Skip to content

Der Fluch der Digitalkamera

Oktober 27, 2011

… ist, dass man viel zu viel fotografiert.

Kennt ja jeder. Man macht zwei/drei Fotos eines Motivs. Kann man ja hinterher wieder löschen. Tut nur keiner. So sammelt sich alles an zu einer unüberschaubaren Datenbank. Und da die Pixel pro Bild auch  immer mehr werden, passt der Krempel schon lange nicht mehr auf DVD’s. Da müssen externe Fetsplatten her. Am besten zwei, denn nichts ist ärgerlicher als der Tod so einer Festplatte und der damit einhergehende Verlust der Bilder der vegangenen 6 Urlaube, Weihnachten, Geburtstage, Hochzeiten und was weiß ich nicht alles.

Schwierig wird’s, auch ohne Festplattentod, wenn man den Freunden oder Verwandten Bilder zeigen will. Schon drei Leute vor einem Bildschirm sind die maximale Obergrenze. Außerdem ist Fotos rumreichen, also ich rede jetzt von denen auf Papier, viel kommunikativer. Da sich die nie alle zur gleichen Zeit ansehen, muss der Rumzeiger immer wieder Fragen beantworten. Und wenn er grad abgelenkt ist, fragt der Betrachter auch gern mal die Tante oder den Cousin, der oder die am Kaffeetisch neben ihm sitzt.

Ich!

Also ich persönlich schaue mir auch lieber Papierfotos an. Und Alben. Manchmal sitze ich abends da, ziehe so ein mehr oder weniger fettes Ding aus dem Regal und schaue es mir an. So wie man Bücher liest.

Deshalb habe ich schon früher, also gaaaanz früher, die Bilder gern in so ein dickes Album geklebt, Ort und Zeit dazu geschrieben und vielleicht noch ein paar weitere erklärende Worte.

Auf die Frage „Was würdest Du im Brand- oder sonstigen Katastrophenfall an dinglichen Werten aus Deiner Wohnung mitnehmen“ kann ich ohne großes Nachdenken mit „Die Fotoalben“ antworten. „Und die Festplatte natürlich“. Denn dort liegen alle seit 2008 gemachten Aufnahmen!

Bis einschließlich 2007 habe ich es geschafft, jeweils in den Wintermonaten die Bilddateien zu sichten und auszuwählen und, in den ersten Jahren der digitalen Fotografie, als Papierbilder zu bestellen, um sie dann zu Alben, später zu Fotobüchern zusammen zu stellen.

Fotobücher sind eine geniale Erfindung. Sie sind nicht so fett wie ein klassisches Album, liegen daher besser in der Hand, es kann auch kein schlecht eingeklebtes Bild rausfallen und (!) im Brand- oder Katastrophenfall brauche ich keinen Handwagen, um sie aus der Wohnung zu schleppen.

Dann, 2008, waren wir auf den Färöern und in Island.

Und nicht nur ich machte die üblichen 999 Fotos, die so in drei Wochen anfallen. Auch das kleine Kind, nunmehr Besitzerin ihrer eigenen Spiegelreflex, steuerte so an die 1500 Bilder bei. Dazu kamen noch DVD’s mit den Aufnahmen zwei der anderen Mitreisenden, so dass ich allein für diesen Uralub, der ganze drei Wochen eines Jahres ausmachte, auf einen Fundus von 5000 Fotos zurückgreifen kann. Die Menge erschlägt mich. Und die Lähmung hält bis heute an.

Die Datenbank wird immer größer und ich komme nicht zu Potte. Immerhin gabs in der Zwischenzeit drei weitere größere Reisen. Zwei davon habe ich glücklicherweise allein unternommen, so dass sich die Zahl der zu sichtenden Bilder hier in einigermaßen überschaubaren Größen hält. Und zwischen der Ferienzeit wird ja auch fröhlich fotografiert. Da gibt es schließlich genug Familienfeiern, Kurzurlaube, Kletterwochenenden, Parties, Sportveranstaltungen, Festivals oder eben einfach schönes Wetter. Alles muss auf Zellu… äh Speicherkarte gebannt werden.

Vielleicht wünsche ich mir zum nächsten Weihnachtsfest einfach mal wieder was Selbstgebasteltes vom Kleinen Kind: Das Buch zum Islandurlaub. Bezahlen tät ich das ja. Nur das Sichten und Zusammenstellen, das könnte sie übernehmen.

Ob sie wohl Lust darauf hat?

Advertisements
7 Kommentare leave one →
  1. Oktober 27, 2011 11:26 am

    Ich fühle mit dir, da ist die Neutechnik wieder Segen und Fluch in einem. Ich habe keine Kamera, nicht aus moralischen Grüden (obwohl ich das gut vertreten könne, denn unser Hirn ist eigentlich nicht darauf ausgelegt, evolutionär und logisch bedingt versucht unser Hirn immer die aktuellste Version des Gegenübers zu speichern und nicht vergangene Momentaufnahmen zu archivieren, aber das nur nebenbei), sondern weil ich lieber eine gute Kamera möchte, aber zu geizig bin.

    Und ansonsten finde ich echte Fotos also nicht zum Sichten auf dem PC auch viel schöner!

    Gefällt mir

  2. Oktober 27, 2011 12:05 pm

    Was war das früher noch für ein Highlight, wenn man per Diashow Urlaub oder Festlichkeiten zeigen konnte!
    Klar hat das schnelle Knipsen auch seine Vorteile, aber ich hab gern was in der Hand.

    Das ist beim Buch übrigens ähnlich! E-Books könnte ich niemals als Ersatz ansehen…

    Gefällt mir

    • Oktober 29, 2011 11:58 am

      Oh ja, die Diaabende – bei uns zeigten dann vier Leute nacheinander ihre Bilder, jeweils etwa 540 Stück (15 Filme, soviel konnte pro Person und Urlaub schon mal durchgehen), was bedeutete, nach einer gewissen Zeit fing man thematisch wieder am Anfang an.
      Und die Großeltern schnarchten leise auf dem Sofa.

      Gefällt mir

  3. Oktober 27, 2011 3:43 pm

    Das kenne ich… wir versuchen seit 2009 ein Fotobuch von unserem Urlaub in Schottland zu machen…
    Viel Erfolg beim sichten. Das haben wir nach über zwei Jahren dann endlich hinter uns. 🙂

    Gefällt mir

  4. Oktober 27, 2011 6:02 pm

    Oh! Schottland 2009 ist ein REIZWORT!!! Da waren wir nämlich nach dem Färöern/ Islandsommer. Da gibt es zwar nur so 3000 Bilder, weil wir waren da ja auch nur zu viert, aber trotzdem.
    @Lies von Lott: Ich glaube, es kommt auf den Fotografen an. Ich kenne Leute mit sehr teuren Kameras, die machen langweilige Bilder. Mein kleines Kind dagegen hat damals mit unserer ersten „Testdigitalen“, die gleichzeitig ihre erste Kamera war, unglaublich gute Fotos gemacht, weswegen ich dann auch kein Problem hatte, ihr eine Spiegelreflex zu schenken.
    @Alexandra: Manche Diavorträge waren aber auch einschläfernd! Damals wie heute gilt: Auswahl treffen. Man kann die Digitalen ja auch per Beamer zeigen, aber länger als 30 min sollte so ein (privater) Vortrag sicher nicht dauern. Und E-Book habe ich gerade mal probiert. Drei oder vier Kapitel hab ich geschafft, seit dem liegt das gute unbeachtet auf meinem PC

    Gefällt mir

  5. Oktober 27, 2011 10:49 pm

    Oh ja, das kenn ich irgendwoher. Bei Super 8 Filmen hatte man damals 3 Minuten Zeit pro Kassette, da hat man sich schon sehr genau überlegt, was man filmt. Als Videokameras den alten Film abgelöst haben, wurden die Urlaubsfilme unerträglich. Niemand hat Lust, der Mutti 20 Minuten beim Sirtakikurs am Strand in Griechenland zuzusehen, aber die 3 Stunden auf der Videokassette musste man ja ausnutzen.
    Bei digitalen Aufnahmen muss man einfach wesentlich rigoroser vorgehen. Nach einigen Jahren hab ich es endlich geschafft, ein praktikables System zu entwickeln.
    Nur bei Fotos von meiner Enkeltochter scheiter ich damit gnadenlos, weil natürlich JEDES Foto absolut großartig ist *g* und sich bei Serienaufnahmen nur um winzige Nuancen unterscheidet. Trotzdem bin ich unterm Strich sehr glücklich mit Digital, denn so einen Spaß wie Serienaufnahmen hätte ich mir damals analog gar nicht leisten können.

    Gefällt mir

Trackbacks

  1. Wasser, Blubber, Schnee und Feuer | Inchs Blog Nr. 2

Meinungen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: