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Wenn eine(r) eine Reise tut… oder: Es ist Winter!!!

Dezember 8, 2010

Ich hab mich in Britannien ja gern ein bisschen lustig gemacht, weil da alles zusammenbricht, wenn ein bissl Schnee liegt. Immerhin hatten Busse mehr als 4 Stunden Verspätung und es lag wirklich kaum Schnee. Und ich musste mich ja auch ein bissl wehren, weil ich immer ausgelacht wurde, weil mir so kalt war.

Nuja, Hochmut kommt vor Fall. Oder so.

Erinnert Sie sich Euch an den 1. Dezember 2010? Das war der Tag, als in Deutschland das Eisenbahnnetz quasi zum Erliegen kam, weil es Winter wurde. Natürlich völlig unerwartet und überraschend. Seltsam nur, dass das Kleine Kind mir schon am 25.11. geschrieben hatte, dass es in Leipzig schneit.

Ich jedenfalls bin am 1. Dezember 2010 nach Hause gefahren bzw geflogen.

Mitten in der Nacht hat mich das Taxi am Cardiff Central abgesetzt, der Zug nach London hatte etwas Verspätung, war aber nicht so schlimm, ich hatte genug Puffer eingeplant.

In London Stansted habe ich so spät wie möglich eingecheckt. Man kennt das ja. Man befindet sich im Abflugbereich und plötzlich werden 3 stündige Verspätungen angekündigt. Bei der Kontrolle hatte mich einer der Beamten noch grinsend gefragt, ob in Berlin Schnee liegt. Das wusste ich nicht, aber ich konnte ihm sagen, dass in Leipzig schon seit ner Woche Schnee liegt. Er hat mir gute Reise gewünscht…

Erst als wir zum Gate kamen, wurde uns mitgeteilt, dass der Flug ausfällt.

Aber vielleicht geht doch noch einer. Später.

Ich starrte den Beamten entgeistert an.

Ja, meinte er, ich solle mich im Abflugbereich aufhalten, hier gäbe es genug Cafes und Bars, um die Wartezeit zu überbrücken.

Hä??

Ich hab mich wirklich in ein Café gesetzt, das netbook rausgeholt und versucht, mich nicht von den Dramen, die sich um mich herum abspielten, beeinflussen zu lassen.

Ein paar Stunden später sehe ich eine Ryan Air Maschine zum Gate rollen. Hm. Hat zwar keine Durchsage gegeben, aber ich gehe mal trotzdem nachsehen.

Natürlich ist es meine Maschine nach Berlin und man geht schon an Bord. Ich auch.

Der Kapitän erzählt was von Unwetter und die Briten um mich herum werden blass

Manchmal ist es gut, Ausländer zu sein und als solcher nur die Hälfte zu verstehen.

In Berlin Hauptbahnhof warte ich dann geduldig mir anderen Reisenden auf den Zug nach München. Schnee liegt hier übrigens nicht, aber es ist saukalt.

Per Durchsage erfahren wir, dass der Zug heut nur halb so lang wie üblich ist und die Wagons 23 bis 28 heute nicht eingesetzt werden können. Für Reisende in diesen Wagons steht in Wittenberge ein Zug zur Weiterfahrt bereit.

Dumm nur, dass wir alle was von a-d oder so auf unseren Tickets stehen haben. Der Zug trennt sich irgendwo. Ein Teil fährt bis Erfurt, der andere bis Münschen. Auch aus den Platzreservierungen ist nicht ersichtlich, wohin der eingesetzte Zug nun fährt. Kuddelmuddel und Verwirrung,

Als der Zug einrollt, kommt dann doch noch die Info, dass die Erfurter sitzen bleiben dürfen, die Münchner aber, und damit auch ich, in Wittenberg umsteigen müssen. Dafür sind bei drei Wagons die Türen jetzt schon eingefroren. Aber da alle rennen müssen, gerate ich nicht in Panik.

Entgegen der Türelektronik der Deutschen Bahn, die offensichtlich nicht für Wintertemperaturen ausgelegt ist, funktionieren die Anzeigen IM Zug recht gut. Kurz vor Wittenberg stellt eine Dame in meinem Abteil verblüfft fest, dass sich gerade die Wagennummern geändert haben. Aufklärend dann die Durchsage, dass der Zug nun doch nach München fährt, dafür alle, die nach Erfurt wollen, in Naumburg umsteigen sollen, alle die nach Halle müssen, wechseln bitte in Bitterfeld den Zug und wer in Wittenberg umsteigen soll, hab ich vergessen. Jedenfalls beginnt ein großes Umsortieren im Zug… und ich entspanne mich.

Irgendwann stehen wir auf irgendeinem kleineren Bahnhof. Draußen sieht es nun schon recht winterlich aus, mit ordentlich viel Schnee und den dazugehörigen Verwehungen. So proppend voll wie der Zug ist, kommen die Leute miteinander ins Gespräch, was ja heutzutage eigentlich kaum noch der Fall ist. Ich kenne nun schon einige Lebensgeschichten und mehrere Reisegeschichten. Es wird auch gern an den Winter 78/79 erinnert und der Vergleich zwischen Deutscher Bahn und Reichsbahn angestellt. Wir stehen ja auch ne ganze Weile rum. Ich glaube, in Delitzsch. Oder Dessau?

Am Nachbargleis steht ein Regionalzug, dessen Passagiere werden mit zu uns gestopft. Was ja ganz clever ist. Aber nun fühle ich mich doch 30 Jahre zurück versetzt, weil man selbst, wenn man zur Toilette will, noch über einen Fahrgast steigen muss und die Tür von innen ordentlich zudrücken muss.

Der Schaffner informiert über die Probleme am Leipziger Hauptbahnhof und irgendwann geht es weiter. Auf der verschneiten Straße neben dem Gleis überholt uns ein Auto.

Nach mehreren Stopps auf der Strecke erreichen wir Rackwitz. Wir hätten zwar schon lange in Leipzig sein sollen, aber nun sind as ja nur noch 10 km.

Nach einer Stunde stehen wir immer noch. Im Zug verbreitet sich eine Art Galgenhumor, im Restaurantwagen steigt eine Party und ein Zauberkünstler zeigt Kartentricks. Die Stimmung droht nur einmal zu kippen, als der Schaffner alle Türen verschließt. Da in Rackwitz der Bahnsteig, entsprechend der Bedeutung dieses Haltepunktes, kurz ist, der Zug aber genau mit den Wagons , deren Türen zugefroren sind, am kurzen Bahnsteig steht,  fallen Raucher beim Verlassen des Zuges immer wieder in den Schnee. Das kann der Schaffner nicht zulassen. Und obwohl wegen der Witterungsbedingungen kein  Schienenersatzverkehr möglich ist, schaffen es doch die Herren von der Bahnsicherheit hier raus. Dann gehen die vereisten Türen doch auf und die Stimmung im Zug wird wieder besser.

Bis der Schaffner, der sich mittlerweile lieber in seinem Abteil einschließt, verkündet, dass der gesamte Zugverkehr im Südosten zum Erliegen gekommen ist.

Hä?

Was heißt das nun?

Wir stecken hier fest, oder was? 10 km vor der Wohnung?

Meine erste Idee ist ein Taxi. Es ist immerhin Mitternacht, welche Freundschaft soll man da riskieren?

Sämtliche Taxihotlines sind tot.

Toll.

Meine Wahl fällt auf meinen Bruder.

Der ist mit mir verwandt und kann mir seine Freundschaft also gar nicht kündigen. Ich bin noch gar nicht fertig mit Telefonieren, da habe „ich“ schon zwei Mitfahrerinnen (mein Bruder fährt einen Mini, da passen nun mal bloß vier Leute rein).

Etwas über eine Stunde braucht er, um wach zu werden, seinen Mini unter dem Schnee zu finden und dann auch noch Rackwitz. Wobei letzteres wohl der schwierigste Part ist.

Übrigens werden in dieser Nacht eine Menge Freundschaften auf die Probe gestellt. Die meisten Reisenden allerdings übernachten wohl im Zug.

Ich bin so gegen 3:00 Uhr morgens zu Hause. Auf der Autofahrt sehen wir das Chaos. Der Leipziger Bahnhof, ein Kopfbahnhof, ist schlicht und einfach verstopft. Da stehen kilometerweit Zug an Zug. Das wird, wenn die Weichen enteist sind, noch ein bissl dauern, eh da alles entwirrt und entfitzt ist.

Ich laufe dann am 2.12.  zur Arbeit. Denn, wie ein Mitreisender im Zug es so schön ausdrückte: In Leipzig ist Winter. Deshalb fährt nix mehr.

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