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Geburtstag

Mai 31, 2011

Den 50. Geburtstag zu feiern gehört in Deutschland zu den Pflichten jedes Bürgers. So wie man Hochzeiten feiert und Silberhochzeiten und die Goldene und, falls die Paare, so sie nicht eh schon geschieden sind, so lange leben, die Diamantene natürlich, im Osten den Schulanfang und in Ost und West Jugendweihe und  bzw. Konfirmation.

Die Familie möchte eingeladen werden und erwartet  bei einem rauschenden Fest bespaßt und beköstigt zu werden. Beim Schulanfang darf es durchaus kindlich fröhlich zugehen, bei Jugendweihen halten es manche Väter für Tradition, ihre Söhne zum ersten Mal abzufüllen, während der Freund der Tochter nur ungern als Gast gesehen wird. Zur Hochzeit läd man sich auch gern Freunde ein (Polterabende scheinen ja nicht mehr ganz dem Zeitgeist zu entsprechen).

50. Geburtstage aber gehen seriös zu. Schließlich befindet sich der Jubilar in gesetztem Alter. Die Kinder sind (im Normalfall) erwachsen und vielleicht gibt es sogar schon das erste Enkelchen zu bewundern. Die Eltern des Geburtstagskindes leben noch und mehr oder weniger zahlreiche Onkel und Tanten, vielleicht sogar die Großeltern. So liegt der Altersdurchachnitt irgendwo über 50 – je nachdem wieviel Nachwuchs die Familie hervorgebracht hat und wieviele der Elterngeneration noch unter den Lebenden weilen. Meistens beginnt so eine Feier mit dem Kaffeetrinken oder Abendessen. Man sitzt an dem Anlass entsprechend dekorierten Tischen,  um welche die Kinder alsbald (wenn der Teller aufgegessen) je nach Schmerzempfinden der Erwachsenen toben dürfen und die Jugendlichen schon während der Vorspeise beten, dass dieser Tag bald zu Ende gehen möge.

Nach einer entsprechenden Menge Alkohol werden die so ab 40jährigen fröhlicher und beweisen sich und allen Anwesenden noch mal, wie sie’s drauf haben, tanzen ausgelassen zu Schlagern oder den Rolling Stones und erzählen Geschichten aus ihrer wilden Jugend.

Ich weiß wovon ich rede. Ich war schon auf vielen 50. Geburtstagen, als Kind, als Teenager, als Tochter, Nichte und in den letzten Jahren auch als Cousine.

Ich war auch als „Kumpel“ schon auf solchen Geburtstagen. Ohne dekorierten Tischen, und ohne kaltem und warmen Buffet, dafür mit vielen anderen Kumpels und Life Musik. Auf diesen Parties fehlten aber die meisten Familienangehörigen, maximal der lebenspartner und evtl die Kinder des Jubilars waren anwesend. Die  Feier für die Familie hatte man schon irgendwo anders und in würdigerem Rahmen hinter sich gebracht.

Ich dachte mal, ich schmeiße das alles zusammen. Meine Familie kennt mich schließlich schon seit ein paar Jahrzehnen und sollte nicht zu schockiert sein. Meine „alten Kumpels“ werden sich trotzdem amüsieren. Unsicher war ich mir nur mit meinen Sportfreunden. Schließlich bin auch ich irgendwann, nachdem ich das Rennrad schon einmal gegen den Spaß getauscht hatte, wieder dem Wahn des Sportelns verfallen. Zum Glück aber wird dieses Sporteln hauptsächlich durch Klettern bestimmt, und zwar Klettern in Sachsen. Und Sächsische Kletterer sind nicht zu verwechseln mit den gesundheitsbewussten Trendsettern aus anderen Regionen der Republik, wenn sie auch nicht, wie ihre Böhmischen Kollegen zwingend ein Bier brauchen, um überhaupt erst mal den Einstieg in die Wand zu finden.

Eigentlich sollten die also gut auskommen mit meinen ganz alten Freunden, zumal die, die Kletterer, mich ja nun auch schon Weilchen kennen.

Und so habe ich tapfer zur Fête eingeladen. Mit ohne kaltem und warmen Buffet. Dafür mit Würsten und Steaks vom Grill, dazu für gesundheitsbewusste Schweinefleischverweigerer leckere Salate  (keine Angst, die Gurke aus Spanien war nicht dabei) und Käsesuppe, mit einer Lifeband und gutem Wetter. Natürlich hatten doch einige Verwandte, nach fadenscheinigen Ausreden ringend, abgesagt. Zwei Cousinen haben sich tot gestellt. Aber, ich habe eine große Familie, quasi einen Italienischen Clan, und es blieben genügend Cousins und Cousinen übrig, die sich nach Connewitz wagten.

Es war ne  Party, die mir selber viel Spaß gemacht hat, die diversen Gäste haben es vermieden, Fraktionen zu bilden, sich stattdessen vermischt und getanzt und dabei fast das gesamte Hefeweizen ausgetrunken.

Nur meine Arbeitskollegen, als Gäste bei 50. Geburtstagen ja nicht ganz unüblich, die habe ich dann doch lieber nicht eingeladen. Schließlich kennen die mich erst seit 5 Jahren. Und wer will schon seinen guten Ruf  riskieren?

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2 Kommentare leave one →
  1. Juni 9, 2011 1:45 am

    Jaja, die „alten Laster“ 🙂 Glückwunsch noch nachträglich!

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    • gertjeedelmann permalink
      Juni 9, 2011 5:22 am

      Danka Danke! Ich hoffe, Du meinst mit alten Lastern nicht die alten Freunde *ggg* Nein, ich versteh schon, wen bzw was Du meinst. Denke ich jedenfalls…

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