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Viel Fleisch – wenig Stoff

August 1, 2011

Gestern, im Fitnesstudio, mußte ich an einen Blogeintrag denken, den ich kürzlich las (leider habe ich vergessen, wo). Da ging es ums FKK-Baden und eine Bloggerin fand den Anblick nackig badender, meist älterer Herrschaften, unästhetisch.

Ja, Nacktbadende sind meist ältere Menschen, so über 30 mindestens.

Letztens, als noch Sommer war, und wir uns am Cossi zum Paddeln, Schwimmen, Skaten, Laufen und Picknicken trafen, diskutierte ich mit meiner mich begleitenden Couchsurferin aus Frankreich über den Nudismus in den beiden Nachbarländern. Wir lagen, ordentlich in Bikini bzw. Badeanzug  gehüllt zwischen meinen Sportfreunden und anderen Seebesuchern. Nun, ich will das Gespräch hier nicht im Ganzen wiedergeben. Es endete jedenfalls damit, dass ich feststellte, dass ich heutzutage doch meistens Badekleidung mit mir führe, dann am See nach Checken der Lage entscheide, ob ich nun nackig oder nicht. Wenn ich natürlich eigentlich mit dem Rad unterwegs bin und dann nur mal kurz und spontan der Hitze wegen ins Wasser hopse, dann tue ich das bar jeglicher stofflicher Hülle, egal wie bekleidet die Umliegenden sind oder nicht. So weitete sich die Diskussion aus auf meine Deutschen Freunde. Seltsamerweise baden unsere Kinder alle nicht nackig. Das verdanken wir der Demokratie. Oder, wie Birgit schmunzelnd meinte, den Wessies. Es gibt nämlich ein Alter, da zeigt sich der Heranwachsende höchst ungern ganz ohne Kleidung. Als ich in dem Alter war und mich zieren wollte, kriegte ich ein kurzes „Hab Dich nicht so“ zu hören. Und da alles um mich herum nackig war, hatte ich mich auch nicht so. Als meine Mädchen dann nach und nach in dieses Alter kamen, half ein „Hab Dich nicht so“ überhaupt nicht mehr, weil nämlich längst nicht  mehr alle um uns herum „Fleisch zeigten“. Da lagen Nackige neben mehr oder weniger nach dem letzten Schrei der Bademode Bekleideten und diesen seltsam unschlüssigen Frauen, die zwar ihre Brüste gern zeigen, unterhalb des Nabels aber kneifen. Wie soll man da heranwachsenden Mädels klar machen, dass, wenn alle nix anhaben, niemand sich an den vermeintlichen Unzulänglichkeiten anderer Körper stört? Denn das ist das Phänomen der Freikörperkultur. Die Formen anderer Leiber werden plötzlich Schnuppe, wenn man sich selber präsentiert, wie Gott einen geschaffen hat. Erst, wenn man sich verhüllt, bekommt man den Blick für andere Körper. Besonders aber fallen dicke Bäuche, hängende Brüste und fette Ärsche auf, wenn diese in knappe Bekleidung gezwängt wird.

Und so ging es mir gestern im Studio. Da ich ein solches besuche, dass der Volkskrankheit „Rücken“ den Kampf angesagt hat, können Sie sich sicher vorstellen, dass der überwiegende Anteil des Klientels älteren Semesters ist. So ist eher nicht damit zurechnen, in den Garderoben und Duschen junge knackige Körper bewundern zu dürfen. Die Festigkeit des Fleisches läßt bei den Meisten altersbedingt zu wünschen übrig und auch die Idealfigur ist eine Erinnerung aus längst vergangenen Tagen. Kein Grund zur Aufregung. Wie sehen alle so aus. Mehr oder weniger. Doch wenn nun diese aus den Proportionen geratenen Hintern in String-Tangas, Tongs und deren Verwandte gepreßt werden, dann ist die Grenze meines Wohlfühlgeschmacks erreicht. Im verzweifelten Versuch, hip zu sein und sich solang wie möglich jung zu zeigen, wird die Vergänglichkeit des Körpers und des Lebens durch derart ungeeignete Kleidung nur hervorgehoben und betont. Daran mußte ich gestern denken, als ich mich in der Garderobe des Fitnesstudio schaudernd abwendete.

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11 Kommentare leave one →
  1. August 1, 2011 12:45 pm

    Du lieferst mir einen weiteren guten Grund, nie jemals eine solche Folterörtlichkeit aufsuchen zu wollen …

    Und nun macht mir bitte mal jemand dieses gruselige Kopfkino aus!?

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  2. August 1, 2011 6:16 pm

    Wahrscheinlich war es bei Frau Buchstäblich.

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    • August 1, 2011 7:06 pm

      Oh danke!

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      • August 1, 2011 7:08 pm

        Und wie geht das jetzt mit diesen Trackbacks und Pingbacks?

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      • August 1, 2011 9:10 pm

        Pingback nennt sich die Nachricht/der Kommentar, der automatisch in dem (wordpress.com-)Blogeintrag erscheint, auf den Du in Deinem Blog verlinkst (nicht auf den gesamten Blog, also nicht auf deremil . wordpress. com, sondern einen einzelnen Eintrag).

        Für außerhalb von wordpress.com liegende Blogs findet sich oft die Angabe eines Trackback-URI (URL) oder ein Permanent-Link, die zum Verlinken mit dem entsprechenden Blogeintrag genutzt werden sollte. Oder der Link aus der Adreßzeile des Browsers wird genutzt. Den mußt Du dann zusätzlich bei der Bearbeitung / Erstellung Deines Artikels im vorgesehenen Feld (unter dem Text im Bearbeitungsbildschirm) eintragen.

        HTH

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  3. August 1, 2011 11:48 pm

    Oh, danke Emil. Ich probier’s im nächsten Blogeintarg aus

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  4. August 4, 2011 9:33 am

    ich seh das genauso locker wie du. natürlich hatte ich in der pubertät auch so meine phasen… mein gott. manchem leuten wünscht man nicht, dass sie alt werden…

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    • August 5, 2011 5:09 pm

      Ja, ne? Man muss auch ein bißchen um seine liebgewordenen Angewohnheiten kämpfen. Leider sind die Kinder, obwohl weitestgehend der Pubertät entwachsen, nie zu Nacktbadern geworden. Meine und die meiner Freunde nicht. So werden wohl auch hierzulande irgendwann nur noch verschrumpelte Greise unbekleidet an Badeseen rum liegen. Mit 20jähriger Verspätung (zu den „68ern“ im Westen) sozusagen. Aber das war ja schon immer so, dass hier alles ein bißchen später ankommt.

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  5. August 4, 2011 10:00 am

    Ja, Nacktbadende sind meist ältere Menschen, so über 30 mindestens.
    Boah Gertje, das ist aber voll fies und das zum Donnerstag morgen 😀

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