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Freiheit für die Füße

Juli 8, 2011

Stiefel scheinen auch diesen Sommer wieder, oder noch,  Mode zu sein.

Jedenfalls fuhr heute ein Mädchen bei gefühlten 50°C in ebensolchen vor mir auf dem Radweg. Nicht irgendwelche modifizierte, mit Löchern da, wo an Stiefeln eigentlich keine sein sollten, oder runter gekrempeltem Schaft. Nein, die Dinger umschlossen eng Fuß und Wade und endeten nur knapp unter den Knien.

Dazu trug sie ein knappes Top und Hotpants, die, ich hab mich erkundigt,  nur 2/3 der Pobacken bedecken dürfen, um das Attribut modisch im Namen führen zu dürfen.

Aber die Stiefel!

„Mädchen!“, möchte ich da dem jungen Ding nachrufen,“ denk doch mal an Deine Füße“. (Ich tu das natürlich nicht. All zugut kann ich mich an den älteren Herrn erinnern, der mir, damals 15jährig, hinterher rief:  “Mädchen, denk doch an Deine Nieren“, und daran, was ich damals über den besorgten Opa dachte. Nein, ich möchte nicht, das ein fremdes junges Mädchen sowas auch nur ansatzweise über mich denkt). „So eingesperrt, das tut denen gar nicht gut“

Ich weiß wovon ich rede. Als zu einem Bauern, wenn auch diplomiert,  gehörend, haben meine Füße gefühlte 100 Jahre in (Gummi)Stiefeln verbracht. Sie kennen die Dunkelheit, die aufgestaute Hitze, das muffig feuchte Klima, das die Socken nass werden lässt und schämten sich Hunderttausend Mal für den Geruch  (Ah der Geruch), den sie verströmten, wenn sie, nach des Tages Werk, endlich aus der  erstickenden Finsternis in die Freiheit entlassen wurden. Oh, wie genossen sie diese, liefen am liebsten barfuß durch die Welt, trugen schon sehr früh im Jahr und sehr lange Sandaletten, und zwar ohne Strümpfe, und   niemals, niemals außerhalb der Arbeit Stiefel, so sehr die Mode auch danach schrie. Seit ca. 10 Jahren müssen die armen Dinger nicht mehr in diese schrecklichen Bodden und seit zwei Jahren, nachdem gaaaaaaaanz sicher war, dass die hundertjährige Haftstrafe ohne Spuren an ihnen vorbei gegangen ist und sie gaaaaanz sicher nicht unvermittelt, quasi in Erinnerung an alte Zeiten, zu muffeln anfangen, trauen sie sich im Winter auch in die modische Variante.

Denn stellen Sie sich doch das bitte Mal vor:

Sie  machen sich hübsch für den Abend , schlüpfen in die High Heels, tragen geschmackvolles Make Up auf und dann, während Sie mit dem Auserwählten oder, noch schlimmer, mit Geschäftspartnern am Cocktail schlürfen, steigt dieser Geruch empor. Nicht auszudenken!  Also nicht,  dass ich High Heels trüge, und auch Make Up  lasse ich nicht an meinen Körper. Trotzdem. Wer möchte schon die Füße in der Garderobe lassen.

Und diese jungen Dinger? Später in der Stadt habe ich noch mehr davon gesehen. Wahlweise trugen sie Miniröckchen oder eben angesagte Hotpants zu den Stiefeln. Ob sie wissen, was sie tun?

Ps.: 8:27 Uhr: Das ist natürlich alles gestern passsiert. Denn heute ist Stiefelwetter, zumindest was die Luftfeuchtigkeit betrifft.

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