Skip to content

Rugby ist eine Religion

Dezember 5, 2010

Beitrag vom 28.11.2010

Der Grund, weswegen ich ausgerechnet hier in Cardiff bin, sind 15 Herren ganz in Schwarz: Die All Blacks. Neuseelands Rugby Nationalmannschaft. Das beste Team der Welt. Auch nicht Rugbykundigen bekannt wegen ihres Hakas, den sie vor jedem Spiel tanzen.
Jedes Jahr im Herbst kommen die Teams der so genannten Southern Hemisphere, also die Australier, Südafrikaner und die Kiwis, sowie die Argentinier, nach Europa, um sich in den Autumn Tests mit den Teams der so genannten Northern Hemisphere, also allen Britischen Teams, Frankreich und Italien, zu messen. Das ist DIE Gelegenheit!
Gestern spielten sie im Milleniumstadium gegen Wales.
Natürlich hätte ich die All Blacks lieber im Murrayfield Stadium in Edinburgh gesehen, gegen die Schotten. Aber an dem Wochenende hatte ich ein Ticket für Anne Clark im Anker. Also wurde nix aus meinem geplanten Schottlandurlaub mit Rugbyspiel. Ich musste umdisponieren. Nach Irland wollte ich nicht und Cardiff passte mir zeitlich am besten ins Konzept.
Dann bin ich allerdings doch erst mal ohne Ticket in UK eingereist. Als ich mich endlich zur entsprechenden Reise entschlossen hatte, waren die Preise bereits zu hoch, als dass ich hätte auf Verdacht ordern wollen. Dann, als ich endlich Quartier in Cardiff hatte, war es zu spät, um sich Karten nach Deutschland schicken zu lassen. Also hab ich mir eingeredet, dass es genauso viel Spaß machen würde, das Spiel in einem Pub in Cardiff zu sehen. Schließlich ist Rugby in Wales eine Religion, da würde ich auch in der Kneipe meinen Spaß haben.
Natürlich verflog mein Optimismus, je näher das Wochenende rückte und ich fand es plötzlich sogar ziemlich doof, in Cardiff in einem Pub zu sitzen, statt die Gelegenheit, die All Blacks life zu sehen, wahrzunehmen.
Da kam mir wieder die couchsurfer Gemeinschaft zu Hilfe. Michelle hatte mir angeboten, mir ein Ticket zu besorgen. Doch dann meldete sie sich nicht mehr. Am Freitag hatte ich mehrmals versucht, sie anzurufen, auch eine SMS geschickt. Nichts. Auch auf Bob’s SMS hatte sie nicht reagiert. Trotzdem meinte er, ich könne mich auf sie verlassen. Hm.
Bis Samstag Mittag habe ich es ausgehalten, bin geduldig durch Cardiff gelaufen und habe Sightseeing gemacht. Hab meine Nervosität unterdrückt. Dann hab ich angerufen. Alles gut. Wir trafen uns irgendwann gegen 15:00 Uhr. Eine Karte hatte Michelle nicht, die würden hier noch überall von fliegenden Händlern verkauft. Taten sie auch.
Nach dem Ticketkauf ging es zum Pre-Game-Pint in den Pub. Da gab’s zum Glück auch Becks. Eigentlich nicht mein Bier, aber immer noch besser als das Einheimische. Die Pubs waren schon ordentlich voll mit Kiwis und Walisern. Alle freuten sich auf das Spiel und tranken sich warm.
Ins Stadion musste ich dann allein, weil Michelle und Co ja woanders saßen. Leider war die 1. Halbzeit etwas langweilig. In der Zweiten ging aber dann die Post ab. Auch war mein linker Nachbar betrunken, pubste dauernd und schien auch eher einfach strukturiert. Mein rechter Nachbar hat sich alle Mühe gegeben, meinen in diesem Moment drohenden Negativeindruck vom Walisischen Rugby Supporter aufzubessern. Ich hatte auch Glück. Mein linker Nachbar hat sein Bier wider Erwarten nicht über mir ausgeschüttet und auf seine Frage, ob ich das Spiel verstehe, konnte ich ihm eine entsprechende Antwort geben (Kann wirklich jemand glauben, dass ich mich von Leipzig aus auf den Weg mache, um ein Spiel zu sehen, dass ich nicht verstehe?)
Nach dem Spiel musste ich im Callaghan auf meine Walisischen Freunde warten.
Oh je, ein überfüllter Pub! Da soll ich ganz alleine rein? Doch Michelle hatte gemeint: JA. Geh rein, bestell Dir ein Bier und es wird keine 5 Minuten dauern, da hast Du einen netten Gesprächspartner. Stimmt! Meine Gesprächspartner waren fast alles Neuseeländer, und Gavin. War fast ein bisschen Schade, als nach einer Stunde meine Walisischen Freunde auftauchten und mich in eine andere Ecke des Pubs gezerrt haben.
Natürlich konnte ich nicht so lange bleiben wie die Englischsprachige Gemeinde. Ich kann einfach nicht so viel Bier trinken. Und nicht so viel Schnaps. Ich bin gegangen, als ich das Gefühl hatte, kein Englisch mehr zu verstehen. Ob es an den Sprachfindungsschwierigkeiten der anderen lag, oder an meinen Spracherkennungsschwierigkeiten, ließ sich zu dieser Stunde nicht mehr genau feststellen.

Der Haka live in Cardiff. Klick auf’s Bild
Advertisements
No comments yet

Meinungen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: