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Herbst im Elbsandstein

November 8, 2010

Endlich kann ich anfangen, meinen Jahresurlaub zu nehmen. Ganz schön blöd, wenn das im November/ Dezember sein muss. Deshalb war ich erstmal eine reichliche Woche in der Sächsischen Schweiz. Am 30./31. Oktober war Abkletterwochenende, ein gute Gelegenheit, viele Kletterfreunde zu treffen. Am 29. abends bin ich mit dem „Frauenshuttle“ auf unsere Hütte in Rathen gefahren. Dort gesellte sich vorerst nur Meisse zu uns vier Weibern. Und obwohl wir eigentlich alle müde waren, sind wir dann doch erst 3:30 Uhr in die Schlafsäcke gekommen.

Deswegen saßen wir dann noch beim Frühstück, eigentlich hatten wir erst damit angefangen, als die restliche Bande eintraf. Als es dann darum ging, wohin wir klettern gehen wollten, war es Flöhr, der darauf hinwies, dass der Weg zum Kletterziel auch für mich machbar sein müsse. Der Weg zum Frühstücksplatz in den Schrammsteinen war dann die Härte – für mich. Zunächst war ich überrascht, wie wenig Kondition ich habe. Also eigentlich gar keine. Als wir fast oben waren, war ich am Ende und als es auf einem Felsband langging, wurde mir ganz schwummelig. Also haben mich Andreas und Meisse ins Seil gebunden, dass ich nicht 30 Meter weiter unten lande. Als dann eine Schlucht durchklettert werden musste, ging das auch nicht ohne Hilfe. Andreas stützte und schob mich durch die Steine und Meisse nahm sich meines Rucksacks an. Den hatte Marion schon vorher um Buch, Isomatte und Schlafsack erleichtert. Mitgeklettert bin ich dann natürlich nicht. Habe stattdessen im Schlafsack gelegen, die Kumpels beim Klettern fotografiert und dumme Sprüche abgelassen. Aber das war ja auch nicht anders geplant. Ich hatte gar kein Kletterzeug mit. Nur dass ich so schnell schlapp gemacht hat, dass war ein bisschen deprimierend. Ich dachte, ich sei schon wieder viel fitter. Schließlich gehe ich vier Mal wöchentlich zum Sport… na gut, dass ist eben alles nix für die Kondition. Vielleicht sollte ich mir wirklich Skiroller holen? Am darauf folgenden Donnerstag kam mir Fips nämlich auf eben diesen entgegen. Die nächsten Tage war er voll des Lobes und versuchte in fast missionarischem Eifer alle von den Qualitäten seines neuen Spielzeuges zu überzeugen. Naja, das ist eben Fips. Ich versuche es im Winter lieber erst mal auf den schneetauglichen Langläufern.

Am Sonntag, der Weg zum Nashorn im Brand war dann schon viel gemütlicher. Und freundlicherweise sind die Freunde viel geklettert, so dass ich viel zum Fotografieren hatte.

Abends auf der Hütte waren dann schon die Finken: Mutter, Vater und zwei Söhne. Die Oma hatten sie auch aus München mitgebracht. Zusammen wollten wir die Woche wandernd verbringen. Haben wir auch gemacht. Nur Dienstag waren wir am Thürmsdorfer Stein. Da sind Vater und jüngerer Sohn geklettert, und ich hab von unten gesichert (an einem fixen Sicherungspunkt). Die Mutter ist derweil zeternd mit Oma und älterem Sohn weitegewandert. Naja, kann ich irgendwo auch verstehen. Wenn das mein Mann gewesen wäre, hätte ich zwar nicht gezetert, wäre aber auch wandern gegangen, um das Grauen nicht zu sehen. Er hat nämlich erst am Stand überlegt, wie ich ihn denn nun eigentlich weitersichern soll. Von unten. Mit dem Kind zwischendrin. Ging aber dann. Nur man hätte am Einstieg schon drüber nachdenken können. So sind sie eben, die Sachsen. Hab mir dann am nächsten Tag auch gleich Peter Brunnert’s Liebeserklärung an uns „Die spinnen die Sachsen“ gekauft und konnte manchmal vor Lachen nicht weiter lesen. Obwohl das natürlich haarstäubende Geschichten sind. Aber ja, so sinnse!

Übrigens stiegen dann noch vier Herren jenseits der 70 in die Route ein. Ungesichert! Die kletterten seit 60 Jahren zusammen. Nuja, irgendwann fallen sie dann vielleicht doch mal runter, so ohne Seil dürfte das schmerzhaft bis tödlich sein. Da möchte ich dann nicht daneben stehen.

Wir hatten Glück mit dem Wetter. Zwar schien nicht immer die Sonne, aber wirklich geregnet hat es nur mal am Freitag, als wir in den Schrammsteinen unterwegs waren. Gewandert sind wir täglich nie mehr als 5 Stunden. Das ist wenig, aber mir brannten jeden Abend die Beine, der Rucksack war eh immer zu schwer, und zurück auf der Hütte brauchte mein Rücken jedes Mal so 30 Minuten, sich zu erholen.

Einmal war ich nach einer Wanderung noch in Hrensko, wo es sich im November mit den Marktständen der Vietnamesen in Grenzen hält. Ich hab Oblaten und gesüßte Kondensmilch geholt, unverzichtbare Mitbringsel für die Kinder. Sogar der Konsum ist dort längst nicht mehr in Tschechischer Hand. Ich frag mich, ob das Örtchen noch einen Tschechischen Bürgermeister hat. Wahrscheinlich ja. Und er wird wohl neben Hudy und den noch vorhandenen drei/vier Tschechischen Kneipen da der einzige verbliebene Ureinwohner sein. Ich frag mich auch, wie wohl die Politische Gesinnung derer Tschechen ist, die da früher wohnten. Ich frage mich, ob ich noch so schön links und antinational wäre, wenn ich in Hrensko geboren wäre und da gelebt hätte.

Im April gab’s da einen Felsabbruch. Der runter gefallene Klotz liegt immer noch auf der Straße, zuzüglich zwei weiterer Felsbrocken. Veiieihct werden die ja im Zuge der Baumaßnahmen, die nach dem letzten Hochwasser nötig und eingeleitet sind, beseitigt.

Der Herbst ist, wenn man nicht klettern will oder kann, die schönste Jahreszeit im Elbsandstein. In der Abendsonne wetteifern Bäume und Felsen um das schönste Rot. Man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Denn das Spektakel dauert nur ca 30 Minuten, dann verschwindet die tief stehende Sonne hinter dem nächsten Berg. Ich hatte nur einmal wirklich Glück, dass ich bei Rathen an der Elbe stand. Zweimal saß ich in der S-Bahn. Die anderen Abend schien entweder keine Sonne oder ich wackelte noch durch irgendeine der Schlüchte.

Ab Donnerstag trudelten dann die ersten „Baufahrer“ ein. Am6./7. November war ja Baufahrt. Da ich aber eh noch nicht in der Lage bin, Holz durch die Gegend zu schleppen oder Schubkarren zu bewegen, habe ich mich Samstag Vormittag wieder aus dem Staub gemacht. Außerdem rief die heimische Badewanne.

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