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Glück in der Tüte

Oktober 21, 2011

Ich räume ja grad auf. Sei dem 1. Januar jeden Tag, den ich zu Hause bin, ein Stückchen. Dabei finde ich Dinge, die ich nun wirklich nicht mehr brauche. Und entsorge oder verschenke sie.
Jetzt, nach über 9 Monaten, artet das schon manchmal in eine regelrechte Suche aus. Fragestellung: Wo könnte ich denn noch etwas finden, dass ich nicht brauche?
Natürlich müsste ich eigentlich nicht suchen. Ich kenne die Ecken und Schränke, wo ich fündig würde, genau.
Z.B. einer der Unterwandschränke im Flur. Der, wo die ganzen Spiele und Puzzles lagern. Da will ich nicht ran. Einerseits möchte ich mich von manchem, dass niemand mehr braucht, doch nicht trennen, andrerseits würde ich es, wenn schon, lieber verschenken.
Nun lagert das Zeugs da aber schon ein paar Jahre. Und es stellt sich heraus, dass es in meinem Belanntenkreis kaum 6-10jährige Kinder gibt. Und die wenigen doch vorhandenen scheinen nicht auf Gebrauchtes zu stehen, oder ihre Eltern nicht. Denn einiges habe ich schon angeboten. Wurde von den Müttern immer abgelehnt. Perlensteckspiel? Was ist das denn? Nö lass mal. Memory? Quartett? Puzzle? Scheinbar entsprechen die Motive nicht mehr dem heutigen Trend.
Genauso geht es mir mit Mützen und Schals, Caps und Jacken. Da laufe ich ewig rum, eh ich einen Abnehmer finde. Aber meistens landet es dann doch im Kleidercontainer. Dabei biete ich nur an, was auch das kleine Kind vorher noch als durchaus in die heutige Zeit passend abgenickt hat.
Nicht mal zum Rumräubern werden solche Sachen gebraucht. Räubern Kinder heute nicht mehr rum? Oder müssen es auch im Wald Markenklamotten sein?
So lasse ich die Finger von manchen Ecken. Vielleicht packe ich irgendwann mal eine große Kiste und bringe es in eine Sozialstation. Ob die Sachen dort noch Verwendung finden? Ich weiß es nicht.
Manchmal aber finde ich doch echte Schätze.
Gestern zB. Da zog ich aus dem obersten Bücherregalfach eine schwarze Tüte. Darin Fotos, die es aus diversen Gründen nie in ein Fotoalbum geschafft haben. Kleine Handarbeiten der Kinder. Zeichnungen und erste Schreibversuche. Alle, was mal an der Wand hing, die dem Wohnungsumbau zum Opfer viel.
Den ganzen Abend saß ich da, sah mir die einzelnen Stücke immer wieder an, ließ mich von ihnen zurück in der Zeit und an andere Orte führen. Und fühlte ein Stück Glück. Ich habe zwei wunderbare Töchter, den Schutz einer großen Familie, viele, darunter drei beste Freunde, immer genug Ideen, die es in die Tat umzusetzen gilt und die Zeit und Ruhe, auch mal inne  halten zu können.

Dann tat ich alles wieder behutsam in die schwarze Tüte zurück und legte es an seinen Platz ganz oben im Bücherregal unter der Decke.

In ein paar Jahren werde ich es wiederfinden.

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11 Kommentare leave one →
  1. Oktober 21, 2011 12:42 pm

    Wow – jeden Tag ein Stückchen aufräumen. Sowas sollte ich auch mal versuchen!

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    • Oktober 21, 2011 3:33 pm

      Ja, solltest Du echt versuchen! Es ist erstaunlich, was sich so alles ansammelt an unnützem Kram. Und ja: Willkommen auf meinem Blog!

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      • Oktober 21, 2011 4:27 pm

        Da ich ja eine ungefähre Ahnung davon habe was sich so angesammelt habe schrecke ich ehrlich gesagt davor zurück 😉
        Heimlich, still und leise lese ich hier übrigens öfter mal, trotzdem danke für die Begrüßung 😉

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  2. ChristinaGlazar permalink
    Oktober 21, 2011 12:43 pm

    Unterhaltsamer Blog – werde oefters zurueckkommen.

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  3. Oktober 22, 2011 1:40 am

    Durch meine vielen Umzüge von Land zu Land sammelte sich bei mir nach der ersten Auswanderung nicht mehr allzu viel an. Aber ich erinnere mich sehr genau an die Kopf- und Herzschmerzen beim Sortieren vieler kleiner, unscheinbarer Dinge, die ich so viele Jahre lang hübsch verstaut hatte, mich nicht trennen konnte, und dann vor der Entscheidung stand: was MUSS mit und was nicht….
    Manchmal denke ich heute noch „das hätte doch auch noch irgendwo Platz gefunden…so schade“
    GLG

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    • Oktober 22, 2011 8:46 pm

      Ja, aber wenn man auswandert, muss man sich sicher sehr stark einschränken. Ich bin zwar bis vor 14 Jahren auch ständig umgezogen, und hab da jedesmal ausgemistet, aber eben IM Land. Ja und in diesen 14 Jahren, die ich jetzt seßhaft bin, hat sich eben zu viel angesammelt

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  4. Oktober 22, 2011 12:44 pm

    ausmisten, Platz schaffen… Immer treibt mich die Angst, dass ich dann ausgerechnet dieses eine Stück brauchen werde. Irgendwann. Ganz dringend… Und das wenigste sind solche Schätze , wie du ihn gehoben hast.

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    • Oktober 22, 2011 8:44 pm

      Genau so ging es mir auch. Und es sammelte sich immer mehr Mist na. Deshalb musste ich mich zu dieser Aktion zwingen. Und da ich es öffentlich mache, kann ich mich auch nicht drücken. Bis jetzt habe ich nur bei einem Teil mal bereut, dass es weg ist: Eine Musikkassette. Andrerseits habe ich die jahrelang nicht gehört.

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  5. Hiltrud Blaschke, Oerlinghausen permalink
    November 17, 2011 4:35 pm

    Ich lese hier übrigens auch immer gerne mit. Ich mag deine Art, über normale Alltagsbegebenheiten zu schreiben. Einfach Klasse!
    Gruß, Hiltrud

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    • November 18, 2011 2:38 pm

      Na dann willkommen auf meinem Blog! Und danke für das Kompliment und schöne Grüße an alle!

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