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Ein überraschender Gruß

Oktober 8, 2011

Als ich gestern nach Hause kam, erwartete mich eine Überraschung.

Auf dem Küchentisch lag ein Bücherpaket.

Ich fragte das Kind verwirrt, ob es etwas bestellt hätte, ich hatte es nämlich nicht. Das Kind auch nicht.

Aus dem Umschlag fischte ich Jonas Jonassons „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Kein erklärende Brief, nicht mal ein Zettelchen.

Auch die Absenderin erschien uns zunächst unbekannt.

Schließlich entdeckte das Kind auf dem Umschlag eine erklärende Notiz: „Liebe Inch! Beim Lesen des Buches habe ich an Dich gedacht. Viele herzliche Grüße, U.“

Dann fiel es mir ein. U. ist eine couchsurferin und Buchhändlerin, die wir während der Leipziger Buchmesse hosteten. Normalerweise hat man keinen weitergehenden Kontakt zu Gästen oder Gastgebern. Gut, ein paar sind bei Facebook, den erlaube ich, mich zu adden. Aber natürlich gibt es auch die Fälle, wo man Freundschaften schließt und versucht, über die Entfernung im Kontakt zu bleiben. Mit unseren ersten Gästen geht es uns so, einem Ehepaar aus Lüdenscheid. Mit einem Schottischen Weltreisenden skype ich hin und wieder, ein Pärchen aus Bristol habe ich in L.E. wieder getroffen und mit unserer letzten Gästin aus Neuseeland bin ich zum nächsten Herbsttest verabredet, wenn die All Blacks in Edinburgh gegen Schottland spielen.

Aber die meisten verliert man aus den Augen. Natürlich vergisst man sie nicht. Jede Begegnung ist ein Erlebnis. Schließlich lässt man fremde Menschen in seine Wohnung bzw. kommt als Fremder in deren Wohnung. Die Tage werden genutzt, um nicht nur den besuchten Ort, sondern auch seine Gäste oder Gastgeber kennenzulernen. So entsteht für einige Tage eine gewisse Vertrautheit. Man lernt Lebensentwürfe kennen und Biografien, die einem selber manchmal sehr vertraut, manchmal aber sehr fremd sind. Interessant sind sie allemal. Langweilige Menschen surfen nicht auf fremder Leute Couch.

So hatte ich auch zu U. keinen Kontakt mehr, sie aber in guter Erinnerung. Sie mich offensichtlich auch. Das daraus eine Buchsendung wurde, ist sicher nicht üblich, dafür um so schöner.

Das ausgerechnete dieses Buch ausgerechnet im Oktober kam, sicher ein Zufall.

Aus dem Klappentext:

„Allan Karlsson hat Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt. Eigentlich ein Grund zu feiern. Doch während sich der Bürgermeister und die lokale Presse auf das große Spektakel vorbereiten, hat der Hundertjährige ganz andere Pläne: er verschwindet einfach – und schon bald steht ganz Schweden wegen seiner Flucht auf dem Kopf. Doch mit solchen Dingen hat Allan seine Erfahrung, er hat schließlich in jungen Jahren die ganze Welt durcheinander gebracht.

Jonas Jonasson erzählt in seinem Bestseller von einer urkomischen Flucht und zugleich die irrwitzige Lebensgeschichte eines eigensinnigen Mannes, der sich zwar nicht für Politik interessiert, aber trotzdem irgendwie immer in die großen historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts verwickelt war.“

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6 Kommentare leave one →
  1. Oktober 9, 2011 5:31 pm

    Oh, wie schön! Ja, Überraschungen, mit denen man überhaupt nicht rechnet, sind die schönsten. Als ich vor einigen Jahren einmal Abends nach Hause ging, hielt ich beim Thalia Buchladen in der Kölner Allee an und wanderte durch die Gänge. Dabei fiel mir ein dünner Gedichtband von Erica Jong in die Hände, „Fruits and Vegetables“. Ich blätterte ein wenig darin herum und sah plötzlich eine alte Freundin, die vor ein paar Jahren nach Spanien ausgewandert war, an anderen Ende des Regals. Wir unterhielten uns freudig und gingen dann ausführlich Kaffee trinken. Das Buch hatte ich vergessen. Einige Tage später jedoch lag ein dicker Brief aus Spanien in meinem Briefkasten. Darin der Gedichtband und spanische Schokolade.
    LG von Rosie

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  2. Oktober 10, 2011 5:19 pm

    Hallo inch,

    genau dieses Buch wartet bei meinem Buchhändler darauf, dass ich es abhole. Weiss gar nicht mehr, wie ich drauf gekommen bin, aber ich bin seeeehr gespannt auf’s Lesen!!

    Liebe Grüsse
    asty

    P.S.: wie läuft’s mit dem Entrümpeln? Kommst Du voran? Nach den Schuhen kommt hier die gesamte Kinder-Garderobe dran, denn die Jacken werden immer länger und hängen schon fast auf den Boden. Das muss höher jetzt alles, aber auf dem Brett über den Haken, da liegt so viel…………. oje, oje, oje……)

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    • Oktober 10, 2011 5:48 pm

      Hol es Dir schnell, kann ich nur sagen. Eine wunderar skurille Geschichte, aber irgendwie auch sehr warmherzig.
      Und was meine Entrümpelungsaktion betrifft: Gerade haben wir eine Kassette gefunden, also eine Muskikassette, auf der steht Geld (???). Wir werden jetzt herausfinden, was es damit auf sich hat

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      • Oktober 10, 2011 7:23 pm

        das klingt extrem spannend :-).

        So ähnlich stelle ich mir Entrümpelungen von Dachböden oder Kellern der Eltern oder Grosseltern vor.
        Da findet man sicher das eine oder andere Goldstück 🙂

        Gruss
        asty

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  3. Oktober 11, 2011 11:54 am

    Ein Goldstück haben wir nicht gefunden. Nur gestaunt, was ich mir früher so angehört habe..

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