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Konflikt

Juli 29, 2011

Ich befinde mich gerade in einem inneren Konflikt.

Ich möchte nicht zu den Alten gehören, die sich, ihre eigene Jugend scheinbar vergessend, über jeden Mist aufregen. Deshalb ertrage ich auch die donnerstäglichen „Konzerte“ in der Galerie für Zeitgenössische Kunst, die Fêten in den Hochschulen um mich herum. Die Jünger der Gruppe „Trommel Dich frei“ im Park nebenan, die Cello-und Posaunenproben in der Musilhochschule, und im Sommer, wenn der Park nachts zu ungeahntem Leben erwacht, stelle ich mir einfach vor, dass ich im Freibad liege. Das stört zwar alles manchmal, aber dafür wohne ich halt zentral und doch weitab vom Verkehrslärm, quasi im Grünen 5min Fußweg von der Innenstadt und der Karli entfernt. Nein, diesen Zustand könnte ich ja ändern, ich bräuchte ja nur umzuziehen. Das wäre also sozusagen unter der Kategorie „selbst gewähltes Leid“ einzuordnen, wenn ich mich denn darüber beschweren wöllte.

Nein, wer mich in eine Sinnkrise treibt, ist mein Nachbar. Das klassische Modell: Freundin, Kind, Hund. Offensichtlich ist die Wohnung für soviel Leben zu kleine, weswegen der Müll konsequent vor der Wohnungstür gelagert wird. Also im Treppenhaus. Gern auch mal die ganze Nacht lang. Oder eine Nacht und noch einen Tag daran. Muss auch nicht immer mit genommen werden, wenn man das Haus verläßt, wie ich letztens bemerkte, als ich meinen Nachbarn traf, als er das Haus mit Kind und Hund verließ, ich den Müll aber noch oben vor der Wohnungstür vor fand. Das stinkt. Jetzt im Sommer, auch wenn er den Namen eigentlich gar nicht verdient, findet sich auch die eine oder andere dickere Fliege ein, von diesen kleinen Obstdingern ganz zu schweigen.

Nun könnte ich zum Nachbarn gehen und ihm sagen, wie sehr mir das stinkt.

Dumm ist nur, dass ich mich schon mal bei ihm beschwert habe. Ungefähr 5 Monate, nachdem er eingezogen war. Es war einfach nicht zum Aushalten. JedenTag bohrte und hämmerte er, als wäre das nebenan sein Hobbykeller und nicht eine familientaugliche Wohnung. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, nur tat er dies konsequent werktags so zwischen 7 und 10 abends, und am Wochenende so ab 12 mittags (da war dann allerdings immer 15:00 Schluß damit, da war er wohl zum Kaffeetrinken bei Mama und Papa. Manchmal setzte er seine Bastelarbeiten dann allerdings abends fort).

Wie gesagt, nach ca. 5 Monaten war meine Toleranzgrenze überschritten. Ich forderte ihn höflich auf, seine Umbaumaßnahmen doch auf Tageszeiten zu verlegen, an denen der durchschnittliche Bürger nicht schläft und vielleicht auch, eingedenk der vielen Kinder im Haus, die Mittagsschlafzeiten auszusparen.

Ja, wie das gehen solle, fragte er, er sei ja schließlich voll berufstätig. Oh, das bin ich auch. Daneben hatte ich, als ich hier einzog, noch zwei minderjährige Töchter, war frisch geschieden und auf die Hilfe von Freunden angewiesen. Trotzdem ist mein Bad komplett saniert, wirklich komplett von der Fliese bis zur Badewanne, der Eßbereich laminiert, die Küche gefliest, ein paar Wasseranschlüsse verlegt und die Elektrik auch teilweise erweitert. Alles irgendwie zwischen 7:00 und 19:00 werktags und 8:00 und 12:00 Uhr samstags. Und es hat auch keine 5 Monate gedauert. Das läßt sich organisieren, und ich bin sicher, dass schafft er auch.

Hat er auch.

Nun also sind zum Hund noch Freundin und Kind gekommen. Der Hund wird vor der Wohnung saubergewischt. Das Handtuch bleibt im Treppenhaus liegen, was besonders bei Regen sehr lecker riecht. Jetzt ist seit ein  paar Wochen noch der Müll dazu gekommen.

Jedesmal, wenn sich Couchsurfer bei mir anmelden, warne ich die schon vor und versichere ihnen, dass es in meiner Wohnung nicht stinkt. Meine Freunde und Verwandten kennen das ja schon und halten im Treppenhaus einfach die Luft an. Genau wie ich.

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4 Kommentare leave one →
  1. beni permalink
    Juli 29, 2011 1:32 pm

    Hallo,

    Ich würde mal auf dem Flohmarkt nach einer grossen Flasche 4711 oder so Ausschau halten. Dürfte günstig zu bekommen sein, und stinkt sicher angenehmer als der Müll alleine, also grosszügig drüberkippen. Oder du probierst es mit Eskalation, sagtest du nicht mal was von Labor, Ammoniak oder so….

    Gruss
    Beni

    ps Derartige Empfidlichkeiten haben ganz sicher nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit intaktem Riechvermögen.

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    • Juli 29, 2011 4:15 pm

      Ja, irgendso ein Stinkerzeugs…
      Als ich heute meinen eigenen Restmüll in der Hand hielt, dachte ich mal kurz daran, ihn einfach mit vor Nachbars Wohnungstür zu stellen. Ich war mir nur nicht sicher, ob das nu kreativ oder aggresiv ist. Also ich weiß nicht, ob er DEN Wink verstehen würde.

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  2. MannimMond permalink
    Juli 30, 2011 5:48 pm

    Ich halte den Vorschlag von Beni für weniger geschickt. Wenn Dein Nachbar will, zeigt er Dich wegen der Nummer an, bei Ammoniak hast Du da noch vielleicht ne Körperverletzungsklage am Hals.

    Mein Vorschlag:
    Erstmal würde ich den Nachbar direkt darauf ansprechen, selbst wenn man da als Nörgler dasteht, notfalls zusätzlich schriftlich formulieren (so ein Brief sieht besser aus).
    Falls das nichts hilft, würde ich den klassischen Weg über den Vermieter gehen und diesen bitten, das bei Deinem Nachbarn abzustellen. Mach so etwas schriftlich, schreibe da dann auch rein, dass Du Deinen Nachbar bereits angesprochen hast, füge als Beweis ein paar Fotos dazu und ab per Einschreiben. Falls nach 4 Wochen sich immer noch nichts geändert hat, würde ich den Vermieter nochmals anschreiben, die Miete um etwa 10% kürzen (das ist eindeutig ein Mietmangel) und den Grund in dem Brief anführen.

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  3. Juli 30, 2011 7:45 pm

    wie nervig. 😦

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