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Neulich beim Bäcker Teil III

Oktober 26, 2011

„Mein“ Bäcker macht den Rest der Woche Ferien. Das stellt mich essensversorgungstechnisch immer vor größere Herausforderungen, zumal ich gestern erst 2 Stunden nach Schluss im Wohnviertel aufschlug und mich also nicht vorsorglich versorgen konnte.

Zwar gibt es in der gleichen Straße, gleich gegenüber noch einen Bäcker, um die Straßenecke einen dritten und in der Kofi drei Straßen weiter einen vierten. Aber das sind so Filialen von Bäckerketten. Die wo’s diese Brötchen mit viel Luft drin gibt, die, wenn man eins isst, erst mal den Magen füllen, so dass nix mehr rein passt (in den Magen), 30 min später aber in sich zusammenfallen und dann kriegt man sofort wieder Hunger. Da kaufe ich nur ungern ein, weil da schmeckts nicht. (Außerdem nehmen die Luftbrötchen erst viel zu viel Platz in meiner Tasche und dann kurzzeitig viel zu viel Platz in meinem Magen weg.)

Nein, „mein“ Bäcker ist ein Klunschbäcker.

Was jetzt für den Aussenstehenden etwas abfällig klingen mag, ist, zumnindest hier in der Tieflandbucht, das höchste Lob, das so ein Bäcker kriegen kann.

So ein Klunschbäcker bäckt nämlich Klunschbrötchen. Das sind die mit ohne viel Luft drin. Die sind nur halb so groß wie die, die es in diesen Ketten zu kaufen gibt, enthalten aber vermutlich genau so viel Teig und Zeugs. Da kann man soviel in sich reinstopfen, wie der Magen fassen kann und das hält dann aber auch bis Mittag! Das ist irgendwie ehrlicher, finden Sie nicht? Außerdem schmecken Klunschbrötchen besser. Und! Und wenn man die aufschneidet und diesen kleinen Klunsch Teig, der sich dabei bildet und an einer der Hälften hängt, isst, dann haben Sie noch Brötchen übrig! Machen Sie das mal mit so einem Luftbrötchen. Verblüfft halten Sie da plötzlich nur noch Hülle in der Hand.

Klunschbäcker backen auch den Kuchen noch nach ihren eigenen Rezepten. Ich kenne sogar einen, der backt noch in Rundformen statt auf Blechen! Da schmeckt jeder Kuchen anders. Garantiert!

Beim Bäcker meines Vertrauens gibt es nicht täglich das gleiche Angebot. Lärchen zB nur zwei Mal pro Woche, Kastenweißbrot garantiert freitags und sonst wie der Bäcker Lust hat (normales gibt’s natürlich täglich), Obstkuchen saisonabhängig. Wenn es Eierschecke gibt, liegt garantiert kein Kirmeskuchen in der Auslage und Streuselkuchen wechselt mit Kakaostreuselkuchen.

Wenn man, wie ich meistens, 5 min vor Schluss kommt, muss man eh nehmen, was noch übrig ist. Und das ist meist nicht allzuviel. 4-5 Brote, ein paar Brötchen, Kuchen ist manchmal sogar ganz aus. Da liegen dann aber immer noch Nussecken und Taler und so was rum. So ein Bäcker backt nämlich nur so viel, wie er verkauft. So einen Schwachsinn wie „der Kunde will auch 5 min vor Schluss noch unter einem vollen Angebot wählen können“ kennt der nicht. Diese Kunden kaufen hier so wie so nicht ein. Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, wo die Marktforscher diese Kunden gefunden haben, denn hier im Kollegen- und Bekanntenkreis sorgt dieser Spruch für Kopfschütteln. Verschwendung ist die einhellige Meinung aller zu diesem Thema. Ich könnte ja nun sagen, der Marktforscher hat Wessies gefragt, aber nee, auch die Wessies in meinem Kollegen- und Bekanntenkreis finden es verantwortungslos, soviel Lebensmittel nur für den Müll zu produzieren.

