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Sie leuchtet wieder

Oktober 10, 2011

Immer wenn ich in den vergangene Tagen zum Discounter meines  Vertrauens gefahren bin, hatte ich mich gewundert. Der Platz neben der Feinkost, dort wo an der Giebelwand die Löffelfamilie prangt, seltsam baumleer. Sollte hier etwa Platz geschaffen werden, um die Graffiti zu entfernen? Benötigte der Connewitzer Freitagsmarkt mehr Raum?

Gestern Nacht dann die Erleuchtung. L.’s Meldung bei FB: Sie leuchtet wieder! Und ich habe es verpasst!

Am Samstag hatten wir noch darüber nachgedacht, ob wir zum Lichtfest gehen oder lieber boykottieren.

Das Lichfest fand vor zwei Jahren, zum 20. Jahrestag des 9. Oktober, dem Montag, da nach den Ereignissen am 7. Oktober die Messestädter die Nase voll hatten, und, aufgestachelt durch den Leserbrief eines Kampfgruppenkommandeurs, der die Rowdies, die da montags immer an der Nikolaikirche Rabatz machten, wenn es sein musste,  auch mit der Waffe in der Hand zu Raison bringen wollte, zum ersten Mal 70000 von ihnen um den Ring zogen. Weil der Sachse an sich ist ja recht gemütlich, aber wenn einer droht, auf seine Kinder zu schießen, lässt er den Kaffee auch mal kalt werden. Und genug ist schließlich auch irgendwann genug.

Eine gute Idee, diese Feier. Wir nahmen dran teil. Das kleine Kind, um die „Heldentaten seiner Eltern zu feiern“, wir anderen, um einer großen Zeit zu gedenken und uns unserer Träume zu erinnern. Wir ließen uns den Tag nicht von Anzugträgern verderben und auch nicht von Menschen, die ganz sicher 20 Jahre davor in ihren Stuben gehockt hatten.

Als das Lichtfest dann im letzten Jahr wiederholt wurde, fanden wir das schon übertrieben.

Und so entschieden wir auch gestern, dass das eigentlich ein unnötiges Fest sei.

So haben wir auch das „Sie leuchtet wieder“ verpasst.

Die Löffelfamilie hängt zwar an einer Giebelwand in der Südvorstadt, aber hätten wir uns für den Tag an sich interessiert, wäre uns dieser Termin sicher auch zu Ohren gekommen.

Die Löffelfamile ist eine denkmalgeschützte Leuchtreklame aus dem Jahr 1973. Eine vierköpfige Familie macht löffelnder Weise fröhlich Werbung für Produkte aus dem längst nicht mehr existierenden VEB  Feinkost Leipzig. Werbung ist dabei vielleicht ein zu moderner Begriff, weil es die ja hierzulande nicht gab. Vielmehr sollte die Leuchtreklame auf die Errungenschaften des Sozialismus hinweisen, so wie die TaKraf Werbung in der Grunewaldstraße z.B. Vielleicht dachten die Stadtväter auch, Leipzig als Messestadt täte ein bißchen Bunt gut.

1991 gingen gleichzeitig mit dem VEB auch der Familie die Lichter aus. Seitdem gab es unterschiedliche Benühungen seitens der nato und des später gegründeten Vereins, die inzwischen unter Denkmalsschutz stehende Familie wieder zum Leben zu erwecken. Über diverse Spendenaufrufe kam tatsächlich genug Geld zusammen. Es wurde repariert, in Stand gesetzt und ein Fest geplant. Doch es gab auch Widerspruch im Szeneviertel, zog  die Reklamewand doch vermeintlich zu viele Yuppies an. So jedenfalls rechtfertigte das „Autonome Leuchtkommando“ seine Aktion, als sie der Familie mit Steinwürfen die Lichter erneut ausbliesen.

Repariert wurde dann während der eigentlichen Eröffnungs- oder besser Wiedereinschaltfeier, moderiert vom unvergessenen Paul.

Doch dann waren die Stromkosten zu hoch. Schon 2001 suchte die nato wieder nach Sponsoren. Es wurde wieder gesammelt und nachgedacht.

Ich weiß jetzt gar nicht genau, wann der Familie die Lichter entgültig ausgingen. Es ist auf jeden Fall schon einige Jahre duster.

Nun leuchten sie also wieder. Und wenn es mal gerade nicht regnet, werde ich abends hinfahren. Hoffentlich bin ich schneller als das nächste Leuchtkommando.

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