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Ein Spaziergang über’s Meer

Dezember 6, 2010

Beitrag vom 28.11.2010, Cardiff/ Wales

Heute ist Sonntag und auf Bob’s Empfehlung hin bin ich zur Cardiff Bay gefahren. Ja gefahren. Man könnte von Bob’s Wohnung auch laufen, aber…

Es gibt da ein Busboot, den Waterbus, das sollte man in Cardiff wenigstens einmal benutzt haben. Es startet im Bute Park, gleich neben dem Castle. Natürlich war heute nicht soviel los. Draußen liegt Schnee und der durchschnittliche Cardiff-Eingeborene schläft wohl noch seinen Rausch aus. Auf dem Weg zum Boot war ich noch auf einem kleinen Bauernmarkt hinter dem Millennium Stadion. Dort waren außer den Bauern aus der Umgebung nur Neuseeländische Rugbyfans anzutreffen, die sich vor der Heimfahrt noch einen Abstecher gönnten. In Cardiff liegt ja wirklich alles sehr schön zentral. Das Stadion ist quasi in 5 Minuten vom Bahnhof Central aus zu erreichen. Die Innenstadt beginnt sozusagen am Stadion und liegt auch nur 2 Minuten Fußmarsch vom Bahnhof entfernt. Das Castle erreicht man von selbigen aus auch nach ca 5 Minuten.

Auf dem Markt habe ich Peperoni Beef gekauft, Wurst von irgendeiner einheimischen Rinderrasse, deren Namen ich schon, als ich das Wechselgeld in der Hand hatte, vergessen habe. Dazu Brot.

Im Bute Park waren die wenigen Spaziergänger auch alles Rugbyfans auf der Heimreise; jedenfalls zerrten alle dieser beliebten kleinen Rollkoffer hinter sich her. An der Bootsanlegestelle am Taff traf ich dann ebenfalls Rugbyfans: Franzosen! Obwohl ihre Les Bleus gestern zu Hause gegen die Australier gespielt haben (und mächtig was auf die Nase gekriegt haben), waren sie hier in Cardiff.  Die vier und ich waren also die einzigen Fahrgäste an diesem Sonntag. Das war so gegen Mittag und die Stadt war, wie schon gesagt, noch recht still.

Die Fahrt geht vorbei am Millennium Stadion und man hat vom Fluss aus eigentlich den besten Blick darauf. Im Hafen nimmt das kleine Schiff dann ordentlich Fahrt auf, bevor es in Penarth Head an der Cardiff Bay Barrage sein Ziel erreicht. Die Besatzung, der Kapitän und ein Kollege, sind wie alle Waliser offenherzig und freundlich, immer zu einem kleinen Schwatz bereit.

Die Cardiff Bay Barrage ist eine Art gigantischer Talsperre, die in den 1990er Jahren gebaut wurde, um das nicht mehr genutzte Hafenviertel Cardiffs zu regenerieren. Die Bucht ist Teil des Bristol Channels, in dem man den zweitgrößten Gezeitenunterschied der Welt beobachten kann ( Ich habe in Bristol bereits über dessen Auswirkungen auf den Fluss Avon geschrieben und auch versucht, es zu fotografieren). Vor dem Bau der Barrage war die Bucht während der Ebbe leer, stattdessen breitete sich ein riesiges Wattenmeer aus. Natürlich gab es genug Argumente gegen den Bau der riesigen Anlage, die ja die Zerstörung des Wattenmeers in der Bucht nach sich zog. Für das Hafenviertel hat sich die Anlage allerdings tatsächlich als positiv erwiesen. Cardiff Bay ist heute wieder ein florierendes Viertel mit zahlreichen Restaurants und Läden, sowie diversen Touristenattraktionen wie z.B. das Millennium Centre oder die Barrage selber. Leider ist das Visitor Center, die Tube, z.Z. wegen größerer Bauarbeiten in den Docks nicht zu sehen. Ich hab es natürlich trotzdem gesucht; bis ich endlich gecheckt habe, dass es gerade weiträumig umzäunt ist.

