gut geht. Alle haben ihren Platz gefunden, eine nette Familie und Arbeit.

Anders als Freunde kann man sich die Verwandtschaft nicht aussuchen. Glücklich sind die, die ihre Familien auch zu ihren Freunden zählen dürfen.

 

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5 Kommentare leave one →
  1. November 1, 2011 8:55 pm

    Was für ein Geschenk, schätze dich glücklich!
    Ich denke an meine zehn Cousins und Cousinen, mit denen wir in der Kindheit ganz eng waren. Und sei es durch gemeinsame Ferien bei den Großeltern. Wir waren zerstreut in Sachsen und der Hauptstadt. Ein Todesfall (Selbstmord) schien die Familie noch enger zusammenzuschweißen. Aber dann starb die Großmutter, der Kitt des Ganzen. Keiner konnte bisher ihre Rolle einnehmen. Der Kontakt zu meinen Cousinen und Cousins ist so gut wie eingeschlafen. Nicht allen geht es gut, manche Wunden heilen nicht.

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    • November 2, 2011 7:26 am

      Scheint so. Aber manche Wunden heilen vielleicht erst, wenn man Heilung zulässt. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall lonht es, die „eingeschlafenen“ Kontakte wieder aufzuwecken. Ich fahr in 14 Tagen nach NRW, zum nächsten kleinen Cousinentreffen. Und freu mich schon!

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  2. November 1, 2011 10:42 pm

    Oh. Wir waren sechs in der einen und sieben in der anderen Linie – allerdings war von den Sieben einer sechs jahre älter als sein jüngster Onkel.

    Das waren noch Zeiten, als man sich in den Dörfern zur Kirmes (Kirchweih) traf im Osten der Republik. Irgendwie schlief das so um 1975 rum ein?

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    • November 2, 2011 7:29 am

      Mein Traum wäre auch ein großes Familientreffen. Mit allen allen allen. Aber schon zu meiner letzten Party haben es ja nur einige wenige Verwandte geschafft…. Auf einer Kirmes wäre es wahrscheinlich ähnlich. Da würden genug eine Ausrede finden.
      Nein, es müsste schon Familientreffen heißen. Um alle in die Pflicht zu nehmen.
      (Kirmes gibt es aber noch, oder? Im Erzgebirge?)

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      • November 2, 2011 8:22 pm

        Sicher, aber nicht mehr als diese großen Familientreffen (nebenbei sind die Familien ja auch kleiner geworden).

        Öhm: eigentlich weiß ich es garnicht genau – ich war ja lang nimmer dort.

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