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Tote Frau mit Schwimmbrett

Juli 17, 2011

Ich geb‘s zu. Ich kann nicht schwimmen. Also nicht so richtig. Ein bisschen schon, aber meine großen Tochter, eine Triathletin, überkommt bei diesem Anblick das schiere Grausen.

Hat mich aber nie gestört. Ich bin nicht so der Wassertyp. Also, ich fahre natürlich gern Faltboot. Oder jage in Südfrankreich durch Stromschnellen. Aber im Wasser selbst rumplanschen. Nee. Das ist nicht mein Ding. Stundenlang am Strand rumliegen, so spannend kann ein Buch gar nicht sein. Natürlich hab ich mich überwunden, früher, als die Kinder klein waren. Ich hab sogar zwei Mal Badeurlaub gemacht. Also fast. Einmal war ich in Tunesien, wo wir aber den ganzen Tag mit diesen Sammeltaxen durchs Land gekutscht sind und nur abends den Pool heimgesucht haben. Ein paar Jahre später haben wir dann ganze zwei Wochen auf einem Zeltplatz auf der Sorrentiner Halbinsel verbracht. Einen Tag war Kultur und Wandern angesagt, den nächsten Strand. Und so immer im Wechsel. Zwei Wochen lang! Ich war natürlich auch an der Ostsee und an der Nordsee – Radfahren.

Neuerdings aber ärgert mich das schon. Ich würde nämlich jetzt doch gern schwimmen können. Rückenschwimmen. Weil alle sagen, das sei gut für den Rücken. Dann könnte ich einmal in der Woche in die Schwimmhalle gehen und was für meine kaputten Bandscheiben  tun. Auf der Brust soll ja dafür nicht so gut sein.  Ganz sicher nicht, wenn man so Brust schwimmt wie ich.

Ich hab mich also umgehört. Und Empfehlungen und viele gute Ratschläge eingeholt. Dann habe ich dieses Schwimmbrett bestellt. Ist nun auch tatsächlich nach einigen Verwirrungen angekommen. (siehe hier )

Nun musste ich gestern nur noch eine Stelle am See finden, wo mich niemand sieht. Denn wie bitte schön sieht das denn aus, wenn ich, mit über 50, zwischen all den kleinen Seepferdchen und Leistungsschwimmern mit meinem Brett rummache. Ich hab zwar letztens gelesen, dass 50% aller Grundschüler nicht schwimmen können. Das hat mich sehr verwundert, fast ein bisschen erschreckt. Haben die das nicht alle in der Schule? Also wenn ich dienstags zur Wassergymnastik gehe, sind jedenfalls im Becken  nebenan neben den schnuckligen Feuerwehrmännern immer auch Schulklassen zu Gange. Wieso kann das also jedes 2. Kind nicht?  Sogar wir hatten schwimmen in der Schule. Also ich ja nicht, weil ich erst in so eine kleine Dorfschule gegangen bin und das gab’s weit und breit keine Schwimmhalle, nicht mal einen See. Und als ich in die Stadt kam, da hatte ich plötzlich eine 5 in dieser Teildisziplin, denn die Schwimmprüfung wurde auch in den großen Klassen jedes Jahr abgenommen. Zum Glück bin ich dann sehr schnell Radrennfahrerin geworden. Und weil ich gut war und man damals noch der Meinung war, die Wasserplanscherei wäre gar nicht gut für Radsportler (Triathlon war da noch nicht erfunden), hatte ich eine hübsche Befreiung und bekam immer eine 1, obwohl ich noch nicht mal seepferdchentauglich war.

Wie dem auch sei, ein bissl doof wäre ich mir schon vorgekommen, an so einem vollen Strand.

Nun gibt es im Süden der Stadt (im Norden auch) ein paar ehemalige Tagebaue, die man voll Wasser laufen lassen hat und lässt. Rekultivierung heißt das Zauberwort. Zu einem von diesem habe ich mich heute also verfügt. Mit dem Rad.

Zeitzeuge

Nun hat L.E. sehr viel Grün. 50% des städtischen Gebiets sind Wiesen, Auen und Parks, 7% sogar Wald. Da fahre ich also bei mir los (ich wohne im Zentrum!) und nachdem ich den gut besuchten Park gleich hinterm Haus durchquert habe, sieht es dann so aus:

Vonnewitzer Holz

Das ändert sich natürlich, je mehr ich mich Connewitz nähere. Da gibt es nicht nur viele Menschen, sondern vor allem doppelt so viel Hunde. Es scheint, als gehört zum Punk oder Alternativ sein mindestens ein Hund, eigentlich zwei. Aber ich schweife ab.

Der See, den ich mir ausgesucht habe, ist noch nicht ganz so bevölkert wie z.B. der Cospudener. Trotzdem sind, für meinen Geschmack,  viel zu viele Leute da. Fast denke ich: Das wird nix. Gut, bist Du wenigstens Rad gefahren. Schon dafür hat sich der Versuch gelohnt. Und merkwürdige Dinge gibt es unterwegs zu entdecken, Dinge, die sich Kunst nennen…

Das Rad gehört nicht zum Kunstwerk, ist aber auch sehr hübsch

????????

Doch gegenüber der Uferpromenade finde ich tatsächlich ein einsames Plätzchen. Nicht nur an Land ist es leer, auch im Wasser bin ich ganz alleine!

Das Wasser ist glasklar, was nun allerdings wieder fast ein bisschen eklig ist, weil ich genau sehe, was unter mir ist. Ich will das nicht sehen. Muss ich ja dann auch nicht mehr, als ich auf dem Rücken liege, mit meinem Schwimmbrett auf dem Bauch, das ich dann irgendwann nur noch ein bissl anfasse. Ganz tapfer. Huch ist das schön. So plansche ich vergnügt eine halbe Stunde rum, lasse mich auf dem Wasser treiben, spiel toter Mann … äh Frau. Tote Frau mit Schwimmbrett.

Wer hätte das gedacht, das Wasser auch ohne Boot so viel Spaß machen kann.

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