Erst Mal bin ich aber aus dem Waterbus raus und habe Wind und Kälte auf der Barrage getrotzt. Dort hatten es sich eine ganze Menge Angler „gemütlich“ gemacht, während ich dachte, ich müsste mich zu Tode frieren. Abgesehen von der Kälte war das aber heute ein herrlicher Wintertag, mit viel Sonne und guter Sicht. Auf der Barrage läuft man dann Richtung Hafenviertel. Dorthin hat man eine Kirche, die Norwegische Kirche, in der Roald Dahl getauft wurde, umgesetzt, es gibt ein hübsches kleines Einkaufs- und Kneipenviertel. In einer der Kneipen habe ich Sunday Roast gegessen. Monika hatte mir das empfohlen, als wir uns in Brighton getroffen haben. Bei der Bestellung hab ich mich etwas blöd angestellt. Ich dachte, Sunday Roast wäre ein klar definiertes Gericht, stattdessen musste ich die Fleischart selber wählen. Ich habe mich für Rind entschieden, weil das hier das üblichste Fleisch ist. Dazu gab es drei Sorten Kartoffeln und wirklich gut angerichtetes Gemüse. Es ist nichts besonderes an dem Gericht, außer dass es eben etwas anderes ist, als Fish’n Chips und auch nicht so fettig, wie man das in UK üblicherweise gewohnt ist. Die Portionen sind natürlich riesig. Eigentlich verzichte ich hier auf einheimische warme Speisen. In Brighton und Bristol hatte ich ja das Glück, von einer Polin und einer Brasilianerin bekocht zu werden. In London war ich chinesisch essen. In der Factory in Bristol und im Claire’s in Bath, das war mehr mediterrane Küche. So komme ich eigentlich nur auf drei Einheimische Gerichte: Fish’n Chips in London, das Sunday Roast heute und am Freitag hatte ich eine Meat Platte im Luis; da habe ich die Wurst aber auch nur mal gekostet, die drei Sorten Fleisch waren zwar lecker, aber irgendwann wird einem hier alles zu fettig.

Auf dem Weihnachtsmarkt im Cardiffer Stadtzentrum gibt es neben der John the Baptist Kirche zwei bemerkenswerte Stände. Der eine wirbt mit German Babecue, Bratwurst und Bockwurst, der andere mit Hot Glühwein Wine. Ich war gestern tapfer und habe den Glühwein probiert. Mal davon abgesehen, dass der im Plastikbecher serviert wurde, war er sogar und wider Erwarten lecker! An die Wurst habe ich mich trotzdem nicht getraut. Die esse ich ja auch in Deutschland eigentlich am liebsten nur in Thüringen, wo sie echt und frisch ist.

Das heißt nun aber nicht, dass es in UK nix leckeres zu essen gibt. Ich liebe dieses Frühstück mit Lachs und Ei. In Schottland habe ich sogar das Full Scottish Breakfast probiert und fand es, bis auf die Würtschen und die Bohnen, lecker. Hier esse ich gern die Breakfast Rolls. Bei der Kälte (ich bin ja häufiger im Winter in Uk als im Sommer), kommt so ein gehaltvolles Frühstück echt gut. Und dann natürlich der Carot Cake. Der schmeckt nirgends so gut wir in Britannien! Und ich kann mich ja durchaus einige Tage lang nur von Kuchen ernähren.

Eine interassante Variante des Kletterns, oder sollte ich besser sagen Boulderns?, habe ich im Hafenviertel beobachten können. Während ich noch auf der Suche nach dem Tube am Kai hin und her hastete, packte ein junger Mann an der Mauer am Beginn des Roald Dahl path Kletterschuhe und Chalkbag aus und legte los. Da die Mauer in der Abendsonne lag, hat er sich dabei möglicherweise nicht die Hände abgefroren. In Bristol hatte mir Aline ja auch ein Klettergebiet im Avon Gorge gezeigt und von der Suspension Bridge aus konnten wir einer Seilschaft zuschauen. Ich weiß ja von Matt, dass zumindest Schottische Bergsteiger gern bei Regen, Schnee und Eis klettern. Matt meinte zumindest, im Sommer sei es ihm in der Sächsichen zu warm und alle Fotos, die ich von ihm aus Schottland gesehen habe, zeigten neben den aufwärts strebenden Gesellen fürchterlichste Wetterunbilden. Offensichtlich ist das aber nicht allein eine Schottische Eigenart, die Engländer und Waliser mögen es, wie’s scheint, wohl auch etwas frischer unterm Hintern. Nun könnte man meinen, ich sei verpimpert und verwöhnt. Dem muss ich allerdings kategorisch widersprechen. Sächsiche Bergsteiger sind mitnichten verpimpert und verwöhnt, auch wenn ich nicht zu den Verrücktesten dieser Zunft zähle. Sächsiche Bergsteiger sind verwegen und tapfer, ziemlich verrückt, trotzen dem Tod und schlafen auch im Winter im Freien… auch wenn ich eher ein Feigling bin. Aber ich nächtige, auch im Winter, in Boofen und hör mir da gern die Heldengeschichten meiner tapfereren Kletterkumpels an.

Fotos gucken? Klick aufs Bild

Von Rugby und Glühwein in Cardiff/ Wales
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