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Eine Reise in die Vergangenheit und ein paar Gedanken über Couchsurfer und öffentliche Verkehrsmittel

Dezember 6, 2010

Beitrag vom 30.11.2010

Nach längerem Blindsein und Bobs Hilfe hatte ich am Sonntag endlich einen Buchladen gefunden und mir einen kleinen Stadtführer für Cardiff und Umgebung gekauft. Und so hatte ich mich für Montag für St. Fagans entschieden, dem Welsh Life Museum in der Nähe von Cardiff. Vom Central aus dauert die Busfahrt nur 30 min. Mit Christine habe ich mir ein Taxi geteilt. Christine ist aus Dresden und ebenfalls Couchsurferin. Sie hat drei Monate bei Bob gewohnt. Eigentlich hatte sie ihn nur gebeten, ihr bei der Wohnungs- bzw. Zimmersuche zu helfen, da hat er ihr angeboten, bei ihm zu wohnen. Christine hat in Cardiff ein dreimonatiges Praktikum absolviert. Für mich bedeutete das, dass ich am Montag von der Couch in der Wohnstube in das Bett in das nun freie Zimmer umziehen durfte. Ich musste eigentlich auch, weil Bob am Abend zwei weitere Couchsurfer erwartete, und die sollten auf die Couch.

In den Tagen bei Bob habe ich gelernt, die Dinge etwas entspannter zu sehen. Ich hab mir das jedenfalls für meine nächsten Gäste vorgenommen. Wenn wir Couchsurfer hosten, räumen wir nämlich immer die Wohnung auf, gehen mal mit dem Staubsauger durch und putzen das Bad. Außerdem füll ich den Kühlschrank, so dass wenigstens für den 1. Abend und Morgen etwas da ist.

Bob musste Müllbeutel!!! Im Wohnzimmer beiseite räumen, damit wir die Couch ausklappen können. Es war Plaste- oder Papiermüll oder so, also nix was stinkt, aber trotzdem sehr befremdlich. Und überhaupt sah das Wohnzimmer etwas zugerümpelt aus. Naja, er hat es dann am Samstag aufgeräumt, aber das hätte er ja auch schon eher machen können, oder? Allerdings, wenn man sich sein Profil anschaut und die Tatsache, wie häufig er Couchsurfer hostet, bedenkt, stellt sich schon die Frage, wann er das tun soll. Denn die Reisenden geben sich sozusagen die Klinke in die Hand.

In London und Bristol war ich ja bei zwei Frauen, die auch eine Beziehung zu ihren Gästen aufbauen wollten. Miteinander reden, etwas gemeinsam unternehmen, voneinander lernen. Für Aline in Bristol war das sogar eine Bedingung, die sie an die Community stellt. Sie würde deshalb niemals Leute für nur eine Nacht hosten. Letztes Jahr in der Schweiz war ich bei einer Lehrerin aus Chile, die hab ich eigentlich nur am Ankunftsabend und am Abreisemorgen gesehen. Die vier Tage dort hatte ich die Wohnung quasi für mich allein.

Ich verfahre mit meinen Gästen sehr unterschiedlich. Grundsätzlich stelle ich mich auf den 1. Abend ein. Kommen sie übers Wochenende, biete ich ihnen eine kleine Stadtführung an und abends einen Besuch meiner Lieblingskneipe. Alles weiter ergibt sich dann irgendwie.

Einmal hatten wir einen Franzosen, der hatte seinen Aufenthalt in Leipzig schon dermaßen durchgeplant, dass er nicht mal Tipps von uns brauchte. Mit anderen dagegen habe ich sehr viel unternommen. Ich hoste auch Leute für eine Nacht, wenn sie auf der Durchreise sind. Ich bin manchmal auch in der Situation, dass der Weg von A nach B zu weit ist und ich gern irgendwo zwischenlanden würde, deshalb kann ich so etwas nachvollziehen. Viele Couchsurfer hosten aber nicht nur für eine Nacht, weil sie sich da wie eine kostenlose Herberge vorkommen. Aber die Community ist ja riesig, so gibt es eben auch verschiedene Auffassungen und am Ende ist für jeden der passende Gast oder Gastgeber dabei.

Die letzte Nacht in Cardiff habe ich bei einem anderen Couchsurfer verbracht, da war ich dann also auch nur kurz. In der WG habe ich mich aber sofort wohl gefühlt. Tom war viel kommunikativer als Bob, seine Mitbewohnerin Kate sowieso und dann war da noch Kirby, eine Couchsurferin aus Sydney. Wir hatten einen wunderbaren Abend mit viel Gelächter, Geschnatter und Wodka. Wirklich Schade, dass ich dort nicht länger war.

Ich bin also am Montag morgen mit Christine zum Bahnhof gefahren und sie hat mir den Bus nach St. Fagans gezeigt. Sie selber ist mit einem Bus des National Express für 1 Pfund!!! nach London gefahren. Ich habe für die gleiche Strecke 77 Pfund für das Zugticket bezahlt. Wenn man also zeitig genug plant und bucht, ist der National Express eine echte Alternative. Zeit muss man allerdings auch mitbringen, jedenfalls im Winter. Denn das Pärchen, das Bob am Montagabend erwartete, kam aus Liverpool 4 Stunden zu spät. Es hatte ja geschneit in Great Britain, und bei Schnee geht dort erst mal nichts mehr oder zumindest schlecht.

Nach St. Fagans gab es aber keine Probleme. Und weil es ein Wochentag war und Winter waren nur ich, eine Schulklasse und ein weiterer Tourist da. Ohne Stress und Störungen konnte ich also übers Gelände spazieren und mir die Farmhäuser, Mühlen, Geschäfte, Zollhäuser und das Schloss ansehen. Der Nachteil am Winter ist allerdings, dass die Zeit genutzt wird, um manche Dinge neu zu gestalten. Ich hätte gern den Wooden Circle gesehen, und die Ausstellung im Hauptgebäude war auch geschlossen. Glück hatte ich wieder mit dem Wetter, aber das hatte ich ja eigentlich den ganzen Urlaub lang.

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