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Heimkind Nr 316 oder der Alltag in der Kurklinik

Mai 19, 2010

Nachdem ich also nach der OP nur gelegen habe, fühlte ich mich anfangs in der Klinik etwas überfordert. Plötzlich galt es, lange Wege zurückzulegen… Und überhaupt, die vielen Anwendungen. Ich war permanent erschöpft und musste mich zwischenzeitlich ausruhen. Und abends auf dem Zimmer… ich weiß nicht, ob es am Liegen lag oder an der Erschöpfung: ich schaffte keinen Film zu Ende. Und Lesen konnte ich ja auch nicht wirklich viel, weil, sitzen konnte ich nicht und im Liegen lesen, flach auf dem Rücken, da kriegt man andere Gebrechen davon.

Die BfA gestand mir ein Taxi zu, dass mich nach Bad Schandau brachte. Dort nahm mich eine Schwester in Empfang und wies mich in die wichtigsten Dinge des Klinikalltags ein. D.h., sie zeigte mir mein Zimmer, meinen Sitzplatz im Speiseraum und gab mir den Termin für die Einstellungsuntersuchung. Ansonsten hatte ich für den Rest des Tages frei und sollte mich umsehen. Na, wie gesagt, ich war froh, dass ich es zum Speiseraum schaffte und wieder zurück und zum Arztzimmer.

Am folgenden Tag ging es mit den Therapien los: Einzeltherapie, Wirbelsäulengruppentherapie, Autogenes Training(?) und Wassergymnastik täglich, Klassische Massage und Quarkpackungen auf OP-Stelle und Fuß jeden 2. Tag. Dazu noch drei Mal täglich Essen… mein Tag war ausgefüllt, auch wenn der Oberarzt zur Visite meinte, ich hätte eigentlich nicht soviel Behandlungen. Hallo? Er meinte auch, ich hätte einen schweren Beruf. Einverstanden.

Ich hatte in meiner grünen Behandlungskarte auch 2x „Kreative Freizeitgestaltung“ eingetragen. Obwohl mir derSinn noch nicht danach stand, schaute ich mir schon mal das Angebot an: Seidenmalerei, Aquarellmalerei, Tonfigurenausmalerei, Korbflechterei und Hinterglasmalerei. Die Klassiker also!!! Ich war begeistert und froh, dass ich für noch nix fit war und die Entscheidung hinausschieben konnte. In der 3. Woche fühlte ich mich dann fit genug und ging zum Korbflechten. Schon nach einer halben Stunde tat mir alles weh und ich wechselte aller 10 min die Position: Sitzen. Stehen-Sitzen-Stehen. 2 Stunden ging das so und Rückenschmerzen hatte ich noch am nächsten Tag. An dem war auch Visite und ich bekam einen Anschiss vom Chefarzt. Danach nahm ich mir die Freiheit heraus, auf die 2. Kreative Freizeitgestaltung zu verzichten. Mir wär die Wahl auch schwer gefallen…

In der 1. Woche hatte ich auch Vorträge zu besuchen. Gleich am 2. Tag die „Begrüßung der am Vortag angereisten Patienten“ und am 4. Tag die „Begrüßung aller in derWoche angereisten Patienten“. Jede Veranstaltung dauerte so 1 Stunde – merkwürdige Pflichtveranstaltung, wenn man nicht sitzen kann. Und das alles zusätzlich zu den Behandlungen und den Mahlzeiten. Ich weiß nicht, was die Leute immer von Kurschatten erzählen… ich kannte nur die Leute, die mit mir am Tisch saßen und ein paar aus der Gruppentherapie. Für mehr hatte ich keine Zeit. Gleichzeitig reduzierten sich meine Ansprüche und die Festplatte wurde weiter und weiter runtergefahren. Meinen Tagesablauf bestimmten andere. Und der unterteilte sich in die Zeiten zwischen den Mahlzeiten, unterbrochen von den unterschiedlichen Behandlungen, Blutdruckmessungen, Wiegen und dem Warten auf die wöchentliche Visite. Die wenigen Gespräche mit den anderen Heimkindern drehten sich meistens um Krankheiten und den Alltag in der Klinik. Der Effekt war – erstaunlicherweise – erholsam und entspannend.

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