Skip to content

Allein Allein…

Juli 20, 2011

Nun ist es also fort, das Kind. Mit ihrer besten Freundin, einem Interrailticket und dem Rucksack ab Richtung Süden. Ziel: irgendwie Spanien. Mal sehen, was so passiert. Sicher ist nur, dass sie drei, vier Tage auf dem Jacobsweg wandern wollen. Seit sie da als Siebenjährige mit mir und Freunden unterwegs war, will sie da noch mal hin. ( http://inch.beepworld.de/jacobsweg.htm )

Diese Art Urlaub hat sie ja von mir gelernt. Als wir noch ein Auto hatten, wussten wir oft auch nur die Himmelsrichtung.

Aber das war was anderes! Da war ich ja dabei!

Als ich sie im Bus davon fahren sah, hat sich, für einen kurzen Moment, mein Brustraum etwas zusammengezogen, wegen dem Vakuum, das sich darin bildete. Schon blöd, so ein Mutterherz. War ja auch nur ganz kurz.

Das ist schon seltsam. Ich habe angestrengt nachgedacht, ob es mir bei Elli’s erster Urlaubsreise auch so ging. Kann mich nicht erinnern. Habe in Tagebüchern gestöbert und keinerlei Hinweis auf diese Art Trennungsschmerz gefunden.

Wieso ist das so? Ich hab dann immer ein Schuldgefühl und frage mich: Hab ich die Große etwa weniger lieb als die Kleine? Nein! Die Frage kann ich ehrlichen Herzens mir Nein beantworten. Als es der Großen vor drei/vier Jahren schlecht ging, habe ich die Kleine über Ostern mit Freunden nach Frankreich geschickt, mir die Große nach Hause geholt, und sie fast zwei Wochen bemuttert.

Woran liegt das also?

Wie immer wird es mehrere Antworten auf diese Frage geben. Keine wird die Sache entgültig und schlüssig erklären können, aber jede ein bißchen zum Verständnis beitragen. Da ist natürlich, dass Elli durch ihren Sport viel unterwegs war. Zu Wettkämpfen und in Trainingslagern. Da hatte ich mich daran, dass sie nicht zu Hause ist, schon so sehr gewöhnt, dass, als sie dann das erste Mal fast allein in den Urlaub gefahren ist, mir das gar nicht mehr so schwerwiegend vorkam. Zumal sie da ja schon älter war als die Kleine jetzt. Dann kommt natürlich noch dazu, dass meine Muttersorgen vor sieben bzw fünf Jahren noch „geteilt“ waren. Ich hatte ja noch die Kleine, auf die ich mich stürzen konnte. Klingt ein bißchen ungerecht, aber dafür hat die Große die ersten sieben Jahre meine ungeteilte Aufmerksamkeit genossen. Obwohl, da war ich ja jünger. Mit Mitte 20 ist man schon etwas gelassener, reagiert nicht auf jeden Pups, den die Brut von sich gibt. Mit über 30 hab ich da schon anders reagiert.

Oder lag das daran, dass die Kleine mit gesundheitlichen Problemen geboren wurde und viel Aufmerksamkeit benötigte bzw wir als Eltern dazu neigen, kranke Kinder etwas überfürsorglich zu betrachten? Waren Ellis ernstzunehmende gesundheitlichen Probleme vor einigen Jahren etwa eine späte Antwort darauf?

Oh, ich seh schon die Psychologen! Nein, lasst mich in Ruhe! Denkt Euch Euren Teil, aber lasst mich in Ruhe. Ich hab zwei wunderbare Töchter. Ich habe schon versucht, als beide noch zu Hause lebten, scheinbare Ungerechtigkeiten auszugleichen, indem ich zum Beispiel mal nur mit der Großen allein für ein paar Tage weggefahren bin, damit sie die Mama  ganz für sich hat. Und ich denke, ich habe die Kleine auch nicht zu sehr bemuttert. Sie ist nicht wie eine Kranke aufgewachsen, hat ihre Einschränkungen in ihr Leben und den Alltag integriert. So sehr, dass ich sie kürzlich daran erinnern musste, als sie für einen kurzen Zeitraum glaubte, sie wäre wie alle anderen. (Sie hätte mir natürlich nicht geglaubt, wäre es ihr nicht sofort gesundheitlich schlecht gegangen).

Ich bin auch nicht ständig rumgerannt und habe mich vor anderen Müttern mit den Problemen meines Kindes gebrüstet! (Manchmal hab ich ja schon den Eindruck, dass Mütter vor allem kleinerer Kinder sich etwas unvollkommen fühlen, wenn ihre Kleinen nicht wenigstens eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, noch besser natürlich Neurodermitis oder ADS haben).

Dafür hab ich, als die Große vor sieben Jahren schwer krank wurde, einer sturen Hausärztin die Hölle heiß gemacht, bis sie mir nach Androhung anderer Maßnahmen eine Einweisung ins Krankenhaus ausstellte, wo dann nach mehreren Untersuchungungen und Tests eine chronische, ernstzunehmende Darmentzündung diagnostiziert wurde.

Vielleicht war das komische Gefühl, dass mich bei der Abfahrt des Kindes befiel auch einfach der Tatsache geschuldet, dass ich in eine leere Wohnung zurückgekehrt bin. Und diese Situation ist neu.

Ab in den Urlaub

Advertisements
No comments yet

Meinungen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: