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Inselhopping letzter Act: Auf den 2. Blick

Oktober 6, 2011

Glasgow besteht aus schäbigen Neubauten und maroden alten Häusern. Man findet hier nichts schön, bis man sich auf den Charme des Verfalls einlässt.

Das ist mir schon vor zwei Jahren aufgefallen, als ich zum 1. Mal da war. Damals hatte ich keine Zeit, mir die Stadt näher anzusehen, weswegen sie in diesem Jahr fest auf dem Plan stand. Denn eigentlich mag ich diese Art (Arbeiter)Städte, deren Charakter sich einem erst auf den 2. Blick erschließt. Und ich liebe es, an Docks entlang zu promenieren, egal, ob sie vor sich hin verfallen oder zu bester Wohnlage umsaniert wurden.

Ich bin am Clyde entlang spaziert, bei Nieselregen, und habe nix von Docks gesehen.

Vielleicht war ich an der falschen Stelle. Vielleicht habe ich falsche Vorstellungen. Immerhin passte das Wetter irgendwie zur Umgebnung. Seite den 1990er Jahren sollen ja Unsummen in die Sanierung der Stadt gesteckt wordern sein. Am Clyde sieht man davon nicht viel. Was aber, hat man erst mal diesen speziellen Blick entwickelt, nicht weiter stört.  Alte rostige Brücken sind irgendwie auch sehr hübsch.

Und im Jugendstil erbaute Häuser entwickeln, wenn sie so vor sich hin marodieren, auch einen ganz eigenen Charme.  Allerdings, das gebe ich gern zu, bin ich an manchen erstmal vorbeigerannt. Charles Rennie Mackintosh, Glasgows großer Architekt und Mitbegründer der Nouveau- Bewegung, hat hier gewirkt und ihm ist auch eine Ausstellung im Lighthouse gewidmet. Vom Turm desselben hat man einen genialen Rundblick über diese so eigentümliche Stadt. Und hier oben kann man sich auch fast ein bißchen in sie verlieben. Die Ausstellung selber ist eher mäßig, oder nur für wahre Kenner interessant. Ich bin ja nicht so der Architekturfreak. Trotzdem sollte man, einmal in Glasgow, unbedingt einen Besuch einplanen, allein wegen der Aussicht vom Turm. Vielleicht hat man ja, wie ich, Glück, und oben auf der Plattform spielt grad jemand Dudelsack. Da stört auch kein Regen, so schön ist das Gesamtpaket.

Zwar hörte es irgendwann auf zu nieseln, trotzdem habe ich beim Gang durch die Innenstadt immer wieder Abstecher in Museen gemacht, in die man fast überall ohne Eintritt kommt.

Und am Abend war ich wieder am Clyde. Das Hostel, in dem ich mich in einem 14- Frauen- Bett- Raum einquartiert habe, liegt direkt am Fluss (übrigens in Sichtweite des Central!!!). In meinem Lonely Planet wird es als ungemütlich beschrieben und laut. Dem kann ich nicht zustimmen. Klar, es ist mit seinen 9 Stockwerken eine Bettenburg. Aber laut ist es nicht, und auch die Küche, die als zu klein beschrieben wird, ist eigentlich ausreichend. Das Frühstück ist im Preis mit einbegriffen und wem die 7 Sorten Flakes, das Toast, Marmelade, Butter und Honig nicht reichen, der kann an der Theke gegen einen Aufpreis noch warme Sachen ordern. Kaffee, Tee und Säfte stehen auch unbegrenzt zur Verfügung.

In der 2. Nacht wird es dann allerdings doch laut. Durch das geöffnete Fenster dringen das Krakelen und die Streitereien der Penner, die sich am Flussufer gesammelt haben.

Ich hatte am Abend noch lesend auf einer Bank gesessen, als sich die ersten ihre Plätze unter den Brücken suchten. Belästigt wurde ich aber von keinen von ihnen, sondern von einem älteren Herrn, der mir eine Bibel andrehen wollte. Ich bin auf die andere Uferseite geflüchtet, wo ich dann doch noch erleben konnte, wie die Sonne durch die Wolken lugte und mir einen einigermaßen angenehmen Sonnenuntergang bescherte.

Glasgow ist eine merkwürdige Stadt. Ich fühle, dass da noch etwas ist, das sich lohnt, entdeckt zu werden. Gleichzeitig weiß ich, dass die Stadt mich bei einem weiteren Besuch langweilen würde, sollte ich ihr nicht auf die Schliche kommen.

So verlasse ich sie am Samstag eher irritiert. Und auch etwas zeitiger als geplant.

In Edinburgh, Schottlands wunderschönen Hauptstadt, besteht zu keiner Zeit die Gefahr der Langeweile. Meine letzten Urlaubsstunden verbringe ich im National Museum. Auch dort gibt es, im Anbau, eine Aussichtsplattform in der 7. Etage.

Auf Wiedersehen. Bis zum Februar. Spätestens.

Inselhopping 2011: Glasgow
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