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Behörden kennen keinen Schmerz

April 13, 2010

Ich hab es natürlich immer schon gewusst: Ohne Bürokratie geht gar nix!

Und doch gibt es immer wieder Überraschungen!

Stellt Euch vor, Ihr kommt ins Krankenhaus. Bei der Aufnahme kriegt Ihr u.a. eine Bescheinigung in die Hand gedrückt, die innerhalb drei Tagen beim Arbeitgeber sein muss (obwohl der schon eine Krankschreibung vom Arzt hat). Dumm nur, dass es im Krankenhaus weder die Möglichkeit zum Briefmarken- noch zum Briefumschlagkauf gibt. Außerdem hängt Ihr am Tropf und werdet am nächsten Tag operiert.

Mein Pech war, dass ich am Mittwoch vor Ostern ins Krankenhaus kam. In der und in der nächsten Nacht machten sich so ziemlich alle meine Freunde auf den Weg in die Fränkische Schweiz und nach Südfrankreich, um dort die Feiertage zu verbringen und ein bißchen Urlaub dranzuhängen. Meine Cousine war in der Schweiz und meine Tochter in Sri Lanka. Mein Glück war, dass meine jüngere Tochter ob meiner Krankheit zu Hause geblieben ist, so konnte sie den Schein abgeben.

Fünf  Tage nach der OP werdet Ihr entlassen und was Ihr nun braucht, ist eine Krankschreibung vom Hausarzt. Da stellt sich dann heraus, dass manche Arzthelferin auch eine gute Beamte abgeben würde. Alles telefonieren nützt nichts (zur Ehrenrettung des Arztes muss ich sagen, dass es mir nicht gelungen ist, ihn ans Telefon zu kriegen. Da geht kein Weg an der Arzthelferin vorbei). Als setz ich mich ziemlich frisch am Rückgrat operiert – ich darf eigentlich gar nicht sitzen und kann nur kurze Strecken laufen- ins Auto und lass mich an der Praxis absetzen. Wenigstens gelingt es mir dort, die Arzthelferin dazuzubringen, mich ins Sprechzimmer durchzuwinken. So, mit der Krankschreibung in der Hand, kann ich mich nach Hause fahren lasen und im Bett von den Anstrengungen des Tages erholen.

Dann geht es ums Krankengeld. Stellt Euch vor, Ihr wart schon 6 Wochen krank, es gibt kein Geld mehr vom Arbeitgeber. Kein Problem: Dafür gibt es Krankengeld von der Krankenkasse.

Nur, automatisch geht das nicht.

Dafür müsst Ihr einen Antrag stellen.

Ich erhielt die Unterlagen per Post zwei Tage nach meinem Anruf bei meiner zuständigen Kasse.

Diesen Antrag nun wieder muss der Arzt mitausfüllen.  Blöd, wenn man immer noch ein Loch im Rücken hat und die Freunde inzwischen wieder auf Arbeit, das Kind in der Schule und das andere immer noch in Sri Lanka ist.
Aber ich hatte wieder Glück. Ein Freund ist auch grad krank. Also bitt ich ihn um eine Gefälligkeit.

Um ihn nich an bewusster Arzthelferin scheitern zu lassen, ruf ich extra in der Praxis an. Wieder dringe ich nicht zum Arzt selbst durch. Aber nachdem ich mir geduldig angehört habe, dass das Wartezimmer schon 30 min vor Öffnung (?Hä?) überfüllt  und die „Hölle los ist“, ring ich Frau Ichbinüberfordert die Zusage ab, dass sie den Antrag zwischen zwei Patienten dem Arzt gibt, und mein Bekannter nicht länger als 20 min warten sollte.

Aber es kommt anders. Als mein Kumpel in der Praxis ist, geht gar nichts und er soll eigentlich am nächsten Tag wiederkommen. Erst als der nun ein bißchen Rabbatz macht, darf er am Nachmittag wiederkommen. Übrigens, was der Arzt auf dem Antrag ausfüllen muss, ist der Beginn der aktuellen Krankschreibung, die Nummer der Krankheit, eine Unterschrift. Und natürlich muss ein Stempel auf“s Formular.

Unglaublich!

Ich bin froh, dass ich kein Busunfall hatte , nach dem ich vielleicht so zwei drei Monate im Koma oder so liege. Und ich bin froh, dass ich nicht allein bin. Denn in dem Fall würde ich aus dem Krankenhaus entlassen werden und hätte vielleicht keine Wohnung mehr oder mindestens Mietschulden, abgestelltes Telefon und abgeklemmter Strom oder so. Weil, ich hätte ja kein Krankengeld beantragen können, die Miete usw wäre aber trotzdem von meinem schnell leeren Konto abgezogen worden. Nicht auszudenken.

Deutschland, Deine Bürokraten, kann ich da nur sagen!

Ach übrigens, ich habe versucht, bei meinem Hausarzt einen Termin für die Wundversorgung zu kriegen. Trotzdem ich der Dame im Vorzimmer eindringlich meine Beschwerden und die Tatsache, dass ich keinsfalls im Wartezimmer sitzen kann, erläutert habe, konnte sie mir keinen Termin geben, da ja, wie immer und jeden Tag „die Hölle los“ sei in der Praxis. Ich kann aber täglich zwischen 7:30 und 9:00 Uhr kommen, das ist die Sprechzeit für unbestellte Patienten. Da sitzt man nach meinen Erfahrungen so 30 bis 60 min. Also gibt es keine Wundversorgung. Den Verband hat am Sonntag meine 17jährige Tochter gewechselt.

Ab 20. April bin ich in derReha. Dort sollte wieder Fschpersonal greifbar sein, das mal nach meiner OP-Wunde gucken kann. Die „Anschlussheilbehandlung“ wurde zum Glück vom Krankenhaus beantragt. Die Tatsache, dass ich da gar keinen Antrag ausfüllen muss, macht mich fast ein bißchen unsicher, ob auch alles klappt….

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