Und außerdem, mal ehrlich, zeugt ein fast leeres Regal in einem Bäcker nicht von der Qualität der feil gebotenen Ware? Offensichtlich wird hier viel gekauft, weil es gut schmeckt. Volle Auslagen würden mich eher misstrauisch machen, wüsste ich nicht, dass Bäckerketten eine verquere Verkaufspolitik betreiben.

Übrigens, wenn ich so kurz vor Schluss komme, hat das nicht nur den Nachteil der geschrumpften Vielfalt des Angebots. Es gibt auch einen Vorteil. Denn wenn ich zB zwei Brötchen und zwei Stück Kuchen kaufe und auch bezahle, dann finde ich, wenn ich zu Hause die groß geratenen Tüten und Pakete öffne, immer etwas mehr darin. Der Bäckersfrau blutet nämlich das Herz, wenn sie was wegschmeißen muss, also verteilt sie ab 30 min vor Schluss alles auf ihre letzten Kunden. Und sollte um die Zeit dann doch einer von denen kommen, die die Marktforscher befragt haben, der kann ja auf die andere Straßenseite gehen. Dort gibt es bis zum Feierabend das volle Sortiment.

Vielleicht gehe ich ja auch mal hin. Und frage, was sie mit dem ganzen Zeugs machen, das da nach Ladenschluss noch in den Auslagen liegt.

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17 Kommentare leave one →
  1. Oktober 26, 2011 9:10 am

    Ich habe das Glück, 3 solcher Bäcker (ich nenne sie gern „richtige Bäcker“) in der unmittelbaren Umgebung zu haben. Gegen Ladenschluss gibt’s nicht MEHR in die Tüte, dafür alles zum halben Preis. Und wenn’s nicht alle wird, gibt es am nächsten Tag „Brot vom Vortag“, auch zum halben Preis. Das kaufe ich gern, schon wegen der Bezeichnung 😉
    Beim Kettenbäcker finde ich besonders die vermeintlich „exotischen“ Produkte eine Frechheit. Hauptsache es klingt italienisch wie „Mediterranes Ciabatta mit Oliven“. Am Ende hat mein ein bröckelig hartes Etwas in der Tüte und möchte es am liebsten nach der Verkäuferin werfen, aber die kann ja nix dafür.

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    • Oktober 26, 2011 6:58 pm

      Hallo Flaminga!
      Das mit dem halben Preis und dem Brot oder auch Kuchen vom Vortag ist auch eine gute Variante. Habe ich auch schon bei anderen unabhängigen Bäckereien gesehen.
      Ja, und das mit dem angeblich Italienischen Brot, das ist wie Tiramisu aus der Joghurtpackung.

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  2. tiger permalink
    Oktober 26, 2011 10:31 am

    Wie wärs denn – zur Not – mit selberbacken?
    Unser aller Bäckermeister im web hat vor Zeiten mal sein Rezept für leckere DDR-Brötchen verraten. Hier auf Haushaltsmenge runtergerechnet:

    http://ostwestwind.twoday.net/stories/5085691/

    Ich habe Butterschmalz verwendet, war sehr lecker!

    Und hier nochmal die Quelle:
    http://baeckersuepke.wordpress.com/2008/03/27/ddr-brotchen-rezept/

    LG tiger

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    • Oktober 26, 2011 7:01 pm

      He tiger, danke für das Rezept! Das klingt richtig gut. Ich habs sofort ausgedruckt und mir fürs Wochenende hingelegt. Ich hab ja früher schon mal versucht, Brötchen selbst zu backen, die sind ziemlich missraten. Ich werde jetzt am Wochenende mal diese probieren

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  3. Oktober 26, 2011 11:39 am

    In meiner Kindheit haben wir relativ oft die DDR-Verwandtschaft meines Vaters besucht und da erinnere ich mich auch an seeeehr leckere Brötchen!! Die waren ganz klein und kugelrund. Und eher dunkel.

    Von uns „Wessis“ gab’s dann noch Nutella mitgebracht dazu (glaub ich jedenfalls. Gab’s das damals schon? Wir Wessikinder wurden zumindest immer ermahnt, den anderen da nichts wegzuessen……) und es war ein Traum!!

    So jedenfalls erinnere ich mich, manchmal verschwimmt das alles so ein bisschen, aber die Brötchen waren auf jeden Fall echt 🙂
    Ob das jetzt die Klunschbrötchen waren weiss ich natürlich nicht. Ist das was Regionales? Die Verwandtschaft wohnte damals in Guben.

    Hmmm, jetzt hab ich aber ein grosses „Gluscht“ auf Brötchen irgendwie………..

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    • Oktober 26, 2011 7:05 pm

      Nutella gabs hier nicht, nee. Und ich stell mir grad vor, wie die Ossikinder argwöhnisch beobachtet haben, wie viel Nutella sich die Wessikinder aufs Brötchen schmieren. *lach*
      Klunsch ist ein sehr sächsisches Wort. Mir fällt aber kein allgemein gebräuchliches Wort dafür ein.

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      • Oktober 26, 2011 11:12 pm

        Wer braucht Nutella, Nudossi ist sehr viel besser. Gab es das zu DDR Zeiten noch nicht?

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      • Oktober 27, 2011 10:33 am

        Hallo Zaphod!
        Nudossi ist sogar ein DDR- Produkt. Gabs im Deli, wenn ich mich recht erinnere, war also etwas kostenintensiv. Aber stimmt, das war ein guter Nutella-Ersatz. Später stellten dann tatsächlich viele fest, ich auch, dass Nudossi sogar besser als Nutella schmeckt

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  4. Oktober 26, 2011 1:48 pm

    So ein Klunschbäcker ist was Feines. Die Bezeichnung kenne ich allerdings auch nicht. Hier nennen wir sie „Ostbäcker, die noch selber backen.“ Und ja, da gibt’s neben ordentlichen Fettsemmeln auch Taler, kleckskekse und Leipziger Lärchen, oder Lerchen?

    Leider gibt’s im nahen Umkreis nur Filialbäcker und SB-Bäcker. Wenn ich frei habe, gehe ich zum Markt und kaufe beim Stand des Ostbäckers.

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    • Oktober 26, 2011 7:12 pm

      Ich habe angestrengt darüber nachgedacht. Das Wort Klunschbäcker bezieht sich auf die Klunschbrötchen. Und Klunsch ist ein Wort für eine Art pappende unförmige Masse, wobei dieses pappend ja auch mißverstanden werden kann. Eben eines von diesen Wörtern, die es im Deutschen nicht gibt *grins* Hier weiß jeder, was ein Klunschbrötchen ist

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  5. Oktober 26, 2011 5:20 pm

    Immer, wenn ich mich hungrig ans Bloglesen mache, kommt ein Text über verdammt leckeres Essen.

    Waaaaaah!

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    • Oktober 26, 2011 7:11 pm

      Äh, ja,entschuldigung

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      • Oktober 26, 2011 8:41 pm

        Aber ich gestehe, daß es hier in der Stadt noch drei mir bkannte Bäcker mit DDR-Semmeln gibt (einer davon macht[e?] sogar einmal in der Woche Malfa-Kraftma-Brot). Es könnten sogar noch mehr sein …

        Und gegen den Hunder habe ich soeben eine Kohlroulade und 4 Scheiben leckeren Brotes verzehrt.

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  6. Oktober 26, 2011 7:42 pm

    Klunschbäcker gibts hier kaum noch, die muss man mit der Lupe suchen, und dann findet man sie ganz sicher nicht im eigenen Stadtteil. Glücklicherweise gibt es hier ein paar wenige Ketten, die ganz passables Backwerk herstellen. Bei dem einen kauft man DInkelbrot, beim zweiten das Vollkornbrot und der dritte hat Brötchen, aus denen man nicht erst die Luft rauslassen muss.
    Erschwert natürlich ein wenig den Gesamteinkauf, aber man gewöhnt sich an alles.

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  7. Oktober 27, 2011 6:20 am

    Kannst Du Deinem Klunschbäcker mal bitte erzählen, dass man auch in Puerto Vallarta, Mexiko wirklich sehr gerne Nussecken und Brötchen mit ohne Luft essen würde und es reichlich Läden für eine Filiale geben tut?
    Und Frau Bäckersfrau würde sooo viele sooooo grosse Kinderaugen durch ihre Extras in den kurz-vor-schluss Paketen sehen können!
    GLG